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Henri-Edmond Cross „Der Strand von Saint-Clair“ (Öl auf Leinwand, 1896, Privatsammlung)

Potsdam – Erneut wagt das Museum Barberini den ganz großen Wurf, und wieder mit Erfolg. „Farbe und Licht“, organisiert in Zusammenarbeit mit dem Musée des impressionnismes Giverny, ist die erste Retrospektive des großen Neoimpressionisten Henri-Edmond Cross in Deutschland. Bis zum 17. Februar 2019 kommen dort Freunde leuchtender Farben auf ihre Kosten.

Geboren wurde Cross 1856 (entstammt also etwa der selben Generation wie Vincent van Gogh, Georges Seurat, Lovis Corinth, Ferdinand Hodler oder Giovanni Segantini) im nordfranzösischen Douai als Henri-Edmond-Joseph Delacroix. Privaten künstlerischen Unterricht erhielt er bereits früh; ab 1878 studierte er an der Écoles Académiques de Dessin et d’Architecture in Lille. Zunächst malte er in einem erdig-realistischen Stil (analog zu van Gogh).

Seinen Namen änderte er 1883 anglisierend in Cross, vor allem, um Verwechslungen mit dem Romantiker Eugène Delacroix zu entgehen. Im Zusammenhang mit der Société des Artistes Indépendants, zu deren Gründungsmitgliedern er gehörte, lernte er Paul Signac und Georges Seurat kennen. An der Mittelmeerküste entdeckte er Farben und Licht, wandte sich der Freilichtmalerei und dem Impressionismus zu.

Als Seurat 1891 starb, begann Cross sich intensiver mit dessen Schöpfung des Pointillismus bzw. Neoimpressionismus zu befassen. Später lösten er und Signac sich jedoch wieder von dessen Dogma, ließen Variation zu, und es entstanden die großen, leuchtenden Meisterwerke. Er starb 1910 an Krebs, nicht ohne der Kunstwelt seinen Stempel aufgedrückt zu haben und etwa Henri Matisse den Weg zur Schaffung des Fauvismus geebnet zu haben.

Das Barberini zeigt nun also in sechs Räumen rund 100 Werke, wobei natürlich die großen, prächtigen Ölgemälde der Hauptschaffensphase ab ca. 1891, welche sich oft mit griechisch-mythologischen Themen und der Verklärung der Natur im Sinne Jean-Jacques Rousseaus und eines naiven Anarchismus widmen, im Vordergrund stehen. Doch auch einige der frühen realistischen Portraits sind zu sehen, sowie eine brillante impressionistische Landschaft von 1887. Jeweils einer der kleineren Räume ist der Meisterschaft Cross’ in den Bereichen der Zeichnung und des Aquarells gewidmet – letzteres nimmt in dessen Spätwerk einen großen Raum ein und kann durchaus als bewußte Abkehr von der aufwendigen neoimpressionistischen Tüpfelmalerei und Rückbesinnung zur spontanen Freilichtmalerei des frühen Impressionismus verstanden werden.

Die Präsentation der Arbeiten, Anordnung, Beleuchtung und Kommentierung, ist, wie vom Barberini bekannt, sehr gelungen. Eine Pflichtausstellung, definitiv. Die Karte für das gesamte Museum kostet 14,-, ermäßigt 10,- Euro, Personen unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Geöffnet ist es am Montag sowie von Mittwoch bis Sonntag von 10-19 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr; der Dienstag ist Schließtag. Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam.

 

Verweise:

https://www.museum-barberini.com/henri-edmond-cross/
http://www.artcyclopedia.com/artists/cross_henri-edmond.html

„Farbe und Licht“ - der Neoimpressionist Henri-Edmond Cross im Museum Barberini https://art-depesche.de/images/2018_cross_29.jpg Ruedi Strese