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Filippo Lippi "Madonna und Kind mit zwei Engeln" (etwa 1460-65, Uffizien, Florenz)

Bremen - Der Karmelitermönch Filippo Lippi gehörte zu den frühen Malern, die sich von der flächigen gotischen Malerei abwandten und den Schritt zur realistischen und plastischen Darstellungsweise, wie sie für die Renaissance typisch wurde, wagten. Um das Leben dieses Meisters ranken sich zudem allerlei sonderbare Geschichten.

Geboren wurde er gegen 1406 in Florenz. Sein Vater, ein Metzgermeister, und seine Mutter starben früh, worauf der Vollwaise zunächst in die Obhut einer Tante und dann in ein Karmeliterkloster kam, wo er als etwa 15jähriger das Mönchsgelübde ablegte. Um 1425 wurde er zum Priester geweiht, bliebt jedoch lediglich bis 1432 im Kloster.

Das Malen und Zeichnen wurde ihm gewährt, ausschlaggebende Inspiration soll Giorgio Vasari zufolge zunächst das Beobachten Masaccios beim Malen in einer benachbarten Kapelle gewesen sein, sicher ist jedoch der Einfluß durch Masaccios Werke. Einflüsse waren zudem die Perspektivlehre des Architekten Brunelleschi, die realistische Bildhauerei Donatellos sowie die von diesem beeinflußte Malerei des Dominikanermönches Fra Angelico. Im Vergleich zu deren majestätischer Weltentrücktheit wirken Lippis religiöse Gemälde eher menschlich, warm und gemütvoll.

Das Verlassen des Klosters ging nicht mit einer Entbindung vom Mönchsgelübde einher. Er ging wieder nach Florenz, wo er, mittlerweile populär geworden, unter anderem von den de Medici verpflichtet wurde, welche ihn zwischenzeitlich sogar eingesperrt haben sollen, um ihn zum Arbeiten zu zwingen. Jedenfalls entstanden in diesen Florentiner Jahren zahlreiche seiner bedeutenden Meisterwerke.

In einem Brief von 1439 bezeichnet er sich dennoch als den ärmsten Mönch von Florenz, belastet mit dem Unterhalt für sechs heiratsfähige Nichten. Vasari berichtet von Reisen nach Ancona und Neapel, wo er in Gefangenschaft von Piraten geraten sein soll, aus welcher er lediglich durch seine Fähigkeiten im Porträtzeichnen die Freiheit zurückerhielt; dies wird jedoch mittlerweile allgemein als romantische Legende abgetan.

1456 ließ er sich in Prato bei Florenz nieder, um anstelle des vom Auftrag zurückgetretenen Fra Angelico die Fresken des dortigen Domes zu malen, welche als sein Hauptwerk gelten. Dort lernte der 50jährige die hübsche Novizin Lucrezia Buti kennen, Tochter eines reichen Florentiners. Er ließ sie als Madonna Modell sitzen, verliebte sich in sie und brannte mit ihr durch.

Zur Entschärfung der Situation und mußten die Medicis ihren Einfluß geltend machen, denn das Kloster wollte die junge Dame wiederhaben, doch entsprang aus der Beziehung ein Sohn, Filippino Lippi (1457-1504), welcher später, unter dem Vorbild Sandro Botticellis (seinerseits wiederum Schüler seines Vaters) gleichfalls ein herausragender Maler werden sollte, dessen Bilder im Vergleich zu den väterlichen jedoch weit düsterer wirken und bereits auf den kommenden Manierismus weisen.

Zu Ende ging sein bewegtes Leben in Spoleto, wo er mit einem Fresko aus dem Marienleben für den Dom beauftragt worden war. Über die genauen Hintergründe gibt es mehr Gerüchte als gesichertes Wissen. Es heißt, daß dank des Hauses de Medici die Erlaubnis des Papstes zur Entbindung vom Gelübde und zur Heirat der Buti unterwegs war, als Lippi vergiftet wurde, entweder von deren Angehörigen oder von einer eifersüchtigen Nebenbuhlerin. Joachim Fernau hingegen sieht die späten Jahre Lippis vom irdischen Glück geprägt. Wer kennt schon die Wahrheit? Beendet wurden die Fresken im Dom zu Spoleto jedenfalls von Lippis Mitarbeiter und karmelitischem Bruder Fra Diamante.

 

Verweise:

https://www.virtualuffizi.com/de/filippo-lippi.html
https://art-depesche.de/12-skulpturen/550-donatello-im-bode-museum.html

Fra Filippo Lippi - malender Karmeliter der Frührenaissance https://art-depesche.de/images/Madonna_und_Kind_mit_zwei_Engeln.jpg Ruedi Strese