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Anton Graff „Henriette von Carlowitz“ (Öl auf Leinwand, 1772)

Berlin – Nahezu 250 Jahre war das von Anton Graff, dem bedeutendsten deutschen Porträtisten der Aufklärungszeit, gefertigte Gemälde der Henriette von Carlowitz vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen. Vor nicht langer Zeit erhielt es die Nationalgalerie durch Schenkung, doch bedurfte es einer gründlichen Überarbeitung, nach welcher es nun in einem gesonderten Raum dem Publikum vorgestellt wird.

Betitelt ist die kleine Kabinettausstellung mit „Die Wiedergeburt der Henriette von Carlowitz – Ein Gemälde von Anton Graff wird restauriert“. Damit folgt auch die Alte Nationalgalerie der gegenwärtigen Mode, einmal (oder mehrmals) nicht den Künstler, sein Werk und seine Zeit aus sich heraus zu betrachten, sondern sich mit technischen Fragen, mit der Provenienz des Bildes und seinem gegenwärtigen Zustand zu befassen. Was natürlich auch interessant ist, zumal mittlerweile die Arbeit des Gemälderestaurators längst nicht mehr jene eines Kunsthandwerkers ist, sondern streng wissenschaftlichen Ansprüchen unterliegt und alles in allem oft eher an die eines Forensikers erinnert.

Bewacht von den bekannten je zwei Großgemälden der Meister des Realismus Franz Krüger und Adolph von Menzel fällt der Besucher in der Mitte dieses Raumes auf einen gläsernen Schaukasten, welcher sich mit den verschiedenen Schäden des Gemäldes vor der Restaurierung befaßt.

Dann betritt er den eigentlichen Ausstellungsraum und wird von der entweder wirklich sehr hübsch gewesenen, idealisierten oder auch gut getroffenen Adligen, damals 21jährig, angelächelt. Ganz klar: ein hervorragendes Porträt. Lebendig, vornehm, gut beleuchtet, meisterlich ausgeführt.

Gerahmt wird es von ausführenden Texten, bildlichen Verdeutlichungen und Schaumaterial zu Maltechnik und Materialien (bis hin zu einer Schale mit toten Schildläusen, welche zur Farbgewinnung gesammelt, getrocknet und gemahlen wurden), zur Restaurationsgeschichte, zur Provenienz und neuerlichen Restaurierung, ergänzt um eine Videodokumentation „Hinter den Kulissen“.

Es geht also nur um ein einziges Bild. Nun, fast. Als kleine Reproduktion zur Veranschaulichung ist noch das ebenfalls von Graff stammende, jedoch 12 Jahre später gefertigte Porträt des Georg Heinrich von Carlowitz, des Gatten der Henriette, dessen Original sich nun im Nationalmuseum in Breslau befindet, zu sehen. Außerdem gibt es eine kleine, stark vereinfachte Replika der Hauptattraktion aus den 1920er Jahren, gemalt von Toni von Schmidfeld.

Es geht also fast nur um ein einziges Bild. Das ist gewiß nicht viel, allerdings möge man sich vergegenwärtigen, daß dies in der Alten Nationalgalerie stattfindet, inmitten von Werken großer Künstler wie C.D. Friedrich, Menzel, Renoir, Corinth, Courbet usw., usf. Deren Besuch lohnt sich eigentlich immer.

Zu sehen ist die kleine Sonderausstellung noch bis zum 10. März 2019. Die Alte Nationalgalerie befindet sich in der Bodestraße in 10178 Berlin am Lustgarten, geöffnet hat sie von Dienstag bis Sonntag von 10-18, am Donnerstag bis 20 Uhr. Der Eintritt kostet regulär 10,-, ermäßigt 5,- €.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/alte-nationalgalerie/ausstellungen/detail/die-wiedergeburt-der-henriette-von-carlowitz.html

Ein Anton Graff wird restauriert – Kabinettausstellung in der Alten Nationalgalerie https://art-depesche.de/images/Ohne-Titel_21212.jpg Ruedi Strese