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Adolf von Hildebrand „Trinkender Knabe“ (Gips, dieser Abguß wurde 1872 hergestellt)

Dresden – Das Dresdener Albertinum, einstiges Zeughaus am östlichen Ende der Brühlschen Terrasse, hatte im Elbhochwasser 2002 schwere Schäden genommen und wurde von 2006 bis 2010 aufwendig saniert und erweitert. Seither beherbergt es vor allem wieder die berühmte Galerie Neue Meister und die Skulpturensammlung der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Ein wahres Kleinod ist hingegen der Klingersaal, welcher sich mit der symbolistischen Kunst des Fin de Siècle beschäftigt.

Hinauf geht es die breite Treppe ins erste Obergeschoß, und zu rechter Hand befindet sich der klassizistisch gehaltene Mosaiksaal, wir aber wählen nun links den Klingersaal, welcher beim Betreten bereits den eigenwilligen Geruch aus Dekadenz und Heroismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts verströmt, von Nietzsches Weltdeutung und Wagners Opernwerk, der Zeit des Fin de Siècle, einer Epoche, in der sich Aufbruch und Untergang in jener sonderbaren Kunstströmung des Symbolismus vereinten.

Dunkle Holzvertäfelung und weinrote Wandfarbe bestimmen das Aussehen des Raumes. Die gezeigten Kunstwerke sind nicht übermäßig viele, dafür auserlesen. Gemälde an den Wänden, dazwischen, mit ausreichenden Abständen, größere und kleinere Skulpturen.

Vertreten sind bedeutende Namen mit hervorragenden Werken, häufig sowohl malerischen wie bildhauerischen. Arnold Böcklin als Vater des deutschen Symbolismus ist dabei, mit seinem berühmten Ölgemälde „Der Krieg“ (1896). Dem vielseitigen Max Slevogt tut man Unrecht, wenn man ihn lediglich als Impressionisten betrachtet, dies wird auch klar. Mit „Buchenwald 1“ findet sich eine herrliche Landschaft Gustav Klimts.

Sascha Schneider darf als bedeutendster sächsischer Symbolist betrachtet werden, bekannt wurde er vor allem durch seine Illustrationen zu den Büchern seines Freundes Karl May. Von ihm finden sich die gewaltige Grafik „Um die Freiheit“ (1894) und die Skulptur eines Knaben. Auch Georg Kolbe, Franz von Stuck und Max Klinger sind als Maler wie Bildhauer vertreten; höchst eindrucksvoll von letzterem die Büste des heutzutage zu Unrecht fast vergessenen Pioniers der wissenschaftlichen Psychologie Wilhelm Wundt.

Wenig bekannt sind leider die sächsischen Symbolisten Oskar Zwintscher und Hans Unger, von beiden finden sich Gemälde. Auch Otto Greiner und der Schweizer Ferdinand Hodler sind als Maler dabei. Unter den Bildhauern sind weitere klangvolle Namen: bei Adolf von Hildebrand, August Schreitmüller, Richard König sollte das Interesse von Liebhabern der Richtung geweckt sein, mit Charles van der Stappen und Auguste Rodin sind Meister aus Belgien und Frankreich im Programm.

Es dürfte klar geworden sein, welch hochkarätige Kunst sich in diesem einen Saal konzentriert. Es empfiehlt sich indes eine Besichtigung des gesamten Albertinums. Dieses befindet sich am Tzschirnerplatz 2 in 01067 Dresden, geöffnet ist es von Dienstag bis Sonntag von 10-18 Uhr, der Eintritt kostet regulär 12,-, ermäßigt 9,- Euro.

 

Verweise:

https://albertinum.skd.museum/ausstellungen/dauerausstellung/
https://www.sib.sachsen.de/fileadmin/user_upload/PDF-Dokumente/broschueren/2012/2011_NL_Dresden_I_Albertinum.pdf
https://art-depesche.de/malerei/401-sascha-schneider-%E2%80%93-symbolismus-f%C3%BCr-winnetou.html

Die erste Garde des Symbolismus vereint: der Klingersaal im Dresdener Albertinum https://art-depesche.de/images/1234wqerrr3.jpg Ruedi Strese