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Jean-Siméon Chardin „Stilleben mit Pfeife und Krug“ (ca. 1737)

Bremen - Als einzigartiger Künstler ist Jean-Siméon Chardin in mehrerer Hinsicht zu betrachten. Die überragende Originalität und Qualität seiner Bilder und seine geringe akademische Ausbildung bilden Widerspruch und Einheit zugleich. Insbesondere seine zurückhaltenden, geschmackvollen Stilleben erreichen den Status zeitloser Meisterwerke, doch auch im Bereich der Porträt- und Genremalerei vollbrachte Chardin große Leistungen.

Geboren wurde er 1699 in Paris, im Stadtteil Saint-Germain-des-Prés, welcher im Lauf der Zeit einen Ruf als Künstlerviertel erhielt. Die Stadt soll er Zeit seines Lebens nie verlassen haben. Der Vater unterhielt eine Werkstatt als Tischlermeister, spezialisiert auf Billardtische; selbst der König gehörte zu seinen Kunden. Selbstverständlich sollte der Sohn später dem Vater folgen und erhielt derob eine entsprechende Ausbildung, doch zeigte sich rasch, daß seine wahre Begabung in der Malerei lag.

Der alte Herr zeigte Wohlwollen und sandte den Sohn 1718 zum Atelier des Historienmalers Pierre-Jacques Cazes (1676-1754), wo dieser ihm wenig Anderes als das Kopieren von Kupferstichen aufgab. Die folgende Zeit bei Noël-Nicolas Coypel (1690-1734), gleichfalls Historienmaler, erwies sich als förderlicher, denn hier wurde immerhin Chardins Begeisterung für das Stilleben geweckt, ein Genre, welchem er ab 1720 ausgiebig frönte. Dennoch erwarb er den Großteil seiner Ausbildung in Eigenregie, weshalb die damals übliche Schulung an Antike und Hochrenaissance an ihm weitgehend vorüberging.

Dies empfand er später als Mangel, doch führte es zu einer damals revolutionären Herangehensweise, indem er etwa seine Stilleben nicht nach symbolischen Bezügen, sondern nach ästhetischen Gesichtspunkten zusammenstellte. Seine weiche, tonige Malweise erinnerte eher an alte holländische Meister wie Jan Vermeer oder Pieter de Hooch als an seine Zeitgenossen des Rokoko wie Antoine Watteau und François Boucher. Im Grunde nahm Chardin auch bereits Aspekte des Impressionismus vorweg.

1724 wurde er als freier Meister in die Académie de Saint-Luc, die Lukasgilde, aufgenommen, wobei vermutlich der Vater seinen Einfluß geltend gemacht hatte. Er begann zudem, auf der Exposition de la Jeunesse, welche gezielt junge Künstler förderte, öffentlich auszustellen. Die Jugendausstellung im Jahr 1728 brachte den unerwarteten Erfolg, als der Rokoko-Maler Nicolas de Largillière (1656-1746) das „Küchenstilleben mit Rochen“ erblickte und sich so schwer beeindruckt zeigte, daß er dem recht verblüfften Chardin in Folge dringend nahelegte, sich an der Académie Royale zu bewerben, wo er auch tatsächlich aufgenommen wurde.

Großbürgertum und Adel bis hin zur schwedischen Prinzessin Luise Ulrike und dem französischen König Ludwig XV. waren die Abnehmer und Auftraggeber für die Porträts, liebevollen Familienszenen, beschaulichen Intérieurs und in meist erdigen Farben gehaltenen, harmonischen und meditativen Stilleben. Chardins Arbeitsweise war allerdings sehr sorgfältig und deshalb auch langsam, weshalb es des Öfteren verstimmte Kunden gab.

Dennoch wuchs sein Ansehen langsam, aber sicher. Ab 1737 stellte er regelmäßig auf dem Pariser Salon aus, 1743 stieg er zum Berater der Akademie auf, später wurde er Zuständiger für das Aufhängen der Bilder auf Ausstellungen. Ab 1752 erhielt er vom Köng eine feste Pension von 500 Livres, 1755 wurde er Schatzmeister der Akademie und zwei Jahre darauf erhielt er einen Wohnsitz direkt im Louvre. Zahlreiche gutbezahlte Aufträge sorgten für finanzielle Sicherheit. 1770 war er hochdotierter „erster Maler des Königs“

Eine Tragödie gab es um seinen Sohn Jean-Pierre Chardin, der nach Chardins Ansicht gleichfalls Maler werden sollte, das väterliche Geschick jedoch nicht geerbt hatte. Chardin versuchte, ihn zur Ausbildung als Künstler an der Académie de France à Rome zu zwingen, der Sohn wollte jedoch sein für die Ausbildung gedachtes Erbteil ausgezahlt bekommen, was schließlich sogar zum Gerichtsstreit führte. Für das Ende des Sohnes gibt es verschiedene Varianten: einmal soll er auf der Rückkehr aus Rom von Piraten entführt worden und verschollen sein, einmal soll er in Venedig in einem vermuteten Suizid ertrunken sein, wofür 1767 und 1772 als Jahresangaben zu finden sind.

Die letzten Jahre hatte Chardin mit gesundheitlichen Problem zu kämpfen, unter anderem ließ seine Sehkraft nach, weshalb er sich der Pastellmalerei zuwandte. Überdies wurden wichtige Verbündete am Hof durch Gegner ersetzt, und auch sonst fanden sich weniger Abnehmer seiner Werke, wodurch er in Armut geriet. Dennoch malte er bis ins hohe Alter, noch 1779 war er mit einigen Pastellstudien auf dem Pariser Salon vertreten. Er starb im selben Jahr in Paris.

 

Verweise:

http://www.jean-baptiste-simeon-chardin.de/
https://artinwords.de/jean-simeon-chardin/
http://www.jean-baptiste-simeon-chardin.org/biography.html
http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Chardin,+Jean-Baptiste+Sim%C3%A9on

Jean-Siméon Chardin – Meister des Stillebens im 18. Jahrhundert https://art-depesche.de/images/Jean_Simon_Chardin_-_Still-Life_with_Pipe_an_Jug_-_WGA04756.jpg Ruedi Strese