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„Biografien der Bilder“ - Ausstellungsansicht

Berlin – Provenienzforschung ist ein interessanter Nebenaspekt der Kunstgeschichte und derzeit die große Mode im Bereich der Kunstausstellungen, bevorzugt bezüglich solcher Kunstwerke, welche während der NS-Zeit aufgrund äußeren Zwanges, sei es durch Notverkäufe oder staatliche Enteignung, ihre Besitzer wechselten. Da möchte auch das Museum Berggruen nicht abseits stehen und hat seine Bestände auf die Frage, wer ihre Besitzer waren und wie die Besitzerwechsel stattfanden hin untersucht. Bis zum 19.5.2019 heißt es dort entsprechend „Biografien der Bilder – Werke und Provenienzen im Museum Berggruen“.

Im Vordergrund steht die Provenienzfrage derzeit ohnehin bei der Ausstellung zur Sammlung Gurlitt im Gropius Bau, und auch die gegenwärtige Schau zur Schenkung der Werke Max Beckmanns aus der Sammlung Barbara Göpel im Kulturforum gibt dieser Frage einigen Raum. Somit sind also in Berlin aktuell mindestens drei Ausstellungen zu sehen, in welchen es um dieses Thema geht. Was kann nun das Museum Berggruen bieten?

Zunächst einmal sind die gezeigten Objekte im Wesentlichen weder neu erworben, noch von fern her geliehen; es handelt sich weitestgehend um die Werke der (mit etlichen Stücken von Picasso, Klee, Matisse natürlich erstklassigen) Dauerausstellung, welche lediglich in einem anderen Kontext gezeigt bzw. mit zusätzlichen Erläuterungen, das heißt, ergänzenden Tafeln mit biographischen Angaben und bisweilen spannenden Geschichten, versehen werden.

Acht Kapitel dieses Programmes finden sich über die Ausstellung verteilt. Es beginnt mit der Frage, was Provenienzforschung eigentlich sei, und es wird die Rolle thematisiert, welche der Sammler und Händler Nicolas Berggruen dieser zumaß. Erstmalig wird hier, was im Verlauf der Schau mehrfach geschieht, die Rückseite eines Bildes von Picasso gezeigt, nebst Ausführungen zu den darauf befindlichen, für Provenienzforscher bedeutsamen Aufklebern und sonstigen Markierungen. Unter „Kunsthändler und -sammler“ werden prominente Vorbesitzer ausgewählter Werke der Sammlung vorgestellt. Durchaus interessant!

Weiter geht es mit der Thematisierung der Beschlagnahmungen von Kunstwerken durch den ERR („Einsatzstab Reichsleiter Rosenberg“) im besetzten Frankreich, im konkreten Fall um Arbeiten Picassos, welche später bei Berggruen landen sollten. Bei „Picasso und Klee in den USA“ geht es um die Rezeption dieser beiden Größen in den Vereinigten Staaten sowie deren Eingang in die dortigen Sammlungen. Ein eigenes Kapitel erhält auch Daniel-Henry Kahnweiler; erzählt wird die Geschichte von dessen legendärer Galerie, zu sehen sind verschiedene Arbeiten von Klee, Braque und Picasso, welche sich einmal in deren Besitz befanden.

Eine in dieser Form exklusive Installation des Gegenwartskünstlers Raphael Denis befaßt sich mit erwähntem ERR und den von diesem beschlagnahmten Kunstwerken, hat aber mehr mit Geschichtspolitik zu tun, als daß etwas für das Auge geboten würde. Der Installation gegenüber stehen allerdings drei damals verhaftete Picassos, so daß dies immerhin insgesamt einen Eindruck macht.

„Afrikanische Werke“ beinhaltete die Sammlung Berggruens ebenfalls, und auch diese werden gezeigt; es wird die Frage nach Herkunft und Authentizität gestellt sowie darauf aufmerksam gemacht, daß der westliche Kunstbegriff für diese oft in rituellem Kontext stehenden Arbeiten möglicherweise nicht ganz angemessen ist. Zum Abschluß geht es noch einmal um Picasso, und zwar genauer um sein Umfeld, um Freunde, Liebschaften und Händler. Wen porträtierte er? Wer erhielt die Arbeiten?

Fazit: ja, vom Informationsanteil interessant ist diese Ausstellung schon. Für den optisch orientierten Kunstbetrachter gibt es indes nicht viel Neues oder Unbekanntes, oder: nun ist die Provenienzfrage also auch im Berggruen einmal ausgiebig behandelt worden. Sehr schön. Und als nächstes geht es dann wieder um die Kunst als solche.

Geöffnet ist das Museum Berggruen (Schloßstr. 1, 14059 Berlin) von Dienstag bis Freitag von 10-18 sowie am Wochenende von 11-18 Uhr; der Montag ist Schließtag. Die Karte gilt gleichfalls für die auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindliche, dem Surrealismus verschriebene, Sammlung Scharf-Gerstenberg.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/museum-berggruen/ausstellungen/detail/biografien-der-bilder-provenienzen-im-museum-berggruen.html

„Biografien der Bilder“ – kunsthistorische Ergänzungen im Museum Berggruen https://art-depesche.de/images/B3FF1B78-A573-42C3-B0A6-332C604BB928_2_1200px.jpg Ruedi Strese