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ein Bild entsteht… im Hobby-Atelier bei Art-Depesche-Redakteur Ruedi Strese

Berlin – Die Kinder haben noch ein paar Tage Ferien, und zumindest einen Tag wollen wir zusammen verbringen und gemeinsam etwas Schönes machen. Die Kleine mit ihren sieben Jahren zeichnet zumindest sehr gerne und hat dabei sowas wie einen „eigenen Stil“ entwickelt, die Große, mittlerweile 14 Jahre zählend, hat an der Malerei schon wirklich Gefallen gefunden. Wir gehen oft zusammen ins Museum, insbesondere die Impressionisten und Postimpressionisten haben es ihr angetan, und wenn sie den Pinsel in die Hand nimmt und ihre kleinen Landschaften auf die Leinwand bringt, kommt schon etwas Beachtliches bei heraus. Warum also nicht einmal einen Familien-Maltag einlegen?

Davor steht ein gemeinsamer Großeinkauf beim Künstlerbedarf, in dem Fall bei Boesner. Natürlich ließe sich das auch alles im Netz bestellen, aber im Laden einzukaufen ist in dem Fall doch schöner! Grundierte Leinwände, neue Pinsel, Acryl- und Ölfarben, Pinselreiniger. Bleistifte für die Vorzeichnung, ein paar Lehrbücher. Vielleicht das Unwichtigste dabei, aber zumindest kann man sich ja nützliche Hinweise geben lassen. Eine Staffelei wartet bereits in der Wohnung, auch die Paletten sind schon vorhanden.

Dann kommt der eigentliche Maltag. Wir beginnen diesen mit einer Tasse Tee, dann wird aufgebaut. Die Große schlägt mir vor, eine Musik auszuwählen. Mir ist nach Sibelius’ Violinkonzert. Dann… setzen wir uns nochmal an den Tisch und überlegen, was wir malen wollen. Die Kleine entscheidet sich für einen Hund, die Große blättert in einem Kursbuch für Landschaftsmalerei, dann beschließt sie, einfach „frei Schnauze“ eine Küstenlandschaft zu malen.

Ich selbst bin mit den Gedanken bei Munch und den frühen Landschaftsgemälden Noldes mit ihrem pastosen Farbauftrag. Bei irgendwas Expressionistischem. Mit dem Bleistift bringe ich die ungefähre Komposition zu Papier und mache mir Gedanken über die Farbgebung. Der Himmel soll schlicht und möglichst einheitlich hellblau werden. Die untere Bildhälfte soll ein schneebedeckter Hügel einnehmen, umgesetzt in dicken weißen Strichen, durchsetzt mit ein wenig Rot und Blau, so ähnlich, wie ich es bei Nolde gesehen habe. Die Große hatte sich damals gleich Detailaufnahmen gemacht. Kluges Kind!

Links hinten ein paar Tannen, dunkelgrün, davor ein Mann, schwarz, auf einem grellroten Stein sitzend. Links ein Haus, auch in leuchtendem Rot angedacht. Ich überlege. Dann erscheint mir das Haus viel zu wuchtig, es muß weichen, und ich entscheide mich letztlich, einen einzelnen Zweig eines unbestimmten Nadelgehölzes von oben rechts in das Bild ragen zu lassen, darunter soll eine Frau mit angewinkelten Beinen sitzen. Der Stein entfällt ebenfalls, der Mann soll nun stehen, aber dem Betrachter entgegenkommen; nur sein Oberkörper soll auf dem Bild zu sehen sein.

Die Kleine zeichnet ihren Hund auf die Leinwand, dann legt sie mit ihren Acrylfarben los, auf jeden Fall wird es bunt. Die Große mischt Ölfarben auf der Palette, sie bevorzugt verhaltene Töne, und ohne Vorzeichnung beginnt sie mit ruhiger Sicherheit. Ich übertrage meine Vorzeichnung auf die Leinwand, fotografiere das Ergebnis dann nochmal ab, dann geht es ans Werk.

