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Bartolomeo Cincani, genannt Montagna „Madonna mit Kind“ (Öl auf Holz, 1480-90)

Mailand – Das Castello Sforzesco am Piazza Castello im Nordwesten der Mailänder Altstadt ist eine gewaltige Anlage, eine mächtige Kastellburg von wehrhaftem Charakter, errichtet ab der Mitte des 15. Jahrhunderts unter Francesco I. Sforza, dem Begründer des Herrschergeschlechts der Sforza von Mailand. Ein Ort, der Macht und Geschichte atmet. Zahlreiche oft schön gezeichnete Katzen schleichen am Gemäuer entlang und bilden einen reizvollen Kontrast zu der militärischen Architektur. Die Säle des Schlosses beherbergen eine Bibliothek und eine Reihe von Museen, darunter eine ganz beachtliche Gemäldesammlung, welche hier vorgestellt sei.

Die Corte Ducale, der herzogliche Hof, liegt im Norden der Anlage. Hier befinden sich die meisten Museen, darunter das Museo D’Arte Antica mit seiner Skulpturensammlung, die ägyptische Sammlung des archäologischen Museums sowie eine Waffen- und Möbelsammlung. Jene muß man erst durchschreiten, um zu den Sälen der Pinacoteca zu kommen. Im Vorraum bereits begegnen uns einige holländische Arbeiten (Salomon van Ruysdael, Jan Griffier I und eine Rötelzeichnung Rubens’), die Pinacoteca selbst widmet sich jedoch nahezu ausschließlich den Italienern.

Eingeweiht wurde sie 1878; sie besitzt mittlerweile etwa 1500 Kunstwerke, von denen rund 230 dauerhaft ausgestellt werden. Schwerpunkt der Sammlung ist die italienische Renaissancemalerei des 15. und 16. Jahrhunderts, dieser sind mehrere Säle gewidmet. Bedeutende Namen sind vertreten, darunter Antonello da Messina, Giovanni Bellini (eines der Bilder befindet sich noch bis Ende Juni 2019 anläßlich der großen Ausstellung zu Bellini und Andrea Mantegna in der Berliner Gemäldegalerie), Andrea Mantegna (die „Trivulzio Madonna“), Tizian („Porträt des Gabriel de Luetz d'Aramont“), Filippo Lippi, Correggio, Lorenzo Lotto und Carlo Crivelli. Aus Mailand stammende bzw. dort längere Zeit tätige Künstler wie Bramantino (mit einer fantastischen „Beweinung Christi“), Bernardo Luini, Bergognone und Vincenzo Foppa bilden einen wesentlichen Teil.

Prominent vertreten sind auch die Manieristen mit Tintoretto und Bronzino, und auch die Meister des Barock dürfen natürlich nicht fehlen. Giambattista Tiepolo ist ebenso dabei wie die Größen der Vedutenmalerei, Francesco Guardi (mit zwei bewegten kleinen Küstenszenen), Canaletto und dessen Neffe Bernardo Bellotto, der in Deutschland vor allem als Hofmaler des barocken Dresden unter dem Kurfürsten Friedrich August II. berühmt wurde. Insgesamt also eine umfassende Zusammenschau der Alten Meister Italiens!

Überdies gibt es im Kastell auch eigene Ausstellungen zu Michelangelo (hier wird dessen berühmte Pietà gezeigt) und Leonardo (welche jedoch derzeit anscheinend wegen Renovierung geschlossen ist). Ein Besuch des Kastells und seiner Museen lohnt sich, man kann hier wohl getrost einen ganzen Tag verbringen. Es empfiehlt sich allerdings, nicht zu spät zu kommen; letzter Einlaß für die Museen ist 17 Uhr. Auch der angrenzende Park, welcher bis zum klassizistischen Triumphbogen Arco della Pace reicht, ist sehr schön gestaltet, allerdings ist vor kriminellen Banden zu warnen, welche dort ihr Unwesen treiben; vernünftig ist es sicher, diesen zu späterer Stunde zu meiden.

 

Verweise:

https://en.wikipedia.org/wiki/Sforza_Castle_Pinacoteca
https://www.tripadvisor.de/Attraction_Review-g187849-d2170702-Reviews-Pinacoteca_Castello_Sforzesco-Milan_Lombardy.html
https://pinacoteca.milanocastello.it/
https://www.milanocastello.it/en

Von Renaissance bis Barock – die Gemäldesammlung des Castello Sforzesco in Mailand https://art-depesche.de/images/7357D692-7097-4D84-B4AB-1666A4E5C104.jpg Ruedi Strese