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Ernst Ludwig Kirchner „Fehmarnhäuser mit großem Baum“ (Radierung und Aquatinta auf gelblich-grauem Karton, Probedruck, 1908)

Berlin – Bis zum 4. August 2019 wird die aktuelle Ausstellung des Berliner Kupferstichkabinetts gehen. Zu sehen gibt es einen Querschnitt ausgewählter Neuzugänge aus den Jahren 2009-2019. Dabei geht es chronolgisch nach Entstehungszeit der Werke, von Alten Meistern bis zur Gegenwart. Thematisiert wird zudem die Art, wie die Werke, darunter Druckgraphiken, Zeichnungen, Aquarelle und Pastelle, in die Sammlung gelangt sind.

Das älteste Schaustück ist eine mittelalterliche italienische Buchmalerei aus dem 13. Jahrhundert, weiter geht es mit Meistern des Goldenen Zeitalters der Niederlande, darunter sind Jacob Willemsz de Wet, Abraham Bloemaert oder Adriaen von Ostade. Von diesem konnte eine kleine Kupferdruckplatte hinzugewonnen werden, zur Ergänzung werden die bereits zuvor in der Sammlung befindlichen Stiche nach dieser gezeigt.

Eine solche Präsentationsweise wird übrigens mehrfach genutzt: hier der Neuzugang, daneben ein im Zusammenhang stehendes Werk aus den Beständen. Viele der Arbeiten sind mit interessanten Geschichten verbunden, welche im zugehörigen Ausstellungskatalog niedergeschrieben wurden.

So befand sich beispielsweise eine Zeichnung „Kopf eines Knaben mit Hut im Profil“ des Nazareners Friedrich Overbeck bereits seit 1885 im Besitz der Nationalgalerie (1992 wurde sie dem Kupferstichkabinett zugewiesen). Im Jahr 2018 konnte ein „Knabe mit Hut“ von Heinrich Maria von Hess von dessen Erben erstanden werden – die beiden Künstlerfreunde hatten das gleiche Motiv parallel gezeichnet.

Aus der vielbeachteten Schenkung der Sammlung Barbara Göpel, welche 2018 an die Staatlichen Museen zu Berlin ging, stammt eine Lithographie Max Beckmanns. Zu den Sensationen gehört sicher das Pastell „Schlittschuhläufer“ Adolph Menzels (1855/56), welches lange als verschollen galt und mit Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung erworben werden konnte.

Auch ein als Schenkung erhaltenes Fragment für eine Übertragungspause zu der 1922 vom Kunsthändler Paul Cassirer erworbenen Lithographie Max Liebermanns „Jäger mit Hunden“ (diese ist ebenfalls ausgestellt) gehört zu den bedeutenden Stücken, ebenso ein Konvolut mit Zeichnungen Max Slevogts. Die Radierung „Fehmarnhäuser mit großem Baum“ Ernst Ludwig Kirchners war als „NS-Raubkunst“ an die Erben des jüdischen Sammlers Eugen Moritz Buchthal zurückgegeben worden und fand nun durch Kauf den Weg zurück ins Museum. Überhaupt geht es des Öfteren und ausgiebig um die Vorbesitzer der Arbeiten und wie diese den Weg in die Sammlung fanden.

Weitere namhafte Urheber von Neuzugängen sind Pablo Picasso, der Surrealist Yves Tanguy und Willi Baumeister. Sieben Kaltnadelradierungen Georg Baselitz’ „Eine Woche“ aus den Jahren 1970-72 stellen recht passable Landschaften dar. Aber werden sie nun zu bedeutenderen Kunstwerken, weil Baselitz sie nach seiner üblichen Manier auf den Kopf gestellt hat? Solche Fragen sind auch heute unverändert legitim.

Ansonsten kommt ein Großteil der Neuzugänge von zeitgenössischen Künstlern verschiedenster Ausrichtung, einen Schwerpunkt stellen solche mit Wohnsitz in Berlin dar. 12 Aquarell-Porträts von Leiko Ikemura sind dabei und vier abstrakte Zeichnungen Ralf Ziervogels; zu den interessanteren gegenstandslosen Arbeiten gehört sicher eine Arbeit in Mischtechnik von Michael Wutz.

Zu gewissen Anteilen wirkt die Ausstellung auch wie ein Versuch der Erklärung von Berliner Kunstpolitik, immerhin sind es zum Teil öffentliche Gelder, die zur Finanzierung der Sammlung dienen. Hier läge durchaus Diskussionsstoff. So mancher „lyrisch-abstrakten“ Arbeit gerät es nicht unbedingt zum Vorteil, wenn sie das Schicksal ereilt, neben einem Alten Meister ausgestellt zu werden.

Es lohnt sich, in mancherlei Hinsicht. Das Kupferstichkabinett befindet sich im Kulturforum am Matthäikirchplatz in 10785 Berlin, geöffnet ist es von Dienstag bis Freitag von 10-18 Uhr sowie am Sonnabend und Sonntag von 11-18 Uhr; der Eintritt kostet 8,- Euro.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/in-bester-gesellschaft.html
https://art-depesche.de/malerei/460-neuzugänge-für-die-berliner-kunstsammlung–max-beckmann-im-kulturforum.html

In bester Gesellschaft – Neuzugänge des Berliner Kupferstichkabinetts https://art-depesche.de/images/3E1816D8-9083-4A69-8116-7CD6BCFAEB17.jpg Ruedi Strese