Ich beginne mit dem Himmel. Dafür brauche ich viel Weiß und etwas Blau, das Ganze wird gut gemischt und dann mit einem breiten Pinsel flächig und dünn aufgetragen, ein etwas zäher Vorgang. Die angemischte Farbe reicht gerade so. Weiter mit dem schneebedeckten Hügel. Hier will ich einen pastosen Auftrag. Wieder viel Weiß, daneben kommen je ein winziger blauer und roter Klecks auf die Palette. Ich mische nicht wirklich, sondern tunke den nicht ganz so breiten Pinsel kräftig in das Weiß und nur eine Ecke ein wenig in Rot oder Blau. Die noldeschen kräftigen, durchsetzten Striche gelingen mir nicht so, wie ich es mir gedacht hatte, ich wechsele zu einem etwas wirren Tupfen, aber das Ergebnis gefällt mir doch einigermaßen. Der Hintergrund ist nunmehr vorhanden.

Dann wieder ein etwas dünnerer Pinsel, es geht an den Zweig rechts oben. Dafür mische ich Grün und Schwarz – schwarze Ölfarbe habe ich leider nicht, also muß hierfür Acryl herhalten. In vorsichtigen Tupfen gewinnt der Zweig seine Gestalt. Ein sehr dünner Pinsel wird für die Spitzen genutzt. Die Tannen auf bzw. hinter dem Hügel folgen in gleicher Farbe… nur, daß es irgendwie keine Tannen werden wollen. Na gut, dann eben irgendwas, irgendein Gewächs. Für den Kopf des Mannes lasse ich ein Stückchen frei.

Zum Schluß der wohl riskanteste Teil, mit welchem ich leicht alles versauen kann: die Figuren. Das Schwarz habe ich verworfen, ein etwas uneinheitliches Rotbraun soll es werden. Die etwas weiter entfernt sitzende Frau wird rasch hingemalt, ich bin zufrieden. Der Mann braucht eine etwas längere Bearbeitung, bis ich ihn gelten lassen kann. Ich bin fasziniert von den Möglichkeiten für Mischung und reliefartige Ausarbeitung, welche die Ölfarben bieten! Zum Schluß nur noch ein paar Winzigkeiten… ich lasse ab, will nicht durch ein Zuviel das (für meine geringen Ansprüche) halbwegs passable Werk ruinieren.

Mein Bild ist also fertig. Hm… man könnte sich fragen, warum der Hügel schneebedeckt ist, aber nicht die Pflanzen. Und warum die Figuren nackt sind. Im Winter. Egal. Munch und Nolde? Jedenfalls konnten diese, im Gegensatz zu mir, malen. Hoffentlich werde ich in der kommenden Nacht nicht von ihren Geistern verdroschen!

Auch die Kleine ist mittlerweile zum Ende gekommen. Wie vorausgesagt, sehr bunt. Der berühmte bunte Hund also. Die Große hat ganz entspannt, fast meditativ, wie selbstverständlich, ihre kleine Leinwand gefüllt. Das Bild ist bestimmt besser als meins. Was nicht schwer ist. Mehr also: es ist wirklich gelungen. Eine Sanddüne mit wenigen Pflanzen, dahinter Meer und Himmel. Stark! Sie selbst hält es für unvollendet und will es später fertigstellen…

Es wird sofort ordentlich aufgeräumt, die Pinsel gewaschen, die Bilder zum Trocknen an einen passenden Ort gelegt. Danach entspannen wir uns bei Kaffee bzw. Kakao und Keksen. Ein schönes Erlebnis, welches sicher seine Fortsetzung finden wird...!

Und, wann gibt es bei Ihnen den ersten Familien-Maltag?

Mal etwas Anderes: Malerei als Freizeitspaß für die Familie https://art-depesche.de/images/E5B4FA61-D7BA-4242-86EA-623D1864A128.jpg Ruedi Strese