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Otto Möller „Auf der Straße“ (Öl auf Sperrholz, 1952)

Berlin – Die Salongalerie „Die Möwe“ hat üblicherweise ihren Schwerpunkt auf der avantgardistischen Kunst der klassischen Moderne, doch diesmal befaßt man sich mit Arbeiten von Berliner Künstlern aus der Zeit der Teilung Berlins beidseitig der Verwaltungsgrenze, von den ersten Nachkriegsjahren bis zur Vereinigung der nun wieder gesamtdeutschen Hauptstadt 1990. Bis zum 24. August 2019 soll „Zweimal Berlin. Blicke auf eine geteilte Stadt“ zu sehen sein.

Wie für diese Galerie üblich, wurde eine beachtliche Auswahl zusammengetragen, dabei geht es von der Handzeichnung über die Druckgrafik bis zum Ölgemälde, von der „verborgenen Perle“ bis zu bekannten Namen.

Fangen wir mit dem größten Namen an: wenn es um Berliner Malerei geht, darf Werner Heldt (1904-1954) natürlich nicht fehlen. Er kann mit seinen stimmungsvoll-melancholischen Arbeiten als der bedeutendste moderne Vertreter der Veduten von Berlin betrachtet werden. Der ihm verliehene Titel „Maurice Utrillo von Berlin“ ist griffig, verkennt jedoch die hohe Eigenständigkeit dieses Künstlers. Heldt ist mit einer großformatigen Kohlezeichnung „Fensterausblick mit Mandoline“ aus seiner letzten Schaffensphase vertreten.

Weiteren Kreisen bekannt ist auch Otto Möller (1883-1964) aus der Novembergruppe. Von ihm stammen zwei eher minimalistische Werke von kühlem Charakter. Carl-Heinz Kliemann (1924-2016) machte sich vor allem als Landschafter einen Namen; noch bis zum 13.9. wird er mit einer Einzelausstellung in der Galerie Nierendorf präsent sein; „Die Möwe“ zeigt zwei eher skizzenhafte Bleistift-Pastell-Arbeiten.

Aufregendste Entdeckung für den Schreiberling war Monika Meiser (Jahrgang 1946). Erst sehr spät und zunächst ohne professionelle künstlerische Ausbildung begann sie, sich mit der Kunst zu befassen, anfangs mit der Handzeichnung, von 1982-85 mit der Aquatinta-Radierung. Aus dieser Periode sind vier hervorragende Darstellungen des damaligen Prenzlauer Berges zu sehen, feinfühlige Arbeiten von äußerst sorgsam abgestuften Grauwerten. Beeindruckend.

Einer der zentralen Blickfänge der Ausstellung ist die thematisch natürlich äußerst passende Gouache „Mauer Prenzlauer Berg“ von 1983 von Wolfgang Reinke (*1942), welche vom ersten Eindruck Züge lyrischer Abstraktion hat und sich erst in Kenntnis des Titels als gegenständliches Werk zeigt. Kraftvoller und atmosphärischer wirkt das leider im Hinterzimmer etwas verborgen hängende „Überbrückung Bahnhof Friedrichstraße“ (ebenfalls Gouache, 1983).

Sehr vielseitig ist Evelyn Kuwertz (*1945), sowohl im Stil als auch der Technik. Das Tempera-/Ölgemälde „Atombunker Ku’damm-Karte“ (1983) sei erwähnt, vor allem jedoch die meisterliche Kohlezeichnung „S-Bahnhof Schöneberg“ (1985). Spannend auch der Grafiker Rolf Curt (1931-2006), der mit einer Reihe von Arbeiten vertreten ist, vom nüchtern-technischen „Museum Dahlem“ (1980) bis zum detailreich-fantastischen „Tote Gleise“ (1977).

Weitere Künstler an Bord sind Matthias Koeppel, Robert Rehfeldt, Arno Mohr, Wolfgang Leber, Wolfgang Frankenstein, Brigitte Fugmann, Dieter Goltzsche und Klaus Roenspieß. Immer geht es um die Stadt Berlin, von der Genreszene bis zur Vedute. Alles in allem ein interessanter Einblick in die Berliner Kunstgeschichte! Die Salongalerie „Die Möwe“ befindet sich in der Auguststraße 50b in 10119 Berlin, in der Nähe des Rosenthaler Platzes. Telefonisch erreichbar ist sie unter 030-30881842, geöffnet von Dienstag bis Sonnabend jeweils von 12-18 Uhr.

 

Verweise:

https://www.salongalerie-die-moewe.de/aktuell.html
https://www.salongalerie-die-moewe.de/pressemitteilung/zweimal-berlin-blicke-auf-eine-geteilte-stadt.html

Kunst aus dem geteilten Berlin in der Salongalerie „Die Möwe“ https://art-depesche.de/images/Auf_der_Strae.jpg Ruedi Strese