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Hans Laabs, ca. 1975 | Foto: Hertelmedia - CC BY-SA 3.0

Berlin – Unter dem vollständigen Titel „Bohème in Charlottenburg – Hans Laabs und Freunde. Werke der Kunstsammlung der Berliner Volksbank“ wird noch bis zum 7. Juli 2019 eine Auswahl von Arbeiten des Malers Hans Laabs und des ihn umgebenden Künstlerumfeldes zu besichtigen sein.

Geboren wurde Laabs 1915 im ostpommerschen Treptow. Er studierte von 1937-40 an der Stettiner Kunstgewerbeschule bei dem vormaligen Bauhausschüler Vincent Weber. 1945 floh er nach Berlin, wo er Aktkurse bei Peter Fischer belegte und sich privat bei dem früheren Matisse-Schüler Oskar Moll fortbildete.

In den kommenden Jahren wurde er eine zentrale Figur der sich vor allem in Charlottenburg neu formierenden Berliner Kunstszene. Er erhielt ein Stipendium und staatliche Aufträge, beteiligte sich am surrealistischen Künstlerkabarett „Die Badewanne“ und war 1951 Mitbegründer der „Neuen Gruppe Berlin“.

Von der sich in heute unvorstellbarer Heftigkeit entfachenden Debatte um abstrakte versus figurative Kunst hielt er sich weitgehend fern und ab 1953 noch ferner, indem er nach Ibiza, damals touristisch noch unerschlossen, auswanderte, wo eine kleine deutsche Künstlerkolonie entstand. Nur die Winter verbrachte er in Berlin, vor allem, um seine Kontakte zu Künstlern und Geschäftspartnern zu pflegen.

Von Ibiza vertrieb ihn 1984 der aufkommende Massentourismus, er ging wieder nach Berlin, wo er 20 Jahre später verstarb, wobei er zuvor noch zahlreiche Reisen nach Sylt und später nach Ahrenshoop unternahm. Die „Stiftung Kunstforum Berliner Volksbank“ besitzt eine ganze Reihe von Arbeiten des Künstlers, welche nun im Zusammenhang präsentiert werden.

Im Eingangsbereich der Schau sind Werke aus dem Freundeskreis Laabs’ versammelt. Aus den hauseigenen Beständen stammen sechs Lithographien Werner Heldts, welcher bisweilen als der „Maurice Utrillo Berlins“ bezeichnet wird. Richtig ist, daß er sich auf sehr melancholische Stadtansichten spezialisiert hatte, der Stil ist jedoch ganz eigen. Auch eine Kohlezeichnung und zwei Ölgemälde („Sonntagnachmittag“ und „Über den Dächern von Berlin“, beide 1952) Heldts sind zu bewundern.

Alexander Camaro, der in Breslau bei Otto Mueller gelernt hatte, war enger Mitstreiter Laabs’ in der „Badewanne“; seine zwei eigenwilligen Gemälde zeigen Theaterszenen. Ebenfalls mit zwei Arbeiten ist Jeanne Mammen vertreten, sie bewegte sich in Richtung Abstraktion. Ein surreales Ölbild Heinz Trökes’ ist eine Leihgabe aus der Berlinischen Galerie. Hans Uhlmann, Ursula Hanke-Förster und Ludwig Gabriel Schrieber sind die Urheber fünf kleiner Metallplastiken. Präsentation und Texttafeln sind übrigens allgemein sehr gelungen.

Der Hauptraum widmet sich nun Hans Laabs selbst. Im Mittelpunkt steht dessen „Knabenbildnis“ von 1950, Kristallisationspunkt eines Individualstils der figurativen Malerei, welcher eine Verwandtschaft zum Neomanierismus Amedeo Modiglianis erkennen läßt, dabei jedoch einen Hang zu kräftigen Farben aufweist und allgemein eher sanft melancholisch als gänzlich hoffnungslos wirkt. Einer solchen Malweise blieb Laabs im Bereich der Figurenbilder auch dem Rest seines Lebens verpflichtet.

Daneben gibt es mehrere in Richtung Abstraktion gehende Arbeiten, wobei der Künstler auch nach eigener Aussage jedoch dem Gegenständlichen den Vorrang gab, sowie kleinformatiger, lyrischer Strandszenen. Ein Nebenraum zeigt Dokumente wie alte Kataloge und gibt anhand von Fotografien sowie eines Gemäldes von Katja Meirowsky Einblick in das Wirken der „Badewanne“.

Eine Verwendung der Bilder war uns aus Urheberrechtsgründen leider nicht möglich. Einige finden sich unter den aufgeführten Links. Alles in allem eine sehr liebevoll gestaltete Ausstellung, für welche der Eintrittspreis von 4,- Euro absolut gerechtfertigt ist (ermäßigt 3,-, für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren kostenlos). Das Kunstforum der Berliner Volksbank befindet sich in der Kaiserstraße 105 in 14057 Berlin, geöffnet hat es derzeit täglich von 10-18 Uhr.

 

Verweise:

https://kunstforum.berlin/vorschau-boheme-in-charlottenburg-hans-laabs-und-freunde-werke-der-kunstsammlung-der-berliner-volksbank/
http://www.hans-laabs.de/

Der Maler Hans Laabs und sein Umfeld – aus der Sammlung der Berliner Volksbank https://art-depesche.de/images/Portrait_Hans_Laabs.jpg Ruedi Strese