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Rolf Händler „Schweigend“ (Öl auf Leinwand, 1980, Ausschnitt)

Potsdam – Ein wesentlicher Schwerpunkt der hauseigenen Sammlung des auch in der ART DEPESCHE häufiger gepriesenen Museums Barberini ist Kunst aus der DDR, bzw. von Künstlern aus der DDR. Dabei sind die „ganz großen Namen“, und ein Teil wurde erst kürzlich in die Ausstellungsräume gebracht.

Sukzessive wird die Barberini Collection an DDR-Kunst sich nun im Haus ausbreiten, begonnen wurde im Oktober 2018 mit „Aspekte des Malerischen“, nun trat die „Moderne Historienmalerei“ hinzu, später sollen die Themen „Melancholie und Malerei“ und „Landschaft“ hinzukommen. Später: laut Netzseite beides ab 26.10., wir vermuten einen Fehler und wagen die Prophezeiung, daß der erste Teil schon im Juli die Räume beziehen wird. Eine Nachfrage beim Museum blieb leider unbeantwortet. Schauen wir. Der komplette Sammlungsschwerpunkt soll jedenfalls ab dem Herbst 2019 zu sehen sein.

Der „modernen Historienmalerei“ sind nun vier Säle im zweiten Obergeschoß gewidmet, diese zeigen laut Museumsseite „mythologische, literarische und religiöse Stoffe in Gemälden von Gudrun Brüne, Ulrich Hachulla, Rolf Händler, Bernhard Heisig, Johannes Heisig, Walter Libuda, Werner Liebmann, Harald Metzkes, Arno Rink, Willi Sitte und Werner Tübke“.

Tübke (1929-2004) ist natürlich groß, von ihm sind zwei Gemälde aus den frühen 80er Jahren zu sehen, die „Drei Frauen aus Cefalu“ sowie „Der Narr und das Mädchen“ - herrliche DDR-Auflage des nordischen Manierismus. Von Arno Rink (1940-2017) finden sich drei reizvolle, etwas mystische Großgemälde aus seiner letzten Schaffensphase.

Sitte (1921-2013) ist mit seinem „Selbstbildnis mit Tube und Schutzhelm“ (1984) vertreten sowie dem Liebespaar (1967), ersteres nahezu ein Paradebeispiel des staatsoffiziellen sozialistischen Realismus, zweiteres, in sicher bewußter Häßlichkeit einem verfaulten Fleischberg gleichend und pastosem Auftrag, zeigt Ähnlichkeiten zu Arbeiten Walter Sickerts (1860-1942), jenes exzentrischen deutsch-englischen Malers, der zeitweilig verdächtigt wurde, Jack the Ripper gewesen zu sein. Eine kleine Überraschung ist vielleicht ein vom Symbolismus geprägtes Frühwerk, „Besuch der Harpiye“ (1955).

Bernhard Heisig (1925-2011) bekommt einen eigenen Raum zur Verfügung gestellt, es geht von einem frühen Blumenstilleben über sehr rohe späte Arbeiten zu preußischen Themen bis zu „Umarmung der Puppen“, welches an James Ensor (1860-1949) denken läßt. Zwei recht kryptische Monumentalgemälde seines Sohnes Johannes Heisig (*1953) sind ebenfalls zu sehen.

Werner Liebmann (*1951) mit seiner expressiven Farbigkeit ist vom Sozialitischen Realismus denkbar weit entfernt, von Gudrun Brüne (*1941) gibt es ein jüngeres Werk „Judith und Holofernes“, Harald Metzkes (*1929) zeigt Bezüge zu altholländischer Genremalerei, herausragend aus Sicht des Verfassers zwei düster-verschwommene Gemälde von Rolf Händler (*1938).

Die Aufzählung war nun unvollständig, doch das Entscheidende dürfte klar geworden sein: diese Schau von DDR-Künstlern ist sehr vielseitig und zumindest für kunsthistorisch Interessierte sehr zu empfehlen, sie bietet einen guten Überblick. Die Karte für das Barberini kostet 14,-, ermäßigt 10,- Euro, Personen unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Der Erwerb einer Jahreskarte zu nur 30,- empfiehlt sich. Geöffnet ist es am Montagsowie von Mittwoch bis Sonntag von 10-19 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr; der Dienstag ist Schließtag. Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam.

 

Verweise:

https://www.museum-barberini.com/kuenstler-aus-der-ddr/
https://art-depesche.de/malerei/473-„aspekte-des-malerischen“-aus-der-ddr-kunstsammlung-des-museums-barberini.html
https://art-depesche.de/malerei/133-walter-sickert-zwischen-degas-und-jack-the-ripper.html

Künstler aus der DDR – Moderne Historienmalerei im Museum Barberini https://art-depesche.de/images/Rolf_Handler_Schweigend.jpg Ruedi Strese