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Dora Hitz „Das Sonnenkind“ (Öl auf Leinwand, 1895, Privatbesitz, Foto: Jochen Littkemann, Berlin)

Berlin – Das Charlottenburger Bröhan-Museum („Landesmuseum für Jugendstil, Art Deco und Funktionalismus) kann immer wieder mit originellen Ausstellungen zur frühen Moderne in Deutschland und speziell Berlin aufwarten. Nun wird, noch bis zum 15. September 2019, an die „Vereinigung der XI“, Vorläufer der ungleich erfolgreicheren „Berliner Secession“, erinnert.

Wie der Name erahnen läßt waren es elf Maler, welche sich 1892 zusammenschlossen, um junger Kunst abseits des akademischen Betriebes ein Forum zu verleihen. Die bekanntesten waren wohl die deutschen Impressionisten Walter Leistikow und Max Liebermann und der Symbolist Ludwig von Hofmann. Andere Mitglieder sind heutzutage weitgehend vergessen, etwa Hugo Vogel und Konrad Müller-Kurzwelly oder Dora Hitz, welche 1897 als erste Frau Aufnahme fand. Die Gesamtzahl der Mitglieder blieb übrigens bei aller Fluktuation stets bei elf.

Der Ansatz der Schau ist nun der, diese Gruppe dem Vergessen zu entreißen und die Atmosphäre der damaligen Zeit nachfühlbar zu machen, wozu man sich einer Mischung aus, soweit möglich, an den acht originalen Ausstellungen angelehnter Bildauswahl und Dokumentation der Pressekontroverse bedient.

Drei Künstler sind mit je einem eigenen Raum vertreten. Walter Leistikow (1865-1908) war zum Gründungsbeginn jüngstes Mitglied der Gruppe und war 1899 dann auch treibende Kraft bei der Gründung der Berliner Secession, in welcher die XI vollständig aufging. Von ihm sind grafische Arbeiten und mehrere Ölgemälde zu sehen, darunter auch die magischen „Der Hafen“ (1895) und „Schlachtensee (Grunewaldlandschaft)“, welche zwar bereits in der vergangenen Hagemeister/Leistikow-Schau im selben Haus zu besichtigen waren, was jedoch nicht schadet, da es sich um wahre Augenweiden handelt.

Max Liebermann (1847-1935) dürfte jeder kennen, er war ältestes Mitglied der Gruppe und später erster Vorsitzender der Berliner Secession. Als sich die „Vereinigung der XI“ gründete, war er zunächst skeptisch, sah jedoch das Potential des für Deutschland neuartigen Konzeptes der von Künstlern kuratierten Gruppenausstellungen. Erfolgreich war er damals bereits in Frankreich, die neue Gruppe trug wesentlich zu seiner Popularität in Deutschland bei. Das Bröhan zeigt Druckgrafiken, Zeichnungen, Pastelle (darunter das Porträt Gerhard Hauptmanns von 1892) und zwei Ölgemälde, welche auch „damals“ zu sehen waren („Giebel in Amsterdam“, 1876, und „Allee in Rosenheim“, 1893).

Ludwig von Hofmann (1861-1945) ist mit mehreren zum Teil recht großen und sehr farbenfrohen Werken dabei. Die arkadischen Landschaften mit den unbekleideten jungen Menschen können, je nach Betrachter, als kitschig oder märchenhaft schön empfunden werden; die Gelegenheit, sie einmal zu sehen, sollte man sich jedenfalls nicht entgehen lassen.

Reich vertreten ist auch Franz Skarbina (1849-1910). Bekannt vor allem als Berliner Impressionist (etwa mit dem aus der Villa Oppenheim geliehenen Hauptwerk „Kurpromenade in Karlsbad“), überraschen hier die zum Teil symbolistischen Werke. Überhaupt spielte die Vereinigung nicht nur bei der Etablierung des deutschen Impressionismus, sondern auch bei der Bekanntmachung des Symbolismus eine erhebliche Rolle.

Dabei konnte man nicht nur (ab 1897) auf das (nicht an den Ausstellungen beteiligte und auch in dieser Schau nicht vertretene) Ehrenmitglied Arnold Böcklin (1827-1901) verweisen, sondern auch auf die Mitgliedschaft Max Klingers (1857-1920), welcher hier mit mehreren Druckgrafiken dabei ist, sowie einer verkleinerten Reproduktion seiner „Kassandra“, der einzigen Skulptur, welche die XI je ausstellten.

Von Hans Herrmann (1858-1942) sind mehrere Ölgemälde zu sehen, die nicht nur holländische Motive (Häfen und Kanäle) zeigen, sondern auch stilistisch der holländischen Variante des Impressionismus zuneigen. Ein Maler, der viel zu wenig beachtet wird! Konrad Müller-Kurzwelly blieb als Schüler Hans Gudes näher an der akademischen Tradition und schied bereits 1894 aus; die eher kleinformatigen naturalistischen Landschaften sind indes von hohem Reiz.

Von Jacob Alberts (1860-1941) sind Intérieurs zu sehen, welche bei ihrer impressionistischen Malweise doch sehr nordisch wirken, etwas in Richtung der Skagenmaler,von Hugo Schnars-Alquist (1855-1939) sind zwei stimmungsvolle Seestücke zu betrachten. Auch die Arbeiten Hugo Vogels (1855-1934) wissen zu gefallen, insbesondere „Der Rosengarten“.

Von Friedrich Stahl (1863-1940) gibt es lediglich eine kleinere Gouache, welche wie eine Collage wirkt, sowie zwei kunsthandwerkliche Stücke, auch George Mosson (1855-1933) ist mit nur wenigen, jedoch sehr guten Arbeiten vertreten (zwei Porträts und ein Blumenstilleben). Erst 1898, ein Jahr vor der Auflösung, wurde der Symbolist Martin Brandenburg (1870-1919) das nun jüngste Mitglied. Von ihm gibt es das äußerst merkwürdige und interessante „Die Windsbraut“ (1899). Dora Hitz (1856-1924) trat ebenfalls erst 1898 bei, von ihr sei das außergewöhnlich schöne „Das Sonnenkind“ (1895) genannt, welches bei eher impressionistischem Pinselstrich von der Stimmung an die Präraffaeliten erinnert. Zuletzt sei der mit zwei Arbeiten vorgestellte Hans Baluschek (1870-1935) genannt; dieser war lediglich Gast in der letzten Phase, seine Industriemalerei war jedoch durchaus revolutionär.

Wie sich dem Text wohl entnehmen ließ: eine absolut gelungene Ausstellung mit zahlreichen kaum gezeigten Schätzen. Lobenswert auch die Hängung und Raumgestaltung. Das Bröhan-Museum hat hier wieder Beachtliches zuwege gebracht. Es befindet sich in der Schloßstraße 1a in 14059 Berlin (in der Nähe des Schlosses Charlottenburg). Geöffnet ist es von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10-18 Uhr. Der Eintritt kostet 8,-, ermäßigt 5,- Euro.

 

Verweise:

http://www.broehan-museum.de/aktuelles/skandal-mythos-moderne-die-vereinigung-der-xi-in-berlin/

Gelungen: Ausstellung zur Berliner Künstlervereinigung der XI im Bröhan-Museum https://art-depesche.de/images/8F011BB3-0312-457A-AE37-D56E8E1B8DE2.jpg Ruedi Strese