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Antonello da Messina „Maria der Verkündigung“ (Öl auf Holz, ca. 1774-76)

Mailand – Die Hauptstadt der Lombardei ist vor allem als Zentrum von Mode und Industrie bekannt, jedoch kann sie auch mit einer außerordentlichen Zahl sehenswerter Kunstmuseen aufwarten. Die ART DEPESCHE hat die Stadt besucht, und wird hier in nächster Zeit einige der Kunsttempel vorstellen. Den Anfang soll jedoch wegen ihrer zeitlichen Begrenztheit eine außergewöhnliche Sonderausstellung zu einem der Großmeister der venezianischen Renaissance machen. Bis zum 2. Juni noch wird eine Auswahl von Arbeiten des Antonello da Messina im Palazzo Reale (Königlichen Palast), dem ehemaligen Stadtschloß am Domplatz zu sehen sein.

Das Erdbeben von Messina 1908, der Opferzahl nach mit etwa 100.000 Toten schwerste Naturkatastrophe Europas im 20. Jahrhundert, hat einen Großteil der Dokumente zu Antonellos Leben vernichtet – nachdem dem Erdbeben von Sizilien 1693 schon größere Teile des Werkes zum Opfer gefallen sind. Die gesicherten Daten sind deshalb spärlich, und Manches aus dem durch zweite und dritte Hand Überlieferten ist ins Reich der Legende zu verweisen.

Geboren wurde Antonello jedoch um 1430 als Antonio di Giovanni d'Antonio in Messina (Sizilien), als halbwegs belegt gilt eine Lehre bei Niccolò Colantonio in Neapel um 1450 sowie weitere Aufenthalte in Palermo und Reggio Calabria. Giorgio Vasari (1511-1574), mit seinen Schriften über Leben und Werk der alten italienischen Meister vielleicht der erste bedeutende Kunsthistoriker, hatte eine Lehrzeit bei Jan van Eyck (und dessen in seiner Existenz überhaupt umstrittenen Bruder Hubert) in Flandern behauptet; dies kann jedoch zu den Fabeln gezählt werden. Indessen ist eine indirekte Beeinflussung durch den flämischen Meister sicher, Einzelheiten erfährt man in den ausführlichen Begleittexten der Ausstellung.

Auf jeden Fall gehört Antonello zu den Malern, die wesentlich dazu beitrugen, die Ölmalerei in Italien zu etablieren, wobei er eine eigene Technik entwickelte, indem er Ölfarben mit Eitempera mischte, um eine schnellere Trocknung zu erreichen. Seinen Haupterfolg hatte er in seiner Zeit in Venedig von etwa 1474-76, wo er auch mit Giovanni Bellini und Vittore Carpaccio in Kontakt stand und welche er erheblich beeinflußte. Aus jener Phase stammt auch der Großteil der erhaltenen Arbeiten. Antonello soll 1479 in Messina gestorben sein, Vasari gibt Schwindsucht als Todesursache an.

Es sind, aus naheliegenden Gründen, nicht viele Bilder, die gezeigt werden, doch diese haben es absolut in sich und es wurde für den Mangel an verfügbaren Werken eine sehr gute Lösung gefunden. Man hat ihnen viel Raum gegeben, sie werden ansprechend präsentiert, wodurch der Charakter des Besonderen unterstrichen wird, und durch lesenswerte Texte sowie relevante Dokumente ergänzt.

Biblische Darstellungen (wie die „Kreuzigung“ von 1465) und Porträts (manche sind auch beides zugleich) bilden den Kern der Schaustücke. Besonders ergreifend ist die sehr menschlich-lebendige Nahdarstellung des Gekreuzigten „Ecce Homo“ von 1475. Aus verschiedenen Museen sind die Bilder geliehen; ein „Porträt des Giovane“ von 1478 erkannte der Verfasser sogleich – es stammt aus der Berliner Gemäldegalerie.

Zentrales Heiligtum (darf man schon sagen) der Ausstellung ist jedoch unser Titelbild, die um 1475 entstandene „Annunziata“ (Maria der Verkündigung), eines der schönsten Bildnisse der Renaissance überhaupt. Die ungewöhnlich bescheidene Darstellung der Gottesmutter im Augenblick der Verkündigung durch den Erzengel Gabriel verzichtet auf kostbare Gewänder und Goldhintergrund, stattdessen begegnet uns eine einfache, schöne Frau, welche jedoch nur scheinbar den Betrachter anschaut – der bibelfeste Zeitgenosse wußte, daß er an seiner Statt den Erzengel zu denken hatte.

Das mit 45 x 34,5 cm recht kleinformatige Werk befindet sich normalerweise in der Galleria Regionale della Sicilia in Palermo. Stets findet sich eine Menschentraube vor diesem Werk, welches auch als hervorragendes Beispiel dienen mag, wie Antonello sich seinerzeit bereits des Chiaroscuro-Effekts der hell erleuchteten Gesichter vor dunklem Hintergrund bediente, welcher später von Caravaggio und Rembrandt zur Perfektion gebracht wurde.

Italien hat naturgemäß die bedeutendsten Bestände an Renaissancemalerei. Mit der aktuellen Antonello-Ausstellung in Mailand gibt es eine Chance, diesem Meister einmal in einer persönlichen und würdigen Weise zu begegnen. Wer im enstprechenden Zeitraum nach Mailand kommt, sollte sich dieses Erlebnis nicht entgehen lassen.

 

Verweise:

http://www.palazzorealemilano.it/wps/portal/luogo/palazzoreale/mostre/inCorso/ANTONELLO_DA_MESSINA
https://www.musement.com/de/mailand/palazzo-reale-der-konigliche-palast-von-mailand-1-v/

Beeindruckend: Sonderausstellung zu Antonello da Messina in Mailand https://art-depesche.de/images/Antonello_da_Messina_-_Virgin_Annunciate_-_Galleria_Regionale_della_Sicilia_Palermo_1200px.jpg Ruedi Strese