Der Bauhaus-Künstler Fritz Kuhr in der Salongalerie „Die Möwe“

Fritz Kuhr „Am See“ (Aquarell auf Bütten, 1940, 39,5 x 29,5 cm)

Berlin – Zu den wichtigsten Galerien Berlins gehört zweifelsohne die auf Werke der frühen Moderne spezialisierte Salongalerie „Die Möwe“ in Berlin-Mitte. Nachdem kürzlich erst eine Ausstellung dem 100jährigen Bestehen der Novembergruppe gewidmet war, wird nun, anläßlich der Gründung des Bauhauses in Weimar vor 100 Jahren, Fritz Kuhr, welcher von 1924 bis 1930 am Bauhaus studierte und schließlich selbst lehrte, mit einer Schau bedacht. Diese wird bis zum 1. Juni zu sehen sein und ist betitelt „Unntrinnbar – Der Bauhäusler Fritz Kuhr“.

Fritz Kuhr, Jahrgang 1899, hatte sich 1922 bereits dem Expressionisten Otto Pankok angeschlossen, und 1923/24 ging er nach Weimar, wo er sich am Bauhaus einschrieb. Dort lernte er bei Wassily Kandinsky, László Moholy-Nagy und Paul Klee, wobei sich insbesondere die Begegnung mit letzterem und speziell dessen Aquarell „Traumstadt“ als schicksalhaft erwies, als Einfluß, der nach Kuhrs eigener Aussage stets präsent bleiben sollte.

Als das Bauhaus 1925 nach Dessau umzog, folgte ihm Kuhr. Er arbeitete ab 1928 in der Werkstatt für Wandmalerei Hinnerk Schepers, fertigte Entwürfe für die Ausgestaltung von Atelier und Wohnung Klees in Dessau. Er trat für eine eigenständigere Rolle der Malerei am Bauhaus ein und vertrat somit eine von jener des Bauhaus-Gründers Walter Gropius, nämlich der Einheit von Kunst und Technik, deutlich verschiedene Position.

Als Hannes Meyer 1928 Gropius’ Nachfolge antrat, fand Kuhr in ihm einen Bundesgenossen. Ab 1929 wurde er selbst Lehrer für gegenständliches Zeichnen sowie für das Zeichnen von Akten, Porträts und Figuren. Nachdem er 1930 sein Bauhausdiplom erhalten hatte, ging er nach Berlin, wo er als freier Maler tätig war. Durch den Kontakt mit Ernst-Ludwig Kirchner konnte er 1932 in Davos ausstellen.

Die Herrschaft der NSDAP stellte ihn 1937 in die Reihe der „entarteten Künstler“, wodurch sein öffentliches Auftreten gen Null tendierte und die künstlerische Produktion stark zurückging. Einen schweren Schlag stellten zudem alliierte Bombenabgriffe 1943 und 1944 dar, welchen zahlreiche seiner Werke zum Opfer fielen.

Nach dem Krieg gab es für Kuhr einen Neuanfang, als er 1948 von Karl Hofer als Professor an die Hochschule für Bildende Künste in Berlin berufen wurde. Es entstand ein umfangreiches Spätwerk, welches zwischen freiem Spiel mit Formen und Farben und Einflüssen des Bauhauses schwankte. Kuhr starb 1975 in Berlin.

In der aktuellen Gedenkausstellung sind die nicht zuletzt durch Kriegsverluste seltenen frühen Werke Kuhrs nur spärlich vertreten. Insgesamt gibt es vier Arbeiten aus den 20er Jahren, darunter das kleine Ölgemälde „Ausgewogenheit“ (1925), welches stark nach Klee duftet, und eine Konstruktionszeichnung von 1928. Erwähnt werden sollte auch die einzige Leihgabe der Schau, „Sonnenblume“ (Aquarell und Gouache, 1926, aus dem Besitz der Bauhaus-Stiftung Dessau). Das nach Ansicht des Verfassers schönste zu sehende Werk stellt hingegen unser Titelbild, das Aquarell „Am See“ von 1940, dar; die einzige Arbeit aus dieser Zeit. Auch hier ist der Bezug zu Klee nicht zu übersehen.

Zwei Spätwerke gibt es: das Aquarell „Paare im Gespräch“ (1963) sowie das abstrakt-geometrische Ölgemälde „Lumineszenz III“ (1971). Ansonsten liegt der Schwerpunkt auf verschiedenen Arbeiten aus den späten 1940er und den 1950er Jahren, wobei festzustellen ist, daß organische und geometrische Ansätze zeitgleich verfolgt wurden. Klee und Kandinsky scheinen immer wieder durch; die Ölbilder „Planetenformation“ und „Studie des Kükens“ von 1953 erinnern mit ihrer kirchenfensterartigen Zerlegung an einen farbenfroheren Feininger, vor allem bei den recht häufigen Tiermotiven hingegen läßt sich eine gewisse Ähnlichkeit zu manchen Arbeiten Picassos feststellen.

Ergänzend gibt es einen Schautisch mit Fotografien und Dokumenten Kuhrs sowie eine kleine Sitzecke mit ausgewählter Literatur zum Thema. Die Anordnung der Bilder und Beleuchtung lassen nichts zu wünschen übrig, ein kleines Begleitheftchen zur Ausstellung mit den wichtigsten Bildern ist verfügbar.

Erneut eine sehr gelungene Ausstellung! Die Salongalerie „Die Möwe“ befindet sich in der Auguststraße 50b in 10119 Berlin, in der Nähe des Rosenthaler Platzes. Telefonisch erreichbar ist sie unter 030-30881842 und 0170-7815045, geöffnet von Dienstag bis Sonnabend jeweils von 12-18 Uhr.

 

Verweise:

https://www.salongalerie-die-moewe.de/aktuell.html
https://www.salongalerie-die-moewe.de/pressemitteilung/der-bauhaeusler-fritz-kuhr.html
https://art-depesche.de/malerei/455-100-jahre-novembergruppe–ausstellung-in-der-salongalerie-„die-möwe“.html