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Michelangelo Merisi da Caravaggio „Narziß“ (Öl auf Leinwand, 1597-99)

Potsdam – Das Museum Barberini in Potsdam befindet sich bekanntermaßen im rekonstruierten barock-klassizistischen Palais Barberini, welches seinen Namen und sein Äußeres vom Palazzo Barberini in Rom ableitet, welches seinerseits eine bedeutende Kunstsammlung beherbergt. So kam es nun zu einer Zusammenarbeit, denn Rom stellte Potsdam einen kleinen Teil seiner Schätze zur Verfügung, welche dort bis zum 6.10.2019 zu sehen sein werden.

„Wege des Barock – Die Nationalgalerien Barberini Corsini in Rom“ ist der vollständige Titel der Schau, und er enthält bereits weitere Informationen, denn die Nationalgalerie in Rom verteilt ihre Besitztümer auf zwei Häuser, den bereits erwähnten Palazzo Barberini sowie die Galleria Corsini.

54 Meisterwerke aus Rom, größtenteils aus diesen Häusern, sollen nun in Potsdam zu sehen sein, so die Ankündigung. Zwei weitere Bilder aus dem Neuen Palais in Sanssouci kommen hinzu, dazu später mehr. An der Gestaltung der Räume und Präsentation der Werke, gibt es, wie im Potsdamer Barberini üblich, nichts auszusetzen.

Es beginnt mit einer kleinen Vorstellung der beiden nach den Barberinis benannten Bauwerke, wozu auch die historischen Radierungen Piranesis vom Palazzo Barberini sowie die deutlich schlichtere Andreas Ludwig Krügers vom Potsdamer Palais gezeigt werden (später nochmal als Reproduktion im Großformat zu besichtigen).

Danach geht es um die Rolle der Familie Barberini, insbesondere des als Papst Urban VIII. in die Geschichte eingegangenen Maffeo Barberini (1568-1644). Dieser kunstsinnige Mäzen war einer der bedeutendsten Auftraggeber des italienischen Hochbarock. In diesem Zusammenhang werden Werke unmittelbar geförderter Künstler gezeigt, darunter Carlo Maratta, Giovanni Lanfranco und Gian Lorenzo Bernini, wobei die Qualität allerdings recht unterschiedlich ist.

Bewegender wird es, wenn wir schließlich zu Caravaggio und seinen Nachfolgern mit ihren dramatischen Arbeiten in Chiaroscuro kommen, dem Schwerpunkt der Ausstellung. Von Caravaggio selbst ist das berühmte Frühwerk „Narziß“ (1597-99) zu sehen; Hochkarätiges gibt es hier u.a. auch von Giovanni Baglione, Bartolomeo Manfredi und Orazio Gentileschi.

Weiter geht es mit Künstlern aus dem Europa oberhalb Italiens, welche sich von Caravaggio beeinflussen ließen, darunter Michael Sweerts, Simon Vouet und Valentin de Boulogne, auch ist die gleichfalls von Caravaggio inspirierte Neapolitanische Schule um Jusepe de Ribera mit einigen Werken im Programm.

Den letzten großen Teil bildet eine Auswahl von Künstlern, welche seinerzeit in Deutschland besonderen Anklang fanden, dabei sind ein vergleichsweise einfacher Guido Reni, Simon Vouet und – für den Verfasser das absolute Glanzlicht der Schau – zwei stimmungsvolle symbolische Bildnisse Salvator Rosas, vollkommen eigenständig!

Den Abschluß bilden zwei Großgemälde aus dem Neuen Palais in Sanssouci, welche eigens für diese Präsentation restauriert wurden, und zwar „Bathseba im Bade“ sowie „Lukretia und Sextus Tarquinius“ der Artemesia Gentileschi, Tochter Orazio Gentileschis.

Alles in allem: „Wege des Barock“ ist eine gute und interessante Ausstellung und für Freunde italienischer Alter Meister sicher Pflichtprogramm. Die Behauptung, alle dort hängenden Bilder seien Meisterwerke erscheint uns hingegen etwas gewagt, denn neben Großem findet sich auch Einiges an Füllmaterial. Aber vielleicht sind wir auch einfach durch die eben ausgelaufene, wahrlich überwältigende Schau zu Mantegna und Bellini in der Gemäldegalerie mit zu hohen Erwartungen gekommen.

Die Karte für das Barberini kostet 14,-, ermäßigt 10,- Euro, Personen unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Geöffnet ist es am Montag sowie von Mittwoch bis Sonntag von 10-19 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr; der Dienstag ist Schließtag. Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam.

 

Verweise:

https://www.museum-barberini.com/wege-des-barock/
https://www.barberinicorsini.org/
https://www.rom-museum.com/galleria-nazionale-darte-antica.html

Wege des Barock – Barberini trifft auf Barberini https://art-depesche.de/images/Narzi.jpg Ruedi Strese