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Andrea Mantegna „Maria mit schlafenden Kind“ (um 1455, Leinwand, 48,4 x 32,2 cm, © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders)

Berlin – Lange angekündigt und nun bis zum 30. Juni zu betrachten ist eine Ausstellung in der Gemäldegalerie, welche in Zusammenarbeit mit der Londoner National Gallery das Oeuvre von Andrea Mantegna und Giovanni Bellini, zweier eng verbundener Großmeister der Renaissance vergleichend betrachtet, insbesondere hinsichtlich ihrer wechselseitigen Beeinflussung.

Es werden rund 100 Werke der beiden Majestäten gezeigt, den Kern bilden hierbei die bereits beachtlichen Bestände an Gemälden der Gemäldegalerie und der National Gallery (wo die Ausstellung zuvor bereits zu sehen war) sowie die Zeichnungen aus dem Berliner Kupferstichkabinett und dem British Museum, ergänzt werden diese um Leihgaben aus Venedig, Florenz, Washington, Kopenhagen, Dresden, Frankfurt am Main und Paris.

Zuvor bereits hatte zum Anfüttern die Studioausstellung „Bellini Plus – Forschung und Restaurierung“ mit erst in jüngerer Zeit restaurierten Gemälden Bellinis und seines Umfeldes stattgefunden, nun folgt der große Schlag.

Betreten wir also die Gemäldegalerie und schauen, was uns dort begegnet. Weihrauchduft kommt uns entgegen, oder zumindest etwas, was dem nahekommt. Passend. Der gesamte gewaltige Mittelbereich ist für Bellini und Mantegna genutzt, und dieser Platz wird auch gebraucht. Anordnung der Werke, Raumgestaltung und Beleuchtung sind vorbildlich, dies wird gleich erkennbar.

Zu Beginn erhalten wir eine kurze biographische Einführung, dann wird die Frühzeit unserer Helden betrachtet, bevor sich ihre Wege kreuzten. Mantegna, geboren 1431, begann seine Karriere als nur Zehnjähriger als Schüler und Adoptivkind Francesco Squarciones in Padua, dort erwies er sich unter Einfluß des Bildhauers Donatello als junges Genie, welches bald den Meister an Kreativität übertraf. Dazu sehen wir u.a. die früheste erhaltene Zeichnung Mantegnas sowie ein Gemälde „Der Evangelist Markus“, welches der erst Siebzehnjährige schuf.

Der etwas jüngere Giovanni Bellini (Geburtsjahr umstritten) war vermutlich ein unehelicher Sohn des Meister Jacopo Bellini aus Venedig, wurde von diesem indes wie der offizielle ältere Sohn Gentile in der Familienwerkstatt ausgebildet. Anders als Mantegna bewies er kein frühes Genie, sondern folgte zunächst dem Vater; seine Meisterschaft zeigte sich später.

Die spezielle Verbindung der beiden Künstler begann, als Mantegna nach Venedig kam, wo er 1452/53 Bellinis Schwester Nicolosia heiratete. Es folgte eine Zeit intensiver Zusammenarbeit und gegenseitiger Inspiration, welche im Folgenden unter thematischen Aspekten bzw. an bestimmten Bildmotiven erläutert wird. Diese Zeit der engen Kooperation endete mit Mantegnas Wechsel nach Mantua im Jahr 1460, wo er bis zu seinem Tode 1506 als Hofmaler der Fürstenfamilie Gonzaga tätig war, während Bellini in Venedig blieb, wo er 1516 verstarb.

Zeichnung und Gemälde werden bewußt zusammen präsentiert, eine hier didaktisch sehr sinnvolle Vorgehensweise. Immer wieder wird der direkte Vergleich genutzt, oft finden sich verwandte oder sogar identische Motive, woran sich dann Gemeinsamkeiten und Unterschiede gut erkennen lassen. So haben etwa Mantegna wie Bellini „Christus am Ölberg“ gemalt. Mantegna betont im Vergleich das Zeichnerische stärker, wohingegen Bellini in den Farben brillanter ist und seine Landschaften stimmungsvoller. Mantegna brachte das Interesse an der Antike mit, Bellini gehörte zu den Pionieren der italienischen Ölmalerei, als Mantegna noch an den Temperafarben festhielt.

Ein eigenes Kapitel ist noch Marco Zoppo (1433-1478) gewidmet, welcher, wie Mantegna Lehrling und Adoptivkind Squarciones, als Bindeglied zwischen den beiden bekannteren Meistern betrachtet wird. Alles in allem ganz groß und Pflichtprogramm; einziger Wermutstropfen und schwer verständlich ist, daß bei einer Ausstellung solcher Bedeutung anscheinend keiner auf die Idee kam, für die Präsentation der Bilder entspiegeltes Glas zu verwenden, was den Genuß bisweilen deutlich erhöhen würde. Hingewiesen sei schließlich noch auf eine kleine Kabinettausstellung zu graphischen Arbeiten Mantegnas und goethesche Kommentare zu diesen, welche zeitgleich stattfindet und auf welche wir hier noch gesondert eingehen werden.

Die Gemäldegalerie befindet sich am Kulturforum Matthäikirchplatz in 10785 Berlin, geöffnet ist sie am Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10-18, am Donnerstag von 10-20 und am Wochenende von 11-18 Uhr; der Montag ist Schließtag; der Eintritt kostet regulär 14,-, ermäßigt 7,- Euro.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/gemaeldegalerie/ausstellungen/detail/mantegna-und-bellini.html
https://art-depesche.de/malerei/467-ein-kleiner-vorgeschmack-von-bellini-–-studioausstellung-in-der-gemäldegalerie.html?highlight=WyJiZWxsaW5pIl0=
https://www.mantegnabellini.de/

Mantegna und Bellini – Meister der Renaissance in der Gemäldegalerie https://art-depesche.de/images/DF3F5D2A-B498-4D46-9C0B-4E716A48D0E1.jpg Ruedi Strese