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historische Bildbeschriftungen der Gemäldegalerie

Berlin – Die im Titel enthaltene Anspielung auf Modest Mussorgskis Hauptwerk „Bilder einer Ausstellung“, welche wir freimütig unterstellen, läßt uns zumindest schmunzeln. Die bis zum 29.9. angesetzte neue Kabinettausstellung der Berliner Gemäldegalerie befaßt sich explizit nicht mit den Kunstwerken selbst, sondern mit deren Beschriftung. Lohnt sich das? Die ART DEPESCHE war für Sie vor Ort.

Im Wesentlichen erhalten wir im Kabinett in der Gemäldegalerie eine kleine Zusammenfassung der Geschichte dieses Museums und der wechselnden Systeme der Beschilderung. Verraten wir zuviel, wenn wir diese kurz nacherzählen? Vielleicht nicht, denn es gibt ja noch die Schauobjekte und interessante Details. Und die Dauerausstellung ist eh immer einen Besuch wert.

Es beginnt mit der Eröffnung der Gemäldegalerie 1830 im von Karl Friedrich Schinkel im Auftrag des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III. errichteten Alten Museum. Die Hängung der Gemälde war, wie damals üblich, äußerst dicht. Schinkel selbst hatte noch zu diesem Zweck einheitliche Rahmen entworfen; ein Beispiel eines Bildes in einem solchen Rahmen wird gezeigt.

Dabei gab es keine eigentliche Beschriftung, sondern lediglich ein kleines Schild, welches auf eine Nummer im Katalog verwies. Ein solcher (auch ausgestellt) konnte käuflich erworben werden, und darin waren die entsprechenden Informationen nachzulesen. Für Besucher, welche diesen (auch schnell veralteten) Katalog nicht bezahlen konnten oder wollten, standen Raumpläne zur Verfügung, die über ausgewählte Werke informierten – wer über mehrere Bilder Bescheid wissen wollte, mußte so freilich ständig hin und her laufen. Die Wiedergabe einer alten Fotografie mit Wilhelm Bode in der Gemäldegalerie um 1900 läßt eine Ahnung davon aufkommen.

Überhaupt, Wilhelm Bode: damals noch Assistent des Direktors Julius Meyer, setzte er sich ab etwa 1874 wie dieser und auch Kronprinz Friedrich Wilhelm, der Protektor der Königlichen Museen, für eine ausgiebigere Beschilderung ein, welche wesentliche Informationen zu den Bildern enthalten sollte, vor allem Künstlernamen und Bildgegenstand, nach neuestem Forschungsstand. Auch hier wird ein Gemälde als Beispiel gezeigt, eine niederländische „Maria mit dem Kinde“ um 1500, mit der Beschriftung von 1878. Diese Schilder befanden sich immer noch auf dem Rahmen, konnten jedoch bei Bedarf (etwa wegen geänderter Zuschreibung) ausgetauscht werden.

1904 zog die Gemäldegalerie ins Kaiser-Friedrich-Museum um, das heutige Bode-Museum. Wieder gab es ein neues System, erstmals hingen die Schilder nun an der Wand, nicht mehr am Rahmen, auch wurden die Stifter genannt. Ab 1933 wurde schließlich, noch auf frühere Anregungen Bodes zurückgehend, endlich die Hängung gelichtet, um den einzelnen Bildern mehr Raum zu geben. Vom der Politik blieb das Museum nicht verschont: die Namen jüdischer Stifter wurden entfernt, dies betraf insbesondere die in einem eigenen Kabinett gezeigten Gaben des Mäzens James Simon (heute wieder im Bode-Museum zu sehen).

Mit der Teilung Berlins nach dem Zweiten Weltkrieg fand auch eine Teilung der Sammlung statt, der Osten zeigte seinen Teil der Bilder weiterhin im Bode-Museum, der Westen eröffnete die Gemäldegalerie in Dahlem. Auch hier bekommen wir historische Bilder zur Veranschaulichung. Dahlem entwickelte ab den 1970er Jahren ein neuartiges Beschilderungssystem, welches u.a. auch für die National Gallery London zum Vorbild wurde: den Bildern wurden nun kunsthistorisch erläuternde Texte beigefügt. Damals einzigartig!

1998 erst wurden die Bestände beider Teilsammlungen in der Gemäldegalerie im Kulturforum wieder vereint, wo sie sich auch heute befinden. Leider wurden die Begleittexte bei dieser Gelegenheit wieder abgeschafft und stattdessen auf den Audioguide verwiesen. Aber dieser ist sicher nicht jedermanns Sache. Derzeit wird allerdings ein neues Konzept erarbeitet, welches Informationen auf Deutsch und Englisch zur Verfügung stellen soll. Man darf gespannt sein.

Die Gemäldegalerie befindet sich im Kulturforum am Matthäikirchplatz in 10785 Berlin. Geöffnet ist sie von Dienstag bis Freitag von 10-18 (Donnerstags bis 20) sowie am Wochenende von 11-18 Uhr. Der Eintritt kostet regulär 10,- ermäßigt 5,- Euro

 

Verweise:

www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/gemaeldegalerie/ausstellungen/detail/schilder-einer-ausstellung.html

„Schilder einer Ausstellung“ - ein Randthema in der Gemäldegalerie https://art-depesche.de/images/IMG_0033.jpg Ruedi Strese