„Die Sehnsucht des Lichts“ - Spät- und Postimpressionismus im Dieselkraftwerk Cottbus

Theo von Brockhusen „Baum am Feldweg“ (Öl auf Leinwand, o.J.)

Cottbus – Nicht lange ist es her, daß die Kunstmuseen von Frankfurt an der Oder und Cottbus zum Brandenburgischen Landesmuseum für moderne Kunst zusammengefaßt wurden. Zu hören war vom dortigen Geschehen nicht allzuviel. Zu Unrecht, wie man angesichts einer aktuellen Ausstellung in Cottbus feststellen muß. Noch bis zum 10. Februar 2019 wird im alten Dieselkraftwerk eine hochwertige Zusammenstellung aus Spät- und Postimpressionisten geboten.

Zwei hohe und lichte, doch für Bilder der gezeigten Art etwas zu kalt, eben zu sehr wie Industriehallen aussehende Säle des einstigen Maschinenhauses (natürlich, dies sind die gegebenen Räumlichkeiten) dienen der Darbietung der Schätze, zum Teil aus eigenen Beständen, zum Teil Privatleihgaben, manche aus anderen Museen.

Der berühmteste Künstler dabei ist sicher Claude Monet, von „Monsieur Impressionisme“ gibt es eine eher expressionistisch anmutende „Trauerweide“ von 1918/19. Mit einem einzigen Werk, einem Aquarell, ist der Neoimpressionist Paul Signac vertreten. Noch eher früher bzw. „klassischer“ Impressionismus ist ein Bild des kaum bekannten Victor Viollet-le-Duc. Die anderen Franzosen im Programm sind sämtlich dem Fauvismus zuzurechnen: Charles Camoin, Raoul Dufy, Othon Friesz, Louis Valtat und, mit mehreren besonders prächtigen Ölgemälden, Maurice de Vlaminck.

Besondere Beachtung verdienen die gezeigten Gemälde Kasimir Malewitschs, größtenteils aus seiner Frühzeit, bevor er mit seinem Suprematismus zu einem führenden Vertreter der aufkommenden Abstraktion wurde. Beeindruckend eine sich fast im Licht auflösende „Winterkirche“ von 1906/07, welche an manche späten Arbeiten Monets erinnert – das eher fauvistische Ölgemälde „Blaue Dächer Landschaft in der Umgebung von Kiew“ überrascht auf andere Weise, denn es stammt von 1928/30 und stellt somit eine späte Rückkehr zu den Wurzeln dar.

Der Rest der Künstler sind Deutsche. Mit einer ganzen Reihe herrlicher, großformatiger Arbeiten dabei ist Theo von Brockhusen, dessen Vorbild war bekanntermaßen und auch ganz offensichtlich van Gogh, was angesichts der Ergebnisse gewiß keine Schande ist. Der Meißener Paul Baum ist mit zwei sehr schönen lichten Gemälden dabei, von denen eines dem Pointillismus, eines mehr dem Impressionismus zugerechnet werden kann.

Pointillistisch beeinflußt ist auch ein frühes Werk des späteren Expressionisten Wilhelm Morgner. Von den „großen Drei“ des deutschen Impressionismus (Lovis Corinth, Max Liebermann, Max Slevogt) ist nur letzterer vor Ort, und zwar mit einem sehr schönen Blick in den winterlichen Wald. Etwas fauvistisch geprägt ist eine „Südfranzösische Landschaft“ Richard Drehers. Von Karl Hagemeister gibt es zwei der großartigen, schon stark in Richtung Gegenstandslosigkeit gehenden, Wellenbilder. Friedrich Kallmorgen ist mit einer eher rauhen Hafenansicht dabei.

Insgesamt also, nicht unbedingt von den zu sterilen Räumlichkeiten, aber doch von den gezeigten Bildern, eine hervorragende Ausstellung, welcher weit mehr Besucher zu wünschen wären – während meines Besuches war ich der einzige Gast, und ich erfuhr von einer Mitarbeiterin etwas über die Besucherzahlen, was ich hier nicht schreiben möchte. Die Öffentlichkeitsarbeit muß leider als absolut mangelhaft bezeichnet werden: zum Zeitpunkt, als dieser Artikel verfaßt wurde (12.12.2018), ging die Schau bereits 10 Tage, doch die Seite des Museums verlor darüber kein Wort, sondern endete mit einer Ausstellung im November…

Es gibt für Kunstfreunde derzeit definitiv einen guten Grund nach Cottbus zu fahren, und dieser befindet sich im alten Dieselkraftwerk (Uferstraße, Am Amtsteich 15, 03046 Cottbus); geöffnet ist dieses dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Der Eintritt für alle Ausstellungen beträgt regulär 6,- Euro.

 

Verweise: https://www.museum-dkw.de/