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links: Batjin Boldbaatar (o.T., Acryl auf Leinwand, 2019, 94x115 cm), rechts: Evgeny Bolsoboev „Fliegender Schamane“ (Bronze, 2011, 52x39x10 cm)

Berlin – Die Galerie ARS PRO DONO greift mit ihrer aktuellen Ausstellung einmal zum Teil über den postsowjetischen Raum, welchen sie sonst zum „Erntegebiet“ hat, hinaus. Neben dem burjatischen Graphiker und Bildhauer Evgeny Bolsoboev ist der Maler Batjin Boldbaatar aus der Mongolei präsent. Bis zum 31. Mai soll diese außergewöhnliche Ausstellung gehen.

Bereits die Vernissage am 5. April unter Beteiligung einer eigens eingeflogenen Schamanin fällt aus dem Rahmen, und stark von der traditionellen Spiritualität und nomadischen Lebensweise ihrer Heimatländer beeinflußt sind auch die beiden Künstler.

Der ältere ist Evgeny Bolsoboev. Geboren wurde er 1971 in Burjatien, damals „Autonome Sozialistische Sowjetrepublik“, in der Nähe des Baikalsees. Er studierte, wie auch andere in der Galerie vertretene hochrangige Künstler (Natalia Popovich, Sergej Merenkov, Igor Obukhov) in Wladiwostok am dortigen altehrwürdigen Kunstinstitut und lebt derzeit in der burjatischen Hauptstadt Ulan-Ude.

Seine Künstlerkarriere begann er als Maler, ging dann zur Graphik, vorzugsweise dem Linolschnitt. Vor einigen Jahren bereits waren diese Arbeiten bei Ars Pro Dono zu sehen, sie sind im Katalog weiterhin erhältlich. Motive aus der schamanischen Magie und dem Nomadenleben sind bestimmend für diese natur- und traditionsverbundenen Schmuckstücke.

In jüngerer Zeit hat er seinen Schwerpunkt auf die patinierte Bronzeskulptur verlegt, und hier leistet er, zum Teil auf Motiven aus früheren graphischen Arbeiten aufbauend, wahrlich Beachtliches. Eine unglaubliche Spannung liegt in diesen Wesen, die Pferde darstellen, doch Elemente von Greifvögeln tragen, wirken wie Pfeile kurz vor dem Abschuß auf dem gespannten Bogen. Kraftvoll, archaisch, magisch. Ansehen, es lohnt sich. Versprochen!

Batjin Boldbaatar, Jahrgang 1987, stammt aus der äußeren Mongolei. Er lebt und arbeitet in Ulan Bator, doch studierte Kunst in Missouri, USA, und lebte überdies sieben Jahre in Chicago. Seine Wurzeln hat er dennoch nicht vergessen, seine Gemälde spannen sich über das weite Feld zwischen Realismus und lyrischer Abstraktion.

Das Problem mit lediglich in diesem Bereich tätigen Malern ist, daß sich schwer ermessen läßt, was Können und was Zufall ist, doch diese Frage stellt sich bei Boldbaatar nicht. Seine lichten, realistischen Bilder von Pferden in der Steppe sind ganz ungeniert gefällig, oder auch einfach natürlich schön. Die abstrakten Werke hingegen gehen in Richtung lyrischer Abstraktion, Tachismus und abstrakter Expressionismus.

Im Gespräch verriet uns der Künstler, daß diese Bilder, vielleicht von den oft grellen Farbzusammenstellungen abgesehen, keinem Plan folgen, Grundanliegen ist die Freude an einer vielseitigen und komplexen Technik. Richtig interessant wird es indes dann, wenn sich die ästhetischen Pferdemotive mit abstrakt-expressiven Elementen in einem Bild begegnen, was des Öfteren passiert. Diese Bilder zeigen eine starke Dynamik, und hier scheint uns auch die Verwandtschaft zu den Skulpturen Bolsoboevs am ausgeprägtesten.

Die Galerie Ars Pro Dono beweist also wieder einmal, daß sie zu den interessantesten Galerien der Hauptstadt gehört und Gegenwartskünstler von ausgesprochen hohem Niveau vertritt. Sie befindet sich in der Prenzlauer Allee 191 in 10405 Berlin, geöffnet ist sie von Montag bis Freitag von 10-19 sowie am Sonnabend von 11-16 Uhr.

 

Verweise:

https://www.arsprodono.de/?language=de
https://www.arsprodono.de/?cat=c147_Evgenij-Bolsoboev-evgenij-bolsoboev.html
https://www.facebook.com/arsprodono/
http://www.artnet.de/k%c3%bcnstler/batjin-boldbaatar/biografie
https://www.arsprodono.de/?language=de&cPath=60_138&cat=c138_Evgeny-Bolsoboev-evgeny-bolsoboev.html
http://100sibart.com/regiony/respublika-buryatiya/evgeniy-bolsoboev/

Mongolischer Wind – zentralasiatische Kunst in Berlin https://art-depesche.de/images/Batjin_Boldbaatar_1200px.jpg Ruedi Strese