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„Museum Barberini Frontansicht“ (Photo: Helge Mundt, © Museum Barberini)

Potsdam – Pablo Picasso (1881-1973) gilt als der Künstler der klassischen Moderne schlechthin. Berühmt sind seine verschiedenen Perioden, die blaue, die rosa (oder Harlekin-) Periode, der analytische und synthetische Kubismus. Allerdings blieb er bis in seine letzten Jahre schöpferisch, und sein Spätwerk bildet eine freie Synthese der früheren Phasen. Das Museum Barberini zeigt bis zum 16. Juni 2019 eine große Zahl von Werken dieser Spätzeit.

Und jetzt wundern Sie sich natürlich, warum wir zu dieser bedeutenden Ausstellung kein adäquates Titelbild liefern. Die Erklärung findet sich auf der Seite des Museums: „Aus Gründen des Urheberrechts ist das Photographieren in der Picasso-Ausstellung leider nicht gestattet. Insbesondere das Teilen von Bildern auf sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram ist leider nicht erlaubt.“ Dies ist natürlich zu berücksichtigen. Wohl hätten wir Pressebilder bekommen, diese wären jedoch nach Ausstellungsende wieder zu löschen gewesen. Also verzichten wir sicherheitshalber.

Und warum Jacqueline-Periode? Jacqueline Roque (1927-1986) und Pablo Picasso waren ab 1954 ein Paar, 1961 heirateten sie und blieben bis zu Picassos Tod zusammen. Die Beziehung scheint weit glücklicher und liebevoller verlaufen zu sein als sämtliche vorherigen Versuche des Malers, über 400 mal porträtierte er seine letzte Frau offiziell, etliche weitere Figuren tragen gleichsam ihre Züge. Deshalb der Name für diese Periode. Jacqueline war sicher das damals für den Künstler wichtigste Sujet, daneben finden sich Männerporträts, Akte, mythische Bezüge, Intérieurs, Landschaften.

Vielseitigkeit ist das Schlagwort. Druckgraphiken, Zeichnungen, Metallskulpturen, Keramik, Ölgemälde wurden geschaffen und sind zu sehen. Stilistisch erlaubte Picasso sich ein sehr freies Spiel, bediente sich der Versatzstücke seiner früheren Phasen und zitierte Vorbilder wie Manet, Rembrandt oder Degas. Ganz unbekümmert übernahm er Elemente der alten Meister (etwa in dem fesselnden „Jacqueline mit schwarzem Schal“ von 1954, von welchem den Blick zu lösen denkbar schwer fällt) wie der Pop Art („Jacqueline in einem Sessel“, 1962 – hier fühlt man sich unweigerlich an Roy Lichtenstein erinnert).

Sämtliche Leihgaben stammen aus der privaten Sammlung der Jacqueline Picasso und wurden von ihrer Tochter Catherine Hutin dem Museum zur Verfügung gestellt. „Cathy“ wurde auch selbst porträtiert, unter anderem in der bemalten Steingut-Platte „Cathy als Kind“ (1956), nach Ansicht des Verfassers eine der schönsten Arbeiten Picassos überhaupt.

Die sehr umfassende Ausstellung ist sinnvoll thematisch gegliedert und enthält vergleichsweise eher generische Arbeiten wie auch zahlreiche einzigartige Glanzlichter, neben den bislang genannten u.a. das rauschhafte „Stierkampfszene: der gestürzte Stierkämpfer“ (1955); es wird klar, daß Picasso seine spanischen Wurzeln nicht verleugnen wollte. Das „Intérieur mit blauem Liegestuhl“, welches 1958 im Anwesen des Paares „Villa La California“ entstand und auch von Matisse stammen könnte, sticht ebenfalls heraus.

„Picasso: das späte Werk“ beweist, daß dieser Künstler auch in seinen letzten knapp 20 Jahren vor Kreativität sprühte und für mancherlei Überraschung gut war. Auch wer mit den bekanntesten Arbeiten Picassos wenig anfangen kann, sollte sich umsehen und wird vielleicht das eine oder andere Bild für sein Herz finden, denn das Programm ist unglaublich facettenreich. Kaum nötig die für das Barberini typische hervorragende Präsentation der Bilder zu erwähnen. Jedes Bild hat genügend Platz, zum Teil wurde von vorhandenen Sichtachsen sehr klug Gebrauch gemacht.

Kurz: Auch diesmal enttäuscht das Barberini nicht. Die Karte für das gesamte Museum kostet 14,-, ermäßigt 10,- Euro, Personen unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Der Erwerb einer Jahreskarte zu nur 30,- empfiehlt sich. Geöffnet ist es am Montag sowie von Mittwoch bis Sonntag von 10-19 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr; der Dienstag ist Schließtag. Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam.

 

Verweise:

www.museum-barberini.com/picasso/

Die Jacqueline-Periode: Picassos Spätwerk im Museum Barberini https://art-depesche.de/images/Museum_Barberini_Frontansicht.jpg Ruedi Strese