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Ausstellungsansicht von Liz Crossley „Land-Schafft-Geschichten“ (Kunstgewerbemuseum Köpenick, 2018)

Berlin – Die in Südafrika geborene, doch in Berlin lebende Malerin und Graphikerin Liz Crossley hat sich bei einer Serie graphischer Arbeiten von den Landkarten des preußischen Generalleutnants sowie Topo- und Kartographen Friedrich Wilhelm Karl Graf von Schmettau inspirieren lassen. Unter dem Titel „Land-Schafft-Geschichten“ sind diese nun im Kunstgewerbemuseum im Köpenicker Schloß zu besichtigen.

Liz Crossley kam 1949 zur Welt, in Kimberley, in – wie erwähnt – Südafrika. 1972 machte sie an der Universität Kapstadt ihr Kunstdiplom, 1974 besuchte sie einen Kurs in Fotografie und Film in Den Haag, von 1982-85 folgte der Masterstudiengang Freie Kunst an der Rhodes-Universität in Grahamstown. Seit 1986 lebt sie in Berlin, wo sie zunächst an der Hochschule der Künste weiter studierte, seither lebt sie hier als freischaffende Künstlerin. Sie hatte zahlreiche Ausstellungen, vor allem in Deutschland und Südafrika. Seit 2002 ist sie Mitglied des Berliner Beirats für Kunst im öffentlichen Raum.

Was läßt sich zu den ausgestellten Bilder nun sagen? Entstanden sind sie zwischen 2010 und 2015, als Ausgangsmaterial dienen Reproduktionen des „Schmettau’schen Kartenwerks“, welches 1767 und 1787 entstand und große Teile Preußens und Mecklenburgs darstellt. Nicht zum Herrschaftsbereich gehörendes Staatsgebiet wurde weiß gelassen, wodurch sich Crossley an südafrikanische Karten erinnert fühlte, auf welchen die Homelands der Schwarzen gleichsam leer blieben.

Die eigentlichen Ureinwohner Südafrikas sind natürlich weder die Weißen noch die Bantu (welche im Wesentlichen erst im Gefolge der weißen Kolonisierung kamen), sondern die Khoisan, Buschleute. Deren Ansicht, daß Land keinem gehören könne, spielte für das Entstehen der Arbeiten ebenfalls eine gewichtige Rolle. Eine Sichtweise, die sich ein nomadisches Jäger- und Sammlervolk in einem dünn besiedelten Land freilich am ehesten leisten kann.

Die genannten Karten wurden also von Crossley bearbeitet; ihr Beitrag ist grob der „lyrischen Abstraktion“ zuzurechnen. Acryl- und Aquarellfarbe, Tusche, Blattgold, Seidenpapier und Oilbar wurden auf die Reproduktionen aufgetragen, bisweilen ergänzt durch geschriebene Sätze. Wer sich indes für Informel nicht interessiert, wird sich vermutlich auch von diesen Bildern kaum überzeugen lassen.

Daß die insgesamt 18 Arbeiten nun ausgerechnet im Schloß Köpenick zu sehen sind, könnte man noch als bedeutsam betrachten, denn Friedrich Wilhelm Karl Graf von Schmettau war von 1804 bis zu seinem Tod 1806 dessen Besitzer und Neugestalter. Ergänzt wird die Ausstellung durch eine um einen Finger reduzierte Handvoll kunstvoller kartographischer Meßinstrumente und Reißzeuge aus dem Bestand des Kunstgewerbemuseums Köpenick, welches übrigens mit einer hervorragenden Dauerausstellung von Möbeln, Geschirr, Wandbehängen usw. aus Renaissance und Barock aufwarten kann. Jene lohnt sich bestimmt.

„Land-Schafft-Geschichten“ wird noch bis zum 24. März im Kunstgewerbemuseum im Schloß Köpenick zu sehen sein; dieses befindet sich auf der Schloßinsel in 12557 Berlin-Köpenick und ist von Oktober bis März von Donnerstag bis Sonntag von 11-17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet regulär 6,-, ermäßigt 3,- Euro.

 

Verweise:

http://www.liz-crossley.de/
https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/land-schafft-geschichten.html
http://www.liz-crossley.de/texts/LizCrossley_cv_ger.pdf

Kartographische Impressionen – Liz Crossley im Schloß Köpenick https://art-depesche.de/images/Ohne-Titel_5468.jpg Ruedi Strese