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Paul Klee „Abstracte Farbenharmonie in Vierecken mit zinnoberroten Akzenten“ (1924, © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jens Ziehe)

Berlin – Das Museum Berggruen in Charlottenburg verfügt über einen beachtlichen Bestand an Arbeiten Paul Klees. Die Neue Nationalgalerie kann mit zahlreichen Werken anderer Künstler der frühen Abstraktion aufwarten, allerdings ist der sie beherbergende Mies van der Rohe-Bau nachwievor sanierungsbedingt geschlossen. Da kam die Idee in die Welt, eine Auswahl dieser beiden Gruppen von Sammlungsbeständen in einer Ausstellung zu vereinen, um den Beginn der abstrakten Malerei, mit dem Schwerpunkt auf Paul Klee, nachvollziehbar zu machen. „Klee und die Abstraktion“ soll noch bis zum 1.9.2019zu sehen sein.

Im Wesentlichen heißt das nun, daß einige der im gewählten Kontext interessantesten Werke Klees aus den oberen Etagen des Nebengebäudes des Museums Berggruen in das Erdgeschoß des Hauptgebäudes gewandert sind, wo sie nun in drei Räumen zu betrachten sind. Keine schlechte Entscheidung: Schätze aus der Sammlung Berggruen wie „Nekropolis“ (1929), „Traum-Stadt“ (1921) oder „Landschaft in Grün“ (1922) bekommen so sicher vorübergehend mehr der verdienten Aufmerksamkeit als an ihrem gewöhnlichen Aufenthaltsort (die Leerstellen dort wurden übrigens, wenn überhaupt, lediglich mit Zitaten Klees gefüllt). Die Entfernung vom Gegenständlichen ist verschieden, doch bleibt festzuhalten, daß Klee nie streng geometrisch vorging, sondern seine Bilder immer organischen und verspielten Charakter hatten.

Die Zahl der Gäste aus der Neuen Nationalgalerie ist recht überschaubar, doch dies verwundert nicht angesichts des geringen Platzangebotes; jeder der im Folgenden genannten Künstler ist mit nur einem Bild vertreten. Die Anordnung scheint im Übrigen grob an thematischen und ästhetischen Gesichtspunkten orientiert zu sein. Es gibt einen recht allgemeinen Einführungstext, auf weitergehende Erläuterungen zu den einzelnen Bildern wird hingegen verzichtet.

Eine Gruppe von Künstlern stellen Kollegen Klees am Bauhaus dar. Von Lyonel Feininger gibt es ein recht großes Ölgemälde „Kirche von Niedergrunstedt“ (1919) mit der typischen, an Kirchenfenster erinnernden Zerlegung von Architektur. Nicht wirklich gegenstandslos, doch, wie bei Feininger üblich, sehr sehenswert. Von Oskar Schlemmer wird ein mit Ölfarben bemaltes Gipsrelief geboten; der Individualstil des Schöpfers der „Bauhaustreppe“ ist gut erkennbar. Georg Muches Ölgemälde „Dreiklang“ geht recht stark in den geometrischen Bereich. Kein eigentlicher Vertreter des Bauhauses, doch diesem eng verbunden war der Holländer Piet Mondrian, das vorgestellte, relativ kleine Ölgemälde ist typisch für seine bekannteste Schaffensphase der streng rechtwinkligen Kompositionen.

Die übrigen Künstler haben ihre Wurzeln im Dadaismus; doch die hier gezeigten Werke passen stilistisch durchaus. Es sind dies Hannah Höch mit einer eher schlichten Collage, Kurt Schwitters mit einem stark an Mondrian erinnernden Ölbild, Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp mit einer rasterartigen Collage sowie Erich Buchholz mit einem geometrisch-minimalistischen Ölgemälde.

Insgesamt keine große Sache, aber doch mit einigen interessanten Arbeiten. Hauptargument für einen Besuch dürfte indes sein, daß die hauseigenen Klees einmal mehr Raum bekommen. Das Museum Berggruen (Schloßstr. 1, 14059 Berlin) ist von Dienstag bis Freitagvon 10-18 sowie am Wochenende von 11-18 Uhrgeöffnet; der Montag ist Schließtag. Die Karte gilt gleichfalls für die auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindliche, dem Surrealismus verschriebene, Sammlung Scharf-Gerstenberg.

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/museum-berggruen/ausstellungen/detail/klee-und-die-abstraktion.html

Paul Klee und die geometrische Abstraktion – Sonderausstellung im Museum Berggruen https://art-depesche.de/images/Abstracte_Farbenharmonie_in_Vierecken_mit_zinnoberroten_Akzenten.jpg Ruedi Strese