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Aage Bertelsen „Sommerlandschaft“ (Öl auf Leinwand, 1913)

Kopenhagen - Vor allem in seinen Farben unterscheidet sich der skandinavische Impressionismus oft stark vom französischen, wie viele Arbeiten von Frits Thaulow, Christian Krohg oder Michael Ancher belegen. Ein interessanter Vertreter einer späteren Generation war der Däne Aage Bertelsen, welcher als Teilnehmer der Danmark-Expedition nach Nordostgrönland die Eindrücke dieser in Gemälde umsetzte und sich sonst als Maler stimmungsvoller Landschaften seiner Heimat einen Namen machte.

Geboren wurde er 1873 in der Stadt Næstved auf Süd-Seeland als Sohn von Rudolph Vilhelm Valdemar Bertelsen (1828-1921), der als Maler unter anderem Stilleben, Landschaften und Intérieurs auf die Leiwand brachte und überdies als Kunstlehrer am Internat Herlufsholm seine Brötchen verdiente. Früh bereits kam er so mit zahlreichen Malern in Kontakt, unter anderem mit Lauritz Andersen Ring (1854-1933). Die eigenen künstlerischen Neigungen wurden vom Vater entsprechend mit Wohlwollen betrachtet.

Von 1892 bis 1896 war er Student des realistischen Historienmalers Kristian Zahrtmann an der Kopenhagener „Kunstnernes Frie Studieskoler“. Dieser begleitete ihn 1897 auf einer von der Akademie finanzierten Studienreise nach Italien, wo er Rom, Neapel und Venedig besuchte; 1899-1900 dann besah er Deutschland und Frankreich, es folgten Reisen nach Norwegen und Schweden. Eine rege Ausstellungstätigkeit begann gleichsam in jenen Jahren, so nahm Bertelsen etwa von 1899-1903 an der Frühjahrsausstellung in Charlottenborg teil und ab 1904 war er Mitglied der Ausstellungsgemeinschaft „Den Frie Udstilling“ („Die freie Ausstellung“).

1906-08 fand die Reise statt, welche seinen Ruhm begründen sollte, nämlich die zur Hälfte vom Königreich Dänemark finanzierte Expedition in die unerforschten Weiten Nordostgrönlands, welche er und sein Kollege Achton Friis künstlerisch dokumentieren sollten. Die Bedingungen waren extrem, die Reise kostete den Leiter Ludvig Mylius-Erichsen und zwei weitere Teilnehmer das Leben. Bertelsen schuf mehrere Aquarelle und kleine Ölbilder der Landschaft Grönlands und sind zum Teil auch in „Im Grönlandeis mit Mylius-Erichsen“Achton Friis’ 1910 erschienenen Buch zur Reise, enthalten. Öffentlich gezeigt wurden die Bilder der beiden 1908 auf der Freien Ausstellung in Kopenhagen, in Aarhus und Odense, dann in Berlin und weiteren deutschen Städten und schließlich sogar bei der Royal Geographic Society in London. Zu Ehren des Malers gibt es nun auf Grönland einen Aage-Bertelsen-Gletscher sowie das Kap Aage Bertelsen.

In den Jahren darauf gründete Bertelsen eine Familie und wurde, u.a. als Leiter des Vereins „Kunst gegen Waren“, zu einer wichtigen Figur der dänischen Kunstszene. Er blieb malerisch tätig und schuf vor allem lichtvolle dänische Landschaften spätimpressionistischer Prägung. Er starb 1945 in Kopenhagen und wurde in Birkerød bestattet, wo er sich etwa 1910 niedergelassen hatte.

Eine besondere posthume Ehrung kam ihm 2009 zuteil, als der dänische Maler Per Kirkeby zum 100jährigen Jubiläum die vormals von Bertelsen und Friis erkundete Gegend auf Grönland bereiste und eigene Aquarelle und Radierungen schuf, welche 2011 zusammen mit Werken der beiden Pioniere in Odder ausgestellt wurden.

Erwähnt sei nebenbei, daß der Verfasser dieser Zeilen selbst ein Gemälde Bertelsens besitzt, eine recht charmante winterliche Ansicht eines Gehöftes, und daß die Arbeiten dieses recht produktiven Malers bisweilen zu erstaunlich günstigen Preisen erhältlich sind.

 

Verweise:

http://www.artnet.com/artists/aage-bertelsen/
https://de.artprice.com/artist/2350/aage-bertelsen
https://www.mutualart.com/Artist/Aage-Bertelsen/89A5FDC564671C09
https://www.gravsted.dk/person.php?navn=aagebertelsen
http://www.artnet.com/artists/rudolf-bertelsen/
https://www.gravsted.dk/person.php?navn=rudolfbertelsen

Der dänische Spätimpressionist Aage Bertelsen https://art-depesche.de/images/Aage_Bertelsen_-_Sommerlandskab_-_1913.png Ruedi Strese