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Heinrich Vogeler „Der Barkenhoff“ (1904)

Berlin - Der Maler, Architekt, Pädagoge, Schriftsteller und Kommunist Heinrich Vogeler war nicht nur eine vielseitige Persönlichkeit mit einem außergewöhnlichen und tragischen Leben, sondern arbeitete während seiner Laufbahn als bildender Künstler auch wiederum in sehr verschiedenen Stilen. Er probierte sich seit dem Ersten Weltkrieg am Expressionismus, ab den frühen 1920er Jahren orientierte er sich nach Besuchen in Moskau am politisch aufgeladenen Kubismus und Futurismus und mit seiner Übersiedlung in die Sowjetunion 1931 widmete er sich dem offiziellen Sozialistischen Realismus. Besonders faszinierend wirkt jedoch bis heute sein dem Jugendstil zugehöriges Frühwerk.

Johann Heinrich Vogeler war 1872 in Bremen geboren worden und hatte von 1890-1894/95 an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert. Anschließend schloß er sich der Künstlerkolonie Worpswede in Niedersachsen an. Dieser gehörten auch Carl Vinnen, Fritz Mackensen, Otto Modersohn, Hans am Ende und Fritz Overbeck an. Hans am Ende gab ihm eine Einführung in die Technik der Radierung. Gemeinsame Ausstellungen im Glaspalast in München in den Jahren 1895 und 1896 trugen maßgeblich zum Erfolg der Gruppe bei.

Erste malerische Arbeiten wie „Frühling", „Wintermärchen" oder „Abschied" von Mitte bis Ende der 1890er Jahre gelten als präraffaelitisch. Sie waren, unter dem Eindruck der englischen Präraffaeliten um Dante Gabriel Rossetti und Edward Burne-Jones, an der italienischen Malerei des 15. Jahrhunderts orientiert und bevorzugten biblische und märchenhafte Themen, leuchtende Farben wurden durch Öl auf weiß grundierter Leinwand erreicht, Schönheit und Genauigkeit waren prägende Merkmale. Vogeler selbst empfand diese malerischen Arbeiten, gemessen an den großen Vorbildern, als ungenügend, doch wird der wohlwollende Betrachter sich ihrem jugendlichen Reiz kaum entziehen können.

Bekannt wurde er allerdings durch seine dem Jugendstil zugehörigen grafischen Arbeiten. Radierungen und Druckgrafiken erfreuten sich großer Beliebtheit. Auch seine zeichnerischen Arbeiten für den Eugen Diederichs Verlag und später den Inselverlag wurden große Erfolge. Im Insel-Verlag erschienen auch sein illustrierter, romantisch beeinflußter Gedichtband „Dir“ (1899) und „An den Frühling“, eine Mappe mit Radierungen. Seine Gestaltung zur Schmuckausgabe von Hugo von Hoffmannsthals „Der Kaiser und die Hexe" wurde zum Vorzeigebeispiel jugendstiltypischer Buchgestaltung.

Vogelers Haus in Worpswede, der Barkenhoff, wurde von ihm ab 1895 als Gesamtkunstwerk im Jugendstil gestaltet und geriet zum wichtigen Treffpunkt der Künstlerkolonie. Zum engeren Kreis um Vogeler, der „Barkenhoff-Familie“, gehörte Rainer Maria Rilke; illustre Personen wie Gerhard Hauptmann, Fritz Dehmel, Thomas Mann oder Rudolf Alexander Schröder, der Gründer des Insel-Verlags, gehörten zu den Besuchern. 1904 hielt er das Gebäude im gleichnamigen Gemälde fest, verbindet impressionistische Tupftechnik mit der jugendstiltypischen besonderen Eleganz. Das eigenwillige Großgemälde „Das Konzert" von 1905 zeigt ein Konzert auf der Terrasse des Barkenhoffs, mit Vogelers Frau Martha als Zentralfigur und (bis auf Rilke) den Mitgliedern der „Barkenhoff-Familie“ und gilt als der Höhepunkt seines frühen Schaffens. Auf der Norddeutschen Kunstausstellung in Oldenburg wurde es mit der Großen Goldenen Medaille für Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet.

Mit der Zeit geriet Vogeler immer stärker in den Sog sozialistischer Heilslehren, gleichzeitig fanden seine Jugenstilgrafiken immer weniger Anhänger. Der erste Weltkrieg stellte eine Zäsur dar, und Vogeler orientierte sich stilistisch in dieser Zeit bereits in Richtung eines deutlich politisierten Expressionismus um, „Die Leiden der Frau im Kriege“ (1918) kann dafür als Beispiel dienen.

Um seine späteren, wiederum von den jeweiligen Zeitströmungen geprägten Werke und sein politisches Engagement soll es an dieser Stelle nicht gehen. Erwähnt werden sollte allerdings noch, daß Heinrich Vogeler 1941, trotz seiner prosowjetischen Gesinnung, wie die meisten anderen in Rußland lebenden Deutschen nach Osten zwangsumgesiedelt wurde. In Kasachstan mußte er unter katastrophalen Bedingungen an einem Staudamm arbeiten. Es heißt, Wilhelm Pieck habe versucht, Vogeler aus der Deportation zu befreien, was dieser mit dem Hinweis auf das Schicksal der anderen Deutschen im Land abgelehnt habe. Vermutlich führten die körperliche Schwächung und ein Blasenleiden im Juni 1942 zu seinem Tod im Krankenhaus des Kolchos „Budjonny“. Seine letzte Ruhestätte ist unbekannt.

 

Verweis:

http://www.heinrich-vogeler.net

Jugendstil in Blüte: Das frühe Leben und Werk Heinrich Vogelers https://art-depesche.de/images/Heinrich_Vogeler_Der_Barkenhoff_1904_1024px.jpg Ruedi Strese