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Frans Hals „Malle Babbe“ (etwa 1630)

Berlin - Der Holländer Frans Hals gehört zu den bedeutendsten Porträtmalern. Sein eigenständiger, lebendiger Stil war in seiner Zeit durchaus revolutionär, beeinflußte jedoch vor allem eine deutlich spätere Malergeneration.

Geboren wurde er gegen 1582, die Angaben gehen hier auseinander, in Antwerpen als Sohn eines Tuchhändlers. Von ca. 1600 bis 1603 war er Schüler des westflämischen Malers und Dichters Karel van Mander (1548-1606), 1610 wurde in die Haarlemer Malergilde, bekannt als Lukasgilde, aufgenommen. Eine erste Ehe führte er von 1610 bis zum Tod der Frau 1615, die zweite Ehe ab 1617. Insgesamt wurden ihm aus diesen zwei Ehen zehn Kinder geboren, von denen fünf Söhne ebenfalls zu Malern wurden.

Zu seinen bedeutenden Frühwerken gehören die zwischen 1616 und 1637 entstandenen Porträts der Haarlemer Schützengilde, in den Jahren darauf bildete er vorrangig Hospitalvorsteher ab.  1644 wurde er selbst Vorstand der Malergilde. Zu den von ihm porträtierten Persönlichkeiten gehörten u.a. der rationalistische Philosoph René Descartes und der Landschaftsmaler Jan van de Cappelle. Nachdem Peter Paul Rubens (1640) und Anthonis van Dyck (1641) gestorben waren, galt Hals als erste Adresse für Porträtmalerei in den Niederlanden. Bis zu seinem Tod in Haarlem 1666 war er als Künstler weit über seine Heimat hinaus erfolgreich und geachtet. 

Neben seinen Söhnen hatte er noch weitere Schüler oder Anhänger, die sich von ihm inspirieren ließen, von denen einige ebenfalls recht erfolgreich wurden, stellvertretend genannt seien Adriaen Brouwer, Philips Wouwerman und und Jan Miense Molenaer sowie dessen Ehefrau Judith Leyster.

Frans Hals wurde zu einem Meister in einer Technik, die bis dahin in der Malerei eher als Makel gegolten hatte, dem sichtbaren, rohen Pinselstrich. Auch verzichtete er weitgehend auf abschließende Glättung von Flächen und Konturen. Sehr deutlich wird dies u.a. in „Die Zigeunerin" (gegen 1629) oder „Malle Babbe“ (ca. 1630). Die Arbeiten wirken dadurch besonders lebendig und dynamisch und zum Teil wie „auf die Leinwand geworfen“, wobei dieser Eindruck trügt, denn tatsächlich sind die Werke in mehreren Lagen sauber aufgetragen. Zeitgenossen zeigten sich oft nahezu schockiert von der unüblichen Malweise, als „fordere der Maler die Natur mit dem Pinsel heraus“, wie der Haarlemer Dichter Theodorus Schrevelius bemerkte.

Erst die Impressionisten und Postimpressionisten führten jedoch diesen von Hals begonnenen Ansatz konsequent fort. So schrieb Vincent van Gogh an seinen Bruder Theo: „Was für eine Freude ist es, einen Frans Hals zu sehen, wie verschieden es von anderen Bildern ist - so vielen von ihnen - wo alles in der gleichen Weise sorgfältig geglättet ist.“ Lovis Corinth bezeichnete Hals als seinen größten Einfluß, und eine ganze Reihe anderer bedeutender Namen findet sich unter seinen Bewunderern, darunter Max Liebermann, James McNeill Whistler, Claude Monet, Édouard Manet und Gustave Corbet. Frans Hals’ sichtbare Pinselstriche wurden zum stilbegründenden Element einer ganzen Generation von Malern - über 200 Jahre nach seinem Tod.

Porträts von einzigartiger Vitalität: der Holländer Frans Hals https://art-depesche.de/images/Frans_Hals_021_1024px2.jpg Ruedi Strese