Uwe Pfeifer „Umbruch und Stille I + II“ (1990)

Leipzig - Das Museum der bildenden Künste Leipzig, kurz Bildermuseum, gehört zu den bedeutenden deutschen Kunstmuseen und verfügt über reiche Bestände an Kunst aus der DDR und Nachwendezeit, was bei der räumlichen Nähe zum Wirkungsort der Leipziger Schule nicht weiter verwunderlich ist. Eine aktuelle Sonderausstellung nennt sich „Point of No Return. Wende und Umbruch in der ostdeutschen Kunst“ und wird noch bis zum 3.11.2019 eine riesige Auswahl zu eben jenem Thema zeigen.

Leipzig ist nicht nur künstlerisches Zentrum, sondern war auch symbolischer Hauptort der Volksbewegung von 1989, ist insofern für eine solche Rückschau doppelt prädestiniert. Entsprechend wurde groß aufgefahren: auf 1500 m² werden über 300 Werke verschiedenster Gattungen von 106 Künstlern gezeigt, wobei sowohl die künstlerischen Strömungen der Vorwendezeit Beachtung finden, von oppositionellen Gruppen und Auswanderern bis zu den bekanntesten mehr oder weniger staatsnahen bzw. offiziell angesehenen Künstlern, als auch neuere Entwicklungen, welche in jener Zeit wurzeln, einbezogen wurden.

Naturgemäß treten angesichts des Themas künstlerische Fragestellungen bisweilen hinter den politischen Gehalt zurück, dennoch wird ein sehr aufschlußreicher Überblick geboten, was in den letzten Jahren der DDR doch bereits möglich war, mindestens geduldet wurde, und wie sich die Kunstszene nach dem Anschluß an Westdeutschland weiterbewegt hat.

Ein Aspekt, welcher in der Regel zu wenig beleuchtet wird, aber angesichts der Bilder ins Auge springt, ist der nach traditionellen Kriterien im Vergleich zur alten Bundesrepublik insgesamt höhere technische Stand der anerkanntesten Künstler, wenn man sich etwa die Werke von Willi Sitte, Wolfgang Mattheuer oder Werner Tübke ansieht; hier wurde mehr Wert auf die klassisch-künstlerische Ausbildung gelegt.

Insgesamt sind Bekanntes und Unbekanntes, verschiedenste Metiers und Stilrichtungen vereint, unterteilt in eine Reihe von Themenbereichen. Stefan Plenkers, Bernhard Heisig, Thomas Baumhekel, Goran Djurovic, Wolfgang Peuker, Petra Flemming, Uwe Pfeifer sind einige weitere Namen, denen wir dort begegnen. Um irgendjemandem vollständig zu gefallen oder auch nicht ist das gezeigte Spektrum sicher viel zu weit, der Ansatz ist indes kunsthistorisch, und dafür sehr erhellend. Zu bedauern ist, daß in den Schildern zu den Werken lediglich Urheber, Titel und Jahr genannt werden, jedoch auf die Nennung der Technik verzichtet.

Ein mit ca. 440 Seiten und über 240 Abbildungen recht umfangreicher Katalog zur Ausstellung, herausgegeben von den Kuratoren Paul Kaiser, Christoph Tannert und Alfred Wedinger, ist im Hirmer Verlag erschienen und im Museumsshop für 35,-, im Buchhandel für 45,- Euro erhältlich.

Das Museum der bildenden Künste befindet sich in der Katharinenstraße 10 in 04109 Leipzig. Geöffnet hat es am Dienstag und von Donnerstag bis Sonntag 10-18, am Mittwoch 10-20 Uhr, der Montag ist Schließtag. Der Eintritt kostet regulär 10,-, ermäßigt 7,- Euro, Personen bis zum vollendeten 19. Lebensjahr haben freien Eintritt. Freien Eintritt gibt es zudem generell an jedem ersten Mittwoch im Monat.

 

Verweise:

https://mdbk.de/ausstellungen/point-of-no-return/

Point of No Return - Kunst der Wendejahre in Leipzig https://art-depesche.de/images/Umbruch_und_Stille_1200px.jpg Ruedi Strese
©2020 ART-Depesche.