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Albert Ebert „Trauerfeier im Bootshaus Rötzscher II“ (Öl auf Hartfaser, 1959)

Halle (Saale) – Nicht ganz zu Unrecht wurde Albert Ebert als „der Henri Rousseau von der Saale“ bezeichnet. Neben Paul Schulz-Liebisch dürfte der Hallenser Heizer der bedeutendste deutsche Vertreter der naiven Malerei gewesen sein. Die an Schätzen reiche Moritzburg hat dem Künstler in einem Kabinett ihres Nordwestturms eine Dauerausstellung gewidmet.

Ebert wurde 1906 in Halle an der Saale geboren, wo er den Großteil seines Lebens verbrachte und 1976 auch starb. Er hatte zunächst eine Lehre als Maurer begonnen, sich dann mit den verschiedensten Tätigkeiten über Wasser gehalten. Eine Verwundung im Weltkrieg 1939 brachte ihn ins Lazarett, und dort begann er zu malen.

1946 studierte er für zwei Semester an der Hallenser Kunsthochschule Burg Giebichenstein bei Charles Crodel, welcher sich vorrangig mit Glasmalerei befaßte, außerdem nahm er Zeichenunterricht bei Waldemar Grzimek (weshalb, zugegeben, seine Zuordnung zu den eigentlichen Naiven durchaus bestritten werden kann).

Seine erste Ausstellungsbeteiligung hatte er 1948, doch mußte er zwischenzeitlich wieder als Heizer und Bauarbeiter arbeiten, bis ihm 1956 die Unterstützung von Freunden und Bewunderern sowie ein Stipendium der DDR-CDU ein Leben als freischaffender Künstler ermöglichten. 1973 erhielt er den Kunstpreis der Stadt Halle, doch erst eine kurz vor seinem Tod 1976 auf der Moritzburg veranstaltete Einzelausstellung brachte die verdiente offizielle Anerkennung.

Mindestens 752 Gemälde hat Ebert in seinem Leben geschaffen, so viele kennt das Werksverzeichnis von 2001. Das Kunstmuseum Moritzburg besitzt 27 von diesen aus den eigenen Beständen und zehn weitere als Dauerleihgabe der Stiftung der Saalesparkasse, darüberhinaus 12 Zeichnungen und kolorierte Drucke sowie das vollständige druckgraphische Werk und somit die größte öffentliche Ebert-Sammlung.

Eberts Gemälde sind mehrheitlich von kleinem bis winzigem Format, es handelt sich um Ölmalereien auf Holz, welche in aufwendiger Lasiertechnik und mit besonderer Liebe gestaltet sind, bis hin zum Rahmen, ganz nach der Art altmeisterlicher Miniaturen. Im Kabinett ist die gesamte Schaffenszeit exemplarisch vertreten, darunter auch das berühmte „Familienbild“ von 1960. Ansonsten befaßt er sich mit dem Leben der einfachen Leute, doch auch (bevorzugt abendlichen) Ansichten seiner Heimatstadt, und immer wieder zeigt sich ein Hang zum Abgründigen und Grotesken. Ergänzend sind in Schaukästen graphische Arbeiten, Lithographiesteine oder Korrespondenzen des Künstlers zu sehen.

Fazit: wer sich in Halle an der Saale aufhält, sollte unbedingt die Moritzburg besuchen, und wer die Moritzburg besucht, sollte das Ebert-Kabinett nicht verpassen. Das Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) befindet sich am Friedemann-Bach-Platz 5 in 06108 Halle (Saale), es ist am Montag und Dienstag sowie von Donnerstag bis Sonntag jeweils von 10-18 Uhr geöffnet; der Mittwoch ist Schließtag. Der Eintritt für das gesamte Haus kostet 10,-, ermäßigt 7,- Euro.

 

Verweise:

https://www.kunstmuseum-moritzburg.de/museum-ausstellungen/sammlungspraesentationen/turmkabinett-albert-ebert/
https://www.kulturstiftung.de/der-rousseau-von-der-saale/
http://www.artnet.de/k%C3%BCnstler/albert-ebert/

Naive Malerei: das Turmkabinett Albert Ebert in der Moritzburg in Halle (Saale) https://art-depesche.de/images/D943274B-443C-45EC-B980-8C919118F95E.jpg Ruedi Strese