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Pieter Pietersz „Der Graupenzähler“ (Öl auf Holz, 1570/75)

Leipzig - Kabinettausstellungen zu restaurierten Bildern sind in den letzten Jahren beliebt geworden. In der Alten Nationalgalerie in Berlin wurden der Öffentlichkeit Einsichten in die Überarbeitung eines Porträts von Anton Graff gegeben, im Dresdner Zwinger waren es zwei Selbstporträts von Graff sowie Vermeers berühmte „Briefleserin“. Das Leipziger Museum für bildende Künste tat mit einem Gemälde des flämischen Renaissancekünstlers Pieter Pietersz des Älteren Ähnliches. Das offizielle Ende der kleinen Ausstellung war zwar bereits im März, doch wurde das Werk nebst Erläuterungen zur Restauration nun in die Dauerausstellung eingebettet, wo es einen kleinen Höhepunkt bietet.

Pieter Pietersz. (I) oder Pieter Pietersz der Ältere wurde 1540 in Antwerpen als Sohn des Malers Pieter Aertsen geboren und schuf hauptsächlich Porträts, Altarbilder und Genreszenen. Seine Brüder Aert und Dirk waren ebenfalls Maler. Er war außerdem Lehrer seines Sohnes Pieter Pietersz des Jüngeren sowie von Cornelis’ van Haarlem. Er starb 1603, geachtet und wohlhabend, in Amsterdam.

Das Gemälde „Der Graupenzähler“ ging 1858 durch Schenkung Carl Lampes an das zehn Jahre zuvor ins Leben gerufene Museum der bildenden Künste Leipzig, wurde jedoch nach 1945 aufgrund seines schlechten Zustands nicht mehr ausgestellt.

Es gibt von diesem Bild mehrere Fassungen aus der Werkstatt des Malers (eine weitere war zuvor in der Kabinettausstellung noch zu sehen gewesen), wobei die Bildidee möglicherweise bereits auf dessen Vater Pieter Aertsen zurückgeht, welcher auf einem entsprechenden Kupferstich Hendrik Barys als Urheber angegeben wurde.

Gezeigt wird auf dem Genrebild ein Kaufmann der unehrlichen Sorte, ein unangenehmer Geizkragen, welcher, platziert auf einem winzigen Stuhl, Gerstenkörner einzeln in den Topf zählt, mißtrauisch blickend, denn offensichtlich traut er seiner Haushälterin nicht. Ein satirisches Bild und meisterhafte Malerei zugleich.

Mehrere Tafeln neben dem Gemälde geben Auskunft über dessen Zustand vor der Restauration und machen deren einzelne Schritte nachvollziehbar. Ein interessanter Einblick in diesen Teil der Arbeit eines Kunstmuseums.

Das Museum der bildenden Künste befindet sich in der Katharinenstraße 10 in 04109 Leipzig. Geöffnet hat es am Dienstag und von Donnerstag bis Sonntag 10-18, am Mittwoch 10-20 Uhr, der Montag ist Schließtag. Der Eintritt kostet regulär 10,-, ermäßigt 7,- Euro, Personen bis zum vollendeten 19. Lebensjahr haben freien Eintritt. Freien Eintritt gibt es zudem generell an jedem ersten Mittwoch im Monat.

 

Verweise:

https://mdbk.de/ausstellungen/pieter-pietersz/
https://www.kulturausflandern.de/veranstaltungen/pieter-pietersz-der-graupenzähler-1545211665/
http://www.artnet.com/artists/pieter-pietersz/past-auction-results

Restauriert: ein Pieter Pietersz im Bildermuseum https://art-depesche.de/images/Der_Graupenzaehler.jpg Ruedi Strese