static-aside-menu-toggler
gkSearch
Robert Liebknecht „Frau im Profil“ (Öl auf Pappe, undatiert, Nachlaß Robert Liebknecht)

Berlin – Daß Wilhelm Liebknecht einer der Gründerväter der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands war, ist für eine Kunstseite wie die ART DEPESCHE im Grunde unerheblich. Ebenso, daß sein radikalisierter Sohn Karl Liebknecht 1919 im Zuge der Niederschlagung kommunistischer Bewegungen im Auftrag einer SPD-Regierung erschossen wurde. Dessen Sohn Robert Liebknecht (1903-1994) jedoch war Maler, und an dieser Stelle wird es interessant, denn noch bis zum 3. Februar wird dessen Frühwerk im Käthe-Kollwitz-Museum vorgestellt.

Geboren wurde er 1903 als zweites von drei Kindern des Kommunistenführers. Bei dessen Tod im Januar 1919, hatte der Sohn seinen 16. Geburtstag noch nicht erreicht. Entscheidend wurde die Begegnung mit Käthe Kollwitz, denn diese traf er in der Leichenhalle, wo sie Skizzen des Verstorbenen anfertigte, welche später die Grundlage zu ihrem bekannten „Gedenkblatt für Karl Liebknecht“ bilden sollten – dieses ist übrigens derzeit auch in seinen verschiedenen Stadien in einer Kabinettausstellung im Museum zu besichtigen.

Kollwitz ließ sich von dem Jungen seine Zeichnungen zeigen, hielt ihn für sehr begabt und ermunterte ihn, selbst Maler zu werden. Ersten professionellen Zeichenunterricht nahm er bei dem Berliner Industriemaler Hans Baluschek, auch bei dem Expressionisten Willy Jaeckel besuchte er Kurse. Ab 1923 studierte er an der Dresdener Kunstakademie bei Ferdinand Dorsch und Max Feldbauer, 1926 unternahm er eine Studienreise nach Frankreich, und von 1928 bis 1930 war er Meisterschüler des Impressionisten Robert Sterl, anschließend war er als freier Künstler im Berliner Wedding tätig.

Er blieb sowohl der kommunistischen Bewegung als auch der avantgardistischen Künstlerszene verbunden, emigrierte 1933 nach Paris, wo er u.a. mit Max Ernst und Otto Freundlich 1936 das Kollektiv deutscher Künstler, Keimzelle des Freien Künstlerbundes, gründete. 1937 ausgebürgert und 1940 in Frankreich interniert, konnte er 1943 in die Schweiz ausreisen. Eine vollständige Biographie mag an anderer Stelle folgen, doch haben wir nun den zeitlichen Rahmen, in welchem die aktuell ausgestellten Werke entstanden sind.

Ungefähr 40 Arbeiten sind es insgesamt, welche sich im Kuppelraum im dritten Obergeschoß des Museums vereint finden. Es beginnt im Treppenhaus mit einer Landschaft, „Felder bei Berlin“, ein Ölgemälde von 1930, gemalt auf Pappe (Leinwand hat Liebknecht anscheinend damals eher selten genutzt). Ein herrlich lebendiges Werk, welches an einen ungestümeren Liebermann oder manche Arbeiten der Fauves Vlaminck und Dérain denken läßt – leider ungünstig präsentiert, der Ort ist zu dunkel und macht eine gerade Betrachtung aus einem gewissen Abstand, welche das Bild verlangt, unmöglich.

Im Kuppelraum selbst beginnt es mit frühen grafischen Arbeiten, Porträtzeichnungen in Bleistift und Kohle sowie expressiven Lithographien zum Stadtleben, sicher etwas für Freunde der Berliner Jahre der Brücke.

Es schließt sich eine Wand voller Porträts in Öl aus den Jahren 1928-33 an, der Stil schwebt zwischen Im- und Expressionismus, auch einnert manches etwas an Otto Dix. Der Verfasser dieses Artikels hat den Eindruck, daß der Porträtist jener Jahre in seinem spontanen, freien Arbeiten am besten war, denn ein Bildnis des Vaters von etwa 1930, wohl entstanden in sowjetischem Auftrag, wirkt weit ernsthafter – doch weniger überzeugend.

Die dritte Seite des Raumes mit verschiedenen Ölgemälden ist wohl die gehaltvollste. Es finden sich eine wirklich hervorragende „Frau im Profil“ von leuchtender Farbigkeit, ein „Selbstporträt im Atelier“ (1940) und zwei Bilder mit Blumen, eines eher Intérieur, eines ein Stilleben – dieses sicher eine der besten Arbeiten, ausnahmsweise auf Leinwand und in sehr dichter Malweise. Es schließen sich vier größere Berliner Straßenszenen an, wieder sehr locker und roh gemalt, Teile der Leinwand wurden sogar freigelassen, statt daß vorher ein durchgehender Hintergund geschaffen wurde – diese Bilder sind sehr farbenfroh, lebhaft und dekorativ.

Zuletzt gibt es weitere Berliner Szenen, darunter eine Farblithographie und mehrere Kohlezeichnungen, eine Aktstudie (Aquarell) sowie zwei Schaukästen mit Skizzen und Studien. Dann geht es schon wieder zum Treppenhaus, und erneut sieht man die wunderbaren „Felder bei Berlin“ und schüttelt den Kopf ob der ungünstigen Unterbringung. Ansonsten ist die Anordnung und Präsentation der Bilder gelungen – bisweilen etwas dicht, doch ist der Platz ja arg begrenzt, und ein bißchen sollte auch gezeigt werden. Ein Kompromiß, keine Frage.

Fazit: wer den Namen Liebknecht bislang nur mit extremen politischen Ideologien in Verbindung gebracht hat, erhält nun die Gelegenheit zu einem differenzierten Bild und kann einen nicht großen, aber doch interessanten Maler kennenlernen, der irgendwo zwischen Impressionismus und Expressionismus seinen eigenen Weg gefunden hat. Es lohnt sich also!

Das Käthe-Kollwitz-Museum befindet sich in der Fasanenstraße 24 in 10719 Berlin-Charlottenburg. Geöffnet ist es täglich von 11-18 Uhr, der Eintritt regulär 7,- und ermäßigt 4,- Euro, unter 18jährige bezahlen nichts.

 

Verweise:

https://www.kaethe-kollwitz.de/aktuelles/robert-liebknecht-das-fruehwerk/
http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/robert-liebknecht/

Robert Liebknecht – Das Frühwerk, präsentiert im Käthe-Kollwitz-Museum https://art-depesche.de/images/62D3DD6E-E290-4DC6-9D2A-BA79742C72B8_1200px.jpg Ruedi Strese