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Karl Friedrich Schinkel „Kloster Chorin. Westfassade des Pfortenhauses und Nordgiebel des sogenannten Brauhauses“ | Zeichnung, 1816/17, © Foto: Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz

Chorin – Das Kloster Chorin, obgleich eine Ruine, ist eines der herausragendsten Beispiele eines Sakralbaus der Backsteingotik. Es war der preußische Architekt Karl Friedrich Schinkel, welcher mit seinen Bemühungen wesentlich zum Erhalt des Bauwerks als Denkmal beitrug, worauf auch vor Ort in einer kleinen Dauerausstellung hingewiesen wird.

Errichtet worden war das Kloster in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Auftrag des Askaniergeschlechts. Der Stil, die Backsteingotik, war für die Zeit und Region (Niederlande, Norddeutschland, Baltikum) typisch. Der Kunsthistoriker Georg Dehio nannte es gar das „bedeutendste und edelste Werk der Frühgotik im Gebiet des norddeutschen Ziegelbaus“, wobei die Einordnung in die Frühgotik indes nicht korrekt ist. Architektonisches Vorbild war die nahegelegene Basilika des Klosters Lehnin, welche noch stärker der Romanik verhaftet war, jedoch bereits in die Frühgotik überging, wohingegen in Chorin trotz des romanischen Erbes der Zisterzienser die hochgotische Komplexität bereits stark ausgeprägt war.

Die übrige Ausstattung war, den Regeln für Zisterzienserkirchen entsprechend, spartanisch; spätere protestantische Entwicklungen wurden bereits vorweggenommen. Gemälde, bunt bemalte Fenster und Skulpturen und später selbst Glockentürme waren verboten. Bauliches Dekor war indes gestattet und stärker vorhanden als bei den Bauten der Franziskaner und Dominikaner, welche sonst durchaus einen Einfluß hatten.

Religiös, wirtschaftlich und kulturell war das Kloster Chorin jedenfalls lange ein bedeutendes Zentrum, doch wurde es durch die Reformation 1542 säkularisiert und war nun dem Verfall preisgegeben. Erst die Romantik des frühen 18. Jahrhunderts mit ihrem positiven Rückbezug auf das Mittelalter begann, in den alten Ruinen wie Chorin Wertvolles zu sehen, und es war speziell der Architekt Karl Friedrich Schinkel (1781-1841), welcher sich um die Bewahrung verdient machte.

Zwar hatte zuvor bereits der klassizistische Architekt David Gilly den Ort als malerisch und erhaltenswert betrachtet, doch erst Schinkel erkannte den hohen Wert als Kunstwerk. Schinkel war 1810 auf Empfehlung Wilhelm von Humboldts zum Geheimen Oberbauassessor der Oberbaudeputation Preußens ernannt worden, und in dieser Eigenschaft war er unter anderem für das Verfassen von Gutachten über historische Bauwerke zuständig.

1816 traf er in Chorin ein, fertigte eine Reihe von Zeichnungen und schrieb in einem Brief an das Finanzministerium unter anderem: „Bedeutende Überreste alter Klostergebäude, welche in vieler Hinsicht als Werke deutscher Baukunst merkwürdig sind und besonders in Rücksicht auf Construction mit gebrannten Steinen unserer Zeit als Muster dienen könnten. (...) Bei der Seltenheit solcher Denkmähler in dieser Provinz wird die Erhaltung eines solchen zur Pflicht, und wir ersuchen eine hochlöbliche sechste Generalverwaltung, durch die Regierung den Beamten zu Chorin die Erhaltung aller alten, zum Kloster gehörenden Gebäude gefälligst anempfehlen zu lassen, damit wenigstens willkürliches Einreißen und Verbauen dieser Alterthümer vermieden, und dem Lande der schönste Schmuck solcher Denkmähler nicht entzogen werde, wofür sich die Baubeamten der Provinzen interessieren könnten.“

Schinkel setzte sich nachhaltig für Chorin ein, welches zwischenzeitlich sogar als Schweinestall genutzt worden war; auch der Besuch der Königlichen Familie 1823, welche über den zwischenzeitlichen Zustand entsetzt war, geriet dem Ort zum Vorteil, so daß ab 1827 mit einem Programm zur Erhaltung und teilweisen Restauration begonnen werden konnte.

Die kleine Dauerausstellung erklärt nun multimedial aufbereitet die Geschichte, wie Schinkel zur Rettung des Klosters beitrug, es sind indes seine Arbeiten nur digital zu betrachten. Für diese Ausstellung allein würde sich eine Fahrt nach Chorin also nicht unbedingt lohnen, im Rahmen eines Besuchs der mächtigen Klosteranlage selbst spricht indes nichts dagegen.

Das Kloster Chorin befindet sich im Amt Chorin 11a in 16230 Chorin, es ist mit dem PKW erreichbar oder mit einer kleinen Wanderung vom Bahnhof Chorin aus. Geöffnet hat es in der Sommerzeit von 9-18, in der Winterzeit von 10-16 Uhr. Der Eintritt kostet regulär 6,-, ermäßigt 3,50 €.

 

Verweise:

https://bennohelpenstein.de/Schinkel-und-Chorin
https://www.kloster-chorin.org/erhaltung-forschung
https://www.lebensraum-ziegel.de/meldungen/artikel/news/karl-friedrich-schinkel-und-chorin.html
http://www.smb-digital.de/eMuseumPlus?service=ExternalInterface&module=collection&objectId=1503613

Karl Friedrich Schinkel und das Kloster Chorin https://art-depesche.de/images/Kloster_Chorin.jpg Ruedi Strese