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Die Euphrasius-Basilika in Poreč

Poreč – Wenn der Schreiberling von der ART DEPESCHE sich irgendwo in der Welt herumtreibt, läßt er sich für gewöhnlich die Gelegenheit, sich mit Zeugnissen der Kunst aus Geschichte und Gegenwart zu befassen, nicht entgehen. Sakralbauten sind dabei eines der faszinierendsten Gebiete. Die istrische Küstenstadt Poreč kann mit einer bedeutenden Basilika auftrumpfen, deren Ursprünge bis in die früheste Zeit des Christentums vor dessen Anerkennung als Staatsreligion unter Kaiser Konstantin zurückreichen. Neben der Architektur sind dort Bildhauerei, Mosaikkunst und Malerei in den Dienst des Glaubens gestellt worden.

1997 war dem Ensemble, welches die Basilika selbst, Atrium, Baptisterium und Bischofspalast umfaßt, von der UNESCO der Titel des „Weltkulturerbes“ verliehen worden, es gilt als „vollständigster erhaltener Komplex seines Typs“ und die Basilika verbinde, so die UNESCO, „klassische und byzantinische Elemente in außergewöhnlicher Weise“.

Ursprünglich befand sich an dem Ort eine römische Villa, und ab etwa 300 wurde ein Teil dieser von der damals noch im Untergrund tätigen Christengemeinde als Oratorium genutzt. Poreč hatte mit Mauro, dem ersten Bischof des Ortes, auch seinen eigenen Märtyrer, welcher 313 dort bestattet wurde. Noch in der zweiten Hälfte des vierten Jahrhunderts erfolgte die Erweiterung zur zweischiffigen Kirche. Aus jener Zeit sind bereits mehrere Bodenmosaike erhalten, darunter ein noch sehr archaisches mit dem Fisch, bekannt als Symbol des Christentums.

Eine dreischiffige Basilika unter Einbeziehung von Teilen des ursprünglichen Baus wurde im fünften Jahrhundert errichtet, jedoch setzte dieser der Zahn der Zeit sehr rasch zu, und aufgrund der Einsturzgefahr ließ Euphrasius, Bischof von Poreč, diese in der Mitte des sechsten Jahrhunderts einreißen und eine neue Basilika errichten; jene, welche im Wesentlichen unverändert bis heute steht. Ergänzungen und Veränderungen des Komplexes wurden jedoch bis ins Barock vorgenommen (und zum Teil später auch wieder als unpassend zurückgenommen).

Künstlerisch bedeutend und ein beeindruckender Anblick sind in erster Linie die aus der Zeit Euphrasius’ stammenden Wandmosaike zu biblischen und kirchengeschichtlichen Themen in der Hauptapsis. Das (restaurierte) zentrale Bild zeigt Maria mit dem Kinde zwischen zwei Engeln, rechts davon drei Märtyrer, links Euphrasius selbst, dessen Bruder, der Erzdiakon Claudius nebst Nachwuchs sowie der Märtyrer Maurus. Die Hand Gottes reicht aus goldenen Wolken herab Maria den Glorienkranz. Nebenbilder sind Mariae Verkündigung und Heimsuchung. Das Ziborium über dem Hauptaltar wurde 1267 unter Bischof Oton errichtet und zeigt gleichfalls ein sehr reiches Mosaik im byzantinisch beeinflußten Stil venezianischer Gotik. Überdies verdienen verschiedene spätantike Stuckaturen und aufwendige Einlegearbeiten Erwähnung.

Die Malerei ist vergleichsweise spärlich vertreten; ihre Rolle wird ja bereits durch die üppigen Mosaike übernommen. Die aus dem 15. Jahrhundert stammenden Fresken in der Alten Sakristei sind nur noch in Resten erhalten. Die Neue Sakristei, errichtet 1844-46, enthält jedoch u.a. ein hervorragendes „Letztes Abendmahl“ Jacopo Palmas des Jüngeren, einem Schüler Tintorettos, welches dessen venezianischem Manierismus folgt. Der als Museum genutzte Bischofssitz kann gleichfalls mit einigen Kunstwerken aufwarten, erwähnenswert ist hier vor allem ein auf 1440 datiertes Polyptichon Antonio Vivarinis aus Venedig, entstanden unter der Mitarbeit von dessen deutschem Schüler Giovanni d’Alemagna.

 

Verweise:

http://www.uni-salzburg.at/fileadmin/oracle_file_imports/2013175.PDF
http://whc.unesco.org/en/list/809

Einzigartig: die Euphrasius-Basilika in Istrien https://art-depesche.de/images/Euphrasius-Basilika.jpg Ruedi Strese