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Karl Eduard Biermann „Schloß Stolzenfels“ (Öl auf Leinwand, 1828, Ausschnitt)

Berlin – Der Neue Pavillon im Schloßpark Charlottenburg war 1824/25 unter der Leitung des bedeutendsten preußischen Architekten Karl Friedrich Schinkel als Sommerhaus für König Friedrich Wilhelm III. und seine zweite Gattin Auguste Gräfin von Harrach im klassizistischen Stil nach italienischen Anregungen errichtet worden. Seither hatte er eine wechselvolle Geschichte, nun beherbergt er ein Museum, welches definitiv Beachtung verdient.

Nachdem der König 1840 verschieden war, blieb das Gebäude zunächst unbewohnt, jedoch waren Teile der Bibliothek dort untergebracht. Ab 1938 wurde der Pavillon als Museum genutzt, doch fiel er 1943 einem Bombenangriff zum Opfer und brannte bis auf das Mauerwerk nieder, wobei auch die Einrichtung weitgehend vernichtet wurde. In den Jahren 1957-70 erfolgte eine schrittweise Rekonstruktion, anschließend waren in einer Dauerausstellung Gemälde der Romantik und des Biedermeier zu sehen.

Ab Anfang der 2000er Jahre gab es eine grundlegende Sanierung, und Ende 2011 konnte die neue Dauerausstellung eröffnet werden, welche im Grunde an die vorherige anschließt und eine lohnende Mischung aus Inneneinrichtung, Kunstgewerbe, Skulpturen und Gemälden des frühen 19. Jahrhunderts enthält. Der Ausrichtung unserer Seite entsprechend möchten wir hier vor allem auf letztere eingehen.

Es ist eine ganz beachtliche Auswahl, welche hier über die zwei Etagen zusammengetragen worden ist. Einige Künstler werden ausgiebiger vorgestellt. Das ist natürlich vor allem Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), dessen Arbeit nicht nur das Gebäude selbst ist, sondern auch ein Großteil der Innenausstattung, so finden sich von ihm entworfene Wandteppiche, Kronleuchter und Möbel, aber auch Architekturmodelle und eine ganze Reihe von Gemälden, bei denen natürlich seine Eigenschaft als Architekt auch immer wieder im Vordergrund steht.

Caspar David Friedrich (1774-1840) ist mit einem eigenen Raum vertreten, dort wird er als einer der „bedeutendsten Vertreter der deutschen Romantik“ vorgestellt. Dies verwundert, denn seine Rolle als mit Abstand bedeutendster Vertreter dürfte kaum je ernsthaft angezweifelt worden sein. Sei’s drum, in neun Gemälden wird seine Meisterschaft erkennbar, vom bekannten Großbild „Morgen im Riesengebirge“ (1810) bis zu kleinen, aber erstklassigen Darstellungen norddeutscher Landschaft gibt es eine herrliche Auwahl.

Mit einem eigenen Raum vertreten ist wohl auch der berühmteste Sohn der brandenburgischen Stadt Cottbus, Carl Blechen (1798-1840). Darunter sind Gemälde verschiedenen Formats und auch unterschiedlicher Qualität, herausragend die zwei Innenansichten des Palmenhauses der Pfaueninsel mit ihren detaillierten botanischen Abbildungen. Auch ein kleiner Schaukasten mit zehn kleinen Ölskizzen verdient unbedingt Erwähnung. Leider ist die Präsentation dieser nicht gerade optimal, eine leichte Schräge und entspiegeltes Glas wären eine klare Verbesserung.

Auch der im Vergleich weniger bekannte biedermeierliche Vedutenmaler Eduard Gaertner (1801-1877) wird gesondert vorgestellt. Seine Arbeiten haben oft stark zeichnerischen Charakter und nicht immer ist die Bildaufteilung gelungen, doch manche können auch überzeugen, etwa eine stimmungsvolle winterliche Abbildung des Gendarmenmarktes, und sonst ist zumindest der Wert als historische Abbildung nicht zu bestreiten.

Weitere Räume mit Gemälden sind thematisch geordnet („Die romantische Landschaft nach Caspar David Friedrich und Karl Friedrich Schinkel“, „Das Vorbild Italiens und die Berliner Malerei des frühen 19. Jahrhunderts“, „Architektur- und Vedutenmalerei im frühen 19. Jahrhundert“ u.a.). Dabei findet sich Großes und anderes von eher dokumentarischem Rang, vertreten sind außer den bislang genannten u.a. Friedrichs Schüler und Intimfreund Carl Gustav Carus, der romantische Landschafter Karl Eduard Biermann (mit der herrlichen „Burg Stolzenfels“), der Mitbegründer der Düsseldorfer Malerschule Friedrich Wilhelm von Schadow sowie der Berliner August Wilhelm Ferdinand Schirmer (nicht zu verwechseln mit dem Düsseldorfer Landschafter Johann Wilhelm Schirmer) u.v.m.

Alles in allem eine überaus lohnende Sache. Manche Räume sind etwas dunkel, immer wieder würde man sich entspiegeltes Glas wünschen, doch beträgt der Eintritt regulär nur vier Euro und dafür wird wirklich viel geboten. Der Neue Pavillon im Schloßpark Charlottenburg befindet sich hinter dem Schloß, am Spandauer Damm 20-24 in 14059 Berlin. Geöffnet ist er derzeit von November bis März dienstags bis sonntags von 12-16 Uhr, von April bis Oktober dienstags bis sonntags von 12-17.30 Uhr.

 

Verweise:

https://www.museumsportal-berlin.de/de/ausstellungen/juwel-der-schinkelzeit/
https://www.spsg.de/aktuelles/ausstellung/juwel-der-schinkelzeit/

Juwel der Schinkelzeit – die Dauerausstellung zur Romantik in Charlottenburg https://art-depesche.de/images/149B213C-3A78-49AB-82A9-3F7FE28BCFB3.jpeg Ruedi Strese