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Paul Gachet „Van Gogh auf dem Totenbett“ (Radierung, 1890)

Berlin - Der Franzose Paul Gachet ist als vor allem als Sammler und Förderer impressionistischer Künstler sowie als Arzt van Goghs in die Geschichte eingegangen. Gachet war allerdings auch selbst ein passionierter Hobbykünstler. Er, seine Frau und sein Wohnhaus waren überdies Gegenstand von Werken verschiedener Künstler wie Ambroise Detrez, Émile Bernard, Paul Cézanne und natürlich Vincent van Gogh.

1828 (nach anderen Quellen 1826) wurde er in Lille geboren und studierte an der Universität Paris. Er arbeitete in Nervenheilanstalten und erlangte 1858 seinen Abschluß mit einer „Étude sur la Mélancolie“ betitelten Arbeit. Später eröffnete er seine Pariser Praxis und lernte bedeutende Persönlichkeiten wie Gustave Courbet, Victor Hugo, Paul Cézanne und den Chemiker Henri Nestlé kennen. 1882 behandelte er die Lungenentzündung Auguste Renoirs und riet 1883 dem schwerkranken Édouard Manet von der Amputation seines linken Beins wegen einer Gangrän ab; Manet verwarf indes Gachets Rat und starb elf Tage nach der Amputation.

Seine bis heute dauernde Bekanntheit geht jedoch in erster Linie auf die Behandlung des schwer nervenkranken van Gogh in dessen letzter Lebensphase in Auvers-sur-Oise zurück. Vincents Bruder, der Kunsthändler Theo, hielt Gachet aufgrund seiner umfassenden Kenntnisse und seines Kunstverständnisses für den idealen Arzt für Vincent. Dieser urteilte jedoch: „... seine Erfahrung als Arzt muß ihn ja schließlich im Gleichgewicht halten bei der Bekämpfung des Nervenübels, an dem er mir mindestens so ernstlich zu leiden scheint wie ich...“

Die Interpretation des Wirkens Gachets geht sehr auseinander, vom fähigen und verständnisvollen Arzt bis zum Egoisten, der den naiven van Gogh ausnutzte und sich von ihm Bilder als Geschenk bestellte. Selbst die Einschätzung „Mehr Paparazzi als Arzt" ist zu lesen. Vincent van Gogh hatte nicht auf Gachets Rat gehört, mit dem Tabak- und Alkoholkonsum aufzuhören, doch auch dann ist sehr fraglich, ob der damalige Wissensstand zur erfolgreichen Behandlung der Erkrankung van Goghs genügt hätte.

Am 27. Juli 1890 schoß dieser sich eine Kugel in den Leib, als eines der möglichen Motive gilt das von Gachet verhängte Verbot einer sich abzeichnenden Liebschaft van Goghs mit dessen Tochter. Gachet und ein weiterer Arzt sahen von der Entfernung der Kugel ab, und Vincent van Gogh verstarb zwei Tage später in Anwesenheit seines Bruders. Gachet fertigte eine Radierung an, welche den Künstler in seinem Totenbett zeigt. Er selbst starb im Januar 1909, ebenfalls in Auvers-sur-Oise, liegt jedoch in Paris begraben. Die von Gachet gefertigten Bilder sind mit „Paul van Ryssel“ signiert, bezogen auf die flämische Bezeichnung seines Geburtsortes Lille. Sie gelten weithin als mittelmäßig, lassen jedoch den Einfluß Courbets und der Impressionisten deutlich erkennen.

 

Verweise:

http://www.musee-orsay.fr/de/kollektionen/werkbeschreibungen/gemaelde/commentaire_id/cholera-16583.html?tx_commentaire_pi1
https://realfrance.wordpress.com/2010/03/05/who-the-heck-is-dr-gachet-a-pictorial

Dr. Gachet - Der Arzt an van Goghs Totenbett https://art-depesche.de/images/Gachet_Van_Gogh_on_his_Deathbed_1890_600px.jpg Ruedi Strese