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Andrea Andreani „Der Triumphzug Cäsars II: Der Triumphwagen“ (Chiaroscuro-Holzschnitt nach Andrea Mantegna, 1598/99)

Berlin – Parallel zur großen Ausstellung der Renaissancemeister Giovanni Bellini und Andrea Mantegna in der Gemäldegalerie (die Art Depesche berichtete) findet bis zum 30. Juni 2019 eine kleine Kabinettausstellung statt, und zwar im „Kabinett in der Galerie“, einer Exklave des benachbarten Kupferstichkabinettes. In dieser wird eine Reihe von Chiaroscuro-Holzschnitten nach Mantegna gezeigt, welche auch der Weimarer Dichterfürst besaß und ausgiebig kommentierte.

Andrea Mantegna (1431-1506) war ein herausragender Zeichner, druckgraphische Arbeiten nach seinen Vorlagen, in der damals relativ jungen Technik des Kupferstiches, fertigte er jedoch nach aktuellem Kenntnisstand nicht selbst an, sondern überließ dies anderen, etwa dem Goldschmied und Kupferstecher Gian Marco Cavalli, wobei er jedoch den Prozeß genau überwacht haben dürfte.

Zu den Hauptwerken Mantegnas gehört „Der Triumphzug Cäsars“, ein Zyklus von neun Monumentalgemälden, welcher die Parade des römischen Herrschers im Jahr 45 anläßlich seines Sieges über die Gallier behandelt, geschaffen ab Mitte der 1480er Jahre für den Palazzo Ducale in Mantua. Die Bilder befinden sich seit 1631 im Besitz des englischen Königshauses; drei von diesen sind derzeit in der Ausstellung zu sehen.

Nach diesen Vorlagen gibt es nun eine Serie von Chiaroscuro-Holzschnitten, geschaffen von Andrea Andreani, einem Verleger und Druckgraphiker, welcher von etwa 1540 bis nach 1610 (letztmalige Erwähnung) in Mantua und Florenz tätig war. Beim Chiaroscuro-(Helldunkel-)Holzschnitt wird durch Betonung der Kontraste mittels Verstärkung der Schattenpartien durch Tusche und Höhung lichter Stellen durch Deckweiß ein besonderer malerischer Effekt erzielt, eine ausgesucht feine Variante der Druckgraphik.

Die Arbeiten, um welche es hier geht, entstanden im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts. Goethe hatte 1820 Abzüge ersteigert, welche er sehr bewunderte, was er auch in schriftlicher Form in seinem Aufsatz „Julius Cäsars Triumphzug, gemalt von Mantegna“, erschienen 1823 im vierten Band von „Über Kunst und Alterthum“, äußerte. Die im Kabinett zu sehenden Abzüge stammen nicht aus dem Besitz des Geheimrates, sondern aus den reichen Beständen des Kupferstichkabinetts, werden dessen ungeachtet nebst der goetheschen Kommentare präsentiert.

Dazu gibt es das Deckblatt in zwei Fassungen, auch ist ein Bild der Reihe zweifach vorhanden, was der Ausnutzung des vorhandenen Platzes geschuldet sein mag, aber auch zeigt, daß derartige druckgraphische Reproduktionen stets gewisse Abweichungen zeigen. Auch gibt es ein Zusatzblatt „Sechs korinthische Pilaster“ sowie einen Kupferstich eines nicht namentlich bekannten Künstlers (möglicherweise Giulio Campagnola), über welchen spekuliert wird, daß er ein von Mantegna nicht malerisch umgesetztes zehntes Bild des Zyklus zeige und noch zu Lebzeiten des Malers unter seiner Aufsicht entstanden sei.

Das „Kabinett in der Galerie“ ist nur im Rahmen eines Besuchs der Gemäldegalerie zu besichtigen. Diese befindet sich am Kulturforum Matthäikirchplatz in 10785 Berlin, geöffnet ist sie am Dienstag, Mittwoch und Freitag von 10-18, am Donnerstag von 10-20 und am Wochenende von 11-18 Uhr; der Montag ist Schließtag; der Eintritt kostet regulär 14,-, ermäßigt 7,- Euro.

 

Verweise:

https://www.museumsportal-berlin.de/de/ausstellungen/mantegna-und-goethe/
https://art-depesche.de/malerei/496-mantegna-und-bellini–meister-der-renaissance-in-der-gemäldegalerie.html

Goethe und seine Holzschnitte nach Mantegna – Kabinettausstellung in der Gemäldegalerie https://art-depesche.de/images/C7724B8B-6DE9-484D-9D05-23EBBFE97332.jpg Ruedi Strese