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Lesser Ury „Hochbahnhof Bülowstraße“ (Öl auf Leinwand, 1922)

Berlin – Die ehemalige Villa Max Liebermanns am Wannsee wird heute als Museum genutzt, welches sich, naheliegenderweise, schwerpunktmäßig mit dem Leben und Wirken des berühmtesten Vertreters des „deutschen Impressionismus“ beschäftigt. Nun sind noch bis zum 26. August zwei Maler dort in einer Ausstellung vereint, welche sich ein solches Unterfangen wohl zu ihren Lebzeiten verbeten hätten. Die Rede ist von dem ehemaligen Hausherren und dem deutlich jüngeren Lesser Ury; Titel der Schau ist „Zweimal Großstadt Berlin“.

Dabei stand Liebermann (1847-1936) Ury (1861-1931) zunächst wohlwollend gegenüber und förderte ihn. Das Zerwürfnis kam, als Ury behauptete, die Lichter in Liebermanns „Flachsscheuer in Laren“ (1887) gemalt zu haben. In einem Brief an den Journalisten Maximilian Harden nahm Liebermann dazu Stellung: „Ich würde erst den Staatsanwalt anrufen, wenn er behauptete, ich hätte seine Bilder gemalt.“ In Briefen an seinen Freund, den Kunstschriftsteller Franz Hermann Meißner ließ Ury wiederum kein gutes Haar an Liebermann.

Wer mag die Wahrheit gesagt haben? Im Nachgang eine eher amüsante Anekdote, jedoch führte dieses Geschehen dazu, daß Liebermann Urys Karriere nach Kräften behinderte, wozu er als Präsident der Berliner Secession durchaus in der Lage war. Erst nachdem er 1913 von diesem Posten zurückgetreten war, konnte Ury dort ausstellen, mit großem Erfolg übrigens.

Beide Künstler entstammten dem Judentum, doch sonst gingen sie sehr verschiedene Wege. Dies wird auch in der liebevoll gestalteten aktuellen Sonderausstellung mit rund 45 Gemälden, Zeichungen, Pastellen und Druckgrafiken deutlich.

Max Liebermann schätzte vor allem das Grün der Gärten und Parks, der Tiergarten war sein bevorzugtes Berlin-Motiv, welches er über einen langen Zeitraum immer wieder auf das Papier bzw. die Leinwand brachte. Dies mag zum Teil auch daran gelegen haben, daß er lange in der Nähe, nämlich am Pariser Platz, wohnte.

Lesser Ury hingegen erwies sich als Nachtgeschöpf; er konnte wie kein anderer vor ihm das Berlin bei Dunkelheit (und womöglich noch bei Regen) in Gemälde übersetzen, welche bisweilen an James McNeill Whistlers Nachtstücke erinnern. Der Kurfürstendamm, Unter den Linden, der Nollendorfplatz oder auch der Landwehrkanal wurden im nächtlichen Großstadtlicht gemalt und sind hier zu betrachten. Erwähnt sei auch eine Reihe kleinformatiger Gemälde Urys, welche Ansichten diverser Sehenswürdigkeiten bei Tag zeigen.

„Zweimal Großstadt Berlin“ ist eine Zusammenarbeit der Liebermann-Villa am Wannsee mit der Stiftung Stadtmuseum Berlin. Die Liebermann-Villa befindet sich in der Colomierstraße 3 in 14109 Berlin; die Anreise kann vom S-Bahnhof Wannsee mit der Bus 114 erfolgen. Geöffnet täglich außer dienstags von 10-18 Uhr, der Eintritt kostet 8,-, ermäßigt 5,- Euro.

 

Verweise: www.liebermann-villa.de/zweimal-grossstadt-berlin.html

Max Liebermann und Lesser Ury: Antipoden vereint am Wannsee https://art-depesche.de/images/Hochbahnhof_Bulowstrae.jpg Ruedi Strese