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Robert Sterl „Elbebaggerer“ (Öl auf Leinwand, 1905, 92,5x90cm, Galerie Neue Meister Dresden)

Bremen - In der DDR zählte er zu den Größen der frühen deutschen Moderne, in Westdeutschland war er weitgehend in Vergessenheit geraten, nach 1990 wurde er wiederentdeckt: der sächsische Impressionist Robert Sterl schuf ein umfassendes und hochwertiges Werk und verdient es durchaus, mit Künstlern wie Lovis Corinth oder Max Slevogt in einem Atemzug genannt zu werden.

Geboren wurde er 1867 in Großdobritz, seit 1921 Teil Dresdens, als Sohn eines Steinmetzen. 1881, somit im gleichen Jahr wie Carl Bantzer, schrieb er sich an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in Dresden ein, wo er bis 1888 studierte (immatrikuliert war er noch bis 1891). Seine Lehrer waren Leon Pohle, Julius Scholtz, Karl Gottlob Schönherr und Wilhelm Walter, ab 1886 war er Meisterschüler des flämischen Historienmalers Ferdinand Pauwels.

Die angebotenen Daten für seinen Lebensweg sind nun zum Teil etwas widersprüchlich, wir werden uns hier auf einige Eckpunkte beschränken. Ab 1887 war Sterl als freier Maler tätig und schuf hauptsächlich Porträts, Landschaften und Illustrationen, zunächst realistisch geprägt. Ab etwa 1890 hielt er sich regelmäßig bei der Künstlerkolonie Goppeln auf und ließ sich von der dort praktizierten Freilichtmalerei inspirieren.

Aus dieser Kolonie ging 1893 die Dresdner Sezession als Zusammenschluß nichtakademischer Maler hervor, welche jedoch kurzlebig war, da sich 1895/96 mit der Berufung zweier ihrer Hauptvertreter, namentlich Carl Bantzer und Gotthardt Kuehl, an die Akademie die Rahmenbedingungen geändert hatten. Im Vergleich zu diesen beiden bekanntesten Vertretern der Dresdener Schule des Impressionismus war Sterl trotz eines Aufenthaltes in Frankreich 1893 nicht so unmittelbar von den französischen Lichtmalern beeinflußt, sondern eher einer jener Maler, die, wie Max Liebermann oder Lovis Corinth, vorgezeichnet von Adolph von Menzel und Wilhelm Leibl, einen deutschen Impressionismus als eigenes Gewächs schufen.

Von 1896 bis 1904 leitete Sterl eine „Malschule für Damen“, dann wurde er selbst an die Akademie berufen und erhielt 1906 schließlich die eigene Professur; er sollte diese Stelle bis 1931 behalten. Er gehörte zu den frühen Mitgliedern des 1903 gegründeten Deutschen Künstlerbundes; 1909 war er Mitbegründer der Künstlervereinigung Dresden und wurde zudem als außerordentliches Mitglied in die Berliner Secession aufgenommen.

In Dresden übernahm er 1914 den Malsaal Carl Bantzers, 1915 wurde er Nachfolger des verstorbenen Gotthardt Kuehl als Leiter der Meisterklasse für Malerei an der Dresdner Kunstakademie. Im Ersten Weltkrieg malte er 1915 an der Westfront in Frankreich und 1917 an der Südfront, in den Dolomiten.

Die Zeit danach lehrte er weiterhin an der Dresdner Kunstakademie, welche er 1923/24 auch als Studienprofessor leitete. Unter seinen Schülern befanden sich Robert Liebknecht, Otto Griebel und Paul Sinkwitz. Max Liebermann schätzte ihn sehr: „Sterl ist ein wahrhafter Künstler; er malt, was ihn in der Natur zu malen reizt. Seine Bilder sind gesehen, erschaut und erlebt. Keine Programm-Malerei. Er malt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, womit ich nicht etwa sagen will, daß er nicht alles, was in der Kunst lernbar ist und was nicht wenig ist, gelernt hätte – wie hätte er sonst ein so ausgezeichneter Lehrer sein können –, sondern ich will damit ausdrücken, daß er die Natur einfach auf sich wirken läßt, um sie dann im Bilde möglichst getreu wiederzugeben. Er will keine neue Kunst erfinden, wie manch eitler Narr, sondern er malt so, wie sein Sinn ihn zu malen antreibt. Er hat in der Dresdner Galerie gelernt, daß Kunst von Können kommt und daß nicht der Intellekt, sondern der sinnliche Eindruck den Maler macht. Gerade heutzutage, wo die Achtung vor dem Metier fast geschwunden ist und jeder Stümper sich ein Kulturfaktor dünkt, ist es nicht hoch genug anzuerkennen, daß ein Künstler von Sterls Format nur Maler, nicht mehr und nicht weniger sein will."

Er starb 1932 nach schwerer Krankheit in seinem Haus in Naundorf in der Sächsischen Schweiz und und hinterließ ein bedeutendes und umfassendes Werk, welches sich zwischen Impressionismus und Realismus bewegte. Neben seinen Landschaften und Porträts waren vor allem Szenen des Arbeitslebens seiner Heimatgegend ein Schwerpunkt des Werkes. Daß 1937 zwei seiner Gemälde als „entartet“ aus der Dresdner Galerie Neue Meister aussortiert wurden, mußte er nicht mehr erleben.

 

Verweise:

http://www.robert-sterl-haus.de/cgi-bin/page.pl?idx=2&l=0
https://www.van-ham.com/artistdatabase/bedeutende-sammlungen/sammlung-robert-sterl.html
http://www.die-glocke.de/lokalnachrichten/kreisguetersloh/Robert-Sterl-der-vergessene-Impressionist-79273283-6fd4-4b0e-b1df-ffede569e805-ds
http://www.stadtwikidd.de/wiki/Robert_Sterl
https://archiv.adk.de/bigobjekt/15298
http://www.zeno.org/Kunstwerke/A/Sterl,+Robert

Aus dem Garten der deutschen Lichtmalerei: Robert Sterl https://art-depesche.de/images/Robert_Steel-Elbebaggerer.jpg Ruedi Strese