static-aside-menu-toggler
gkSearch
„Zeitenwende - 30 Jahre Mauerfall“ (Ausstellungsansicht mit drei Gemälden Wolfgang Mattheuers)

Berlin - Die Stiftung Kunstforum der Berliner Volksbank verfügt über eine beachtliche Sammlung von meist gegenständlicher Malerei aus DDR und Westdeutschland. In der neuesten Ausstellung, angesetzt bis zum 15. Dezember 2019, wird die Mauer und deren Ende thematisiert, dazu gibt es eine interessante Auswahl von Werken von Künstlern beiderseits der innerdeutschen Grenze.

Der vollständige Titel lautet „Zeitenwende - 30 Jahre Mauerfall“. Der Großteil der ausgestellten Werke stammt aus eigenen Beständen, ergänzend wurden Leihgaben aus privaten und öffentlichen Sammlungen hinzugezogen.

Unmittelbar mit der Mauer, und zwar auf recht verschiedene Weise, befassen sich fünf Werke im Eingangsbereich. Konrad Knebels „Berliner Mauer“ (1990) stammt aus einer Zeit, als diese ihren Schrecken bereits verloren hatte, zeigt ein Stück in der Nähe des Checkpoint Charlie als im Verfall befindliches Relikt. Roland Nicolaus’ „Potsdamer Platz - Ein Platz für Tiere“ von 1989 ist eine leicht ironische Draufsicht aus dem Atelier des Meisterschülers der Akademie der Künste der DDR in der Nähe des Brandenburger Tores.

Rainer Fettings „Mauer“ (1978) stammt aus dessen früher Zeit als Mitbegründer der um die Galerie am Moritzplatz aktiven „Jungen Wilden“. In der typischen expressiv-heftigen Farbgebung nutzte er die Mauer als Mittel zu einer an lyrisch-abstrakter Optik orientierten Gegenständlichkeit.

Der Dresdener Stefan Plenkers hatte die Gelegenheit zu einem Besuch Westberlins und malte 1987 sein „Mauerbild“ aus Westberliner Sicht in seinem ureigenen Stil. Von Wolfgang Peuker gibt es ein „Selbst im Smoking“ (1985), wobei die Draufsicht auf einen Teil Berlins einschließlich Grenzanlage lediglich als Hintergrund des relativ klassischen Porträts dient.

Der Hauptraum schließlich enthält Arbeiten, die mehr oder weniger der Interpretation bedürfen, um sich in den Kontext einzufügen. Besonders zu erwähnen ist Wolfgang Mattheuer, welcher gleich mit mehreren Werken vertreten ist, zwei Großgemälden aus den 80er Jahren, drei kleineren Ölbildern aus einer Serie von 1962 sowie einem Linolschnitt. De Chirico und der Surrealismus dürften hier Pate gestanden haben.

Eine ganze Reihe weiterer Künstler ist im Programm, genannt seien Harald Metzkes, Hubertus Giebe, Giuseppe Madonia, Helmut Metzner und noch einmal Rainer Fetting. Wie für das Kunstforum der Berliner Volksbank üblich, sind die Arbeiten ansprechend präsentiert und mit hilfreichen Erläuterungen versehen.

Ein besonderes Glanzlicht bietet schließlich der kleine Nebenraum; hier werden zwei Reihen von stimmungsvollen Aquatinta-Radierungen von Manfred Butzmann („Steinernes Berlin I + II“) von 1982 resp. 1987 in ausgewählten Stücken vorgestellt, wobei aus naheliegenden Gründen allerdings lediglich Ostberliner Motive verarbeitet wurden, darunter das Nikolaiviertel, der Berliner Dom, der Bahnhof Friedrichstraße und - die Mauer. Sehr sehenswert!

Das Kunstforum der Berliner Volksbank befindet sich am Kaiserdamm 105 in 14057 Berlin. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags von 10-18 Uhr, der Montag ist Schließtag. Der Eintritt kostet regulär 4,-, ermäßigt 3,- Euro. Personen unter 18 Jahren haben freien Eintritt.

 

Verweise:

https://kunstforum.berlin/zeitenwende-30-jahre-mauerfall-werke-aus-der-kunstsammlung-der-berliner-volksbank/

Die Mauer und die Malerei im Kunstforum der Berliner Volksbank https://art-depesche.de/images/Zeitenwende_-_30_Jahre_Mauerfall.jpg Ruedi Strese