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Residenzschloss in Sondershausen /Thüringen - CC0

Sondershausen – Das Schloß Sondershausen gehört zu den bedeutenden historischen Bauwerken Thüringens. Interessant ist sicher vor allem die baugeschichtliche bzw. architektonische Seite, doch findet sich im Inneren das Museum der Stadt mit einer sehr umfassenden und vielseitigen Sammlung, in welcher auch Liebhaber der bildenden Künste auf ihre Kosten kommen.

Grundlage des Baues bildet eine mittelalterliche Burg, welche 1287 erstmals Erwähnung findet und sich ab 1356 im Besitz der Grafen von Schwarzburg befand. Diese Burg wurde unter dem Grafen Günther XL. „mit dem fetten Maule“ von Schwarzburg 1533 weitgehend abgerissen, um einem in den Folgejahren errichteten Renaissanceschloß Platz zu machen. Sein heutiges Gesicht erhielt das Schloß in den Jahren 1837/38, als der Architekt Carl Scheppel, Schüler Karl Friedrich Schinkels, dieses klassizistisch umgestaltete und somit das mächtigste Bauwerk dieses Stils in Thüringen schuf.

Die Räumlichkeiten entstammen entsprechend ebenfalls verschiedenen Stilepochen. Das „Kleine Gewölbe am Wendelstein“ (1616) ist mit manieristischem Stuck aus der Spätrenaissance verziert, im „Riesensaal“ entstammt der opulente Deckenschmuck dem Barock des ausgehenden 17. Jahrhunderts. Um 1770 entstand der ebenfalls reich dekorierte, heute blau gestrichene Rokoko-Festsaal, dessen Deckengemälde den Ovids „Metamorphosen“ entnommenen Kallistomythos illustriert, der Maler Johann Wilhelm Meil (1733-1805) gilt als möglicher Urheber. Ebenfalls dem Rokoko zuzurechnen ist das auch als „Thüringisches Bernsteinzimmer“ bezeichnete „Steinzimmer“, welches komplett mit handgeschliffenen Kalksteinplättchen aus der Region verkleidet ist.

Unbedingt zu erwähnen ist eine Sammlung von Tapisserien, darunter eine 1560 in Flandern entstandene Serie alttestamentlicher Szenen sowie eine „Ermordung Cäsars“ und eine „Bekehrung des Kaisers Konstantin“ aus dem 17. Jahrhundert. Die „Goldene Kutsche“, auch „Blauer Staatswagen“ genannt, ist eine etwa 1710 in Paris gebaute repräsentative Grand carrosse und die einzig erhaltene ihrer Art in Deutschland.

Was die Malerei angeht, befindet sich der Großteil der Bestände in den sechs chronologisch aufeinander folgenden Räumen der Ahnengalerie. Das Mittelalter wird retrospektiv behandelt, doch ab der Renaissance sind zeitgenössische Porträts der Herrscherfamilie zu sehen und die verschiedenen Epochen gut abgedeckt. Der Großteil der Künstler der älteren Werke ist unbekannt, drei kleinere Porträts um 1550 werden (mit großem Fragzeichen) der Cranach-Werkstatt zugeschlagen. Die Urheberschaft Anthonis Mors für ein gediegenes Porträt des Grafen Günther XLI. ist gleichfalls umstritten.

Ein Großgemälde des 1697 ersten zum Fürsten erhobenen Schwarzburgers Christian Wilhelm stammt von Johann Peter Feuerlein, das mittlere 18. Jahrhundert ist unter anderem mit Johann Christoph Morgenstern, Johann Ludwig Meil und Georg David Matthieu vertreten. Porträts aus dem 19. Jahrhundert sind im akademischen Stil gehalten, als Urheber sind Friedrich Wilhelm Herdt und Franz Seraph Stirnbrand zu nennen, Ölbilder aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert in bester realistischer Tradition stammen von Heinrich Schönchen und Alfred Schwarz.

Auch außerhalb der Ahnengalerie finden sich zahlreiche Gemälde und graphische Werke verschiedener Epochen und Qualität, wobei an erster Stelle sicher eine Landschaft Johann Alexander Thieles (1685-1752) zu nennen ist. Mehrere Schaukästen befassen sich überdies mit dem lokalen Maler und Graphiker der heimatlichen Spätromantik Ferdinand Menge (1876-1962).

Neben den kunst- und bauhistorischen Aspekten gibt es zahlreiche weitere Sammlungsgebiete, welche vor allem die Regionalgeschichte betreffen. Gerade angesichts der Tatsache, daß Sondershausen lediglich eine Mittelstadt mit etwas über 20.000 Einwohnern ist, hat das Schloßmuseum also allerhand zu bieten.

Das Schloß Sondershausen (Schloß, 99701 Sondershausen) ist von Erfurt aus in etwa einer Stunde erreichbar. Geöffnet ist es von Dienstag bis Sonntag von 10-17 Uhr, der Eintritt kostet regulär 5,-, ermäßigt 4,- Euro. Kontakt: 03632/622420 oder Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.

 

Verweise:

https://www.region-suedharz-kyffhaeuser.de/schloss-sondershausen.html
https://www.thueringerschloesser.de/de/schloesser-burgen-gaerten/schloss-sondershausen-mit-park.html
https://www.sondershausen.de/de/schlossmuseum-123.html
https://www.schatzkammer-thueringen.de/de/schloesser/schloss-sondershausen.html
https://thue.museum-digital.de/index.php?t=objekt&oges=891

Das Schloß Sondershausen und seine Kunstsammlung https://art-depesche.de/images/Ohne_Titel_1200px.jpg Ruedi Strese