static-aside-menu-toggler
gkSearch
Anton von Werner „Wannseegarten mit Familie des Künstlers” (1882, Galerie Mutter Fourage, Foto: Michael Lüder)

Berlin - Die Liebermann-Villa am Wannsee ist sicher eines der schönsten Berliner Museen, und regelmäßig werden dort kleine, aber feine Ausstellungen organisiert, welche in der einen oder anderen Weise mit dem Ort und dessen berühmtem einstigen Bewohner zu tun haben. Bis zum 10. Februar 2020 bekommen wir nun mit „Sehnsucht nach Idylle - Max Liebermann und die Maler am Wannsee” eine Werkauswahl von sechs doch recht verschiedenen Künstlern geboten, welche die Gegend lockte und die dort ihren Wohnsitz bezogen.

Betreten wir die Ausstellungsetage, werden wir von Selbstbildnissen von Oskar Begas, Carl Becker, Anton von Werner, Philipp Franck und Hugo Vogel begrüßt; im selben Raum befindet sich ein „Rosengarten” des Impressionisten Franck. Der Blick geht in den Liebermann-Raum, dort tritt uns der Maler in seinem bekannten „Selbstbildnis, stehend in Dreiviertelfigur, beide Hände in den Hosentaschen” entgegen. Ansonsten gibt es hier vor allem seine Garten- und Hausbilder, größtenteils handelt es sich um die eigenen Bestände oder Dauerleihgaben.

Im Folgenden wird jeder weitere Künstler mit einer Kurzbiographie, der Geschichte seiner Ansiedlung am Wannsee und einigen Werken vorgestellt. Einen Raum teilen sich die akademischen Maler Oscar Begas (1828-1883) und Carl Becker (1820-1900). Beide sind mit darin je zwei Werken vertreten, von unmittelbarem Bezug zum Thema ist ein Bild Begas’, welcher ein Liebhaber exotischer Gewächse war, von einer Bananenstaude in dessen Garten am Wannsee. Sehr sehenswert!

Philipp Franck (1860-1944) hat sich durch impressionistische Lichtmalerei einen Namen gemacht. Sein bekanntestes Werk zeigt badende Jungen am Wannsee, dieses gehört zum Bestand der Villa Oppenheim in Charlottenburg. Hier ist nun eine etwas kleinere Umsetzung des gleichen Themas zu sehen, ansonsten gibt es Szenen bäuerlichen Lebens sowie aus dem Garten des Malers am Wannsee, wo er seit 1910 lebte. Etwas ungünstig kommt dem Verfasser vor, daß die bereits sehr hellen Bilder auch sehr hell gerahmt sind, hierdurch verlieren sie sich etwas vor dem gleichsam hellen Hintergrund.

Anton von Werner (1843-1915) ist heute vor allem als kaiserlicher Hofkünstler, strenger Vertreter der akademischen Malerei und konservativer Gegner moderner Strömungen bekannt, bzw. verrufen. Die hier gezeigten sechs kleineren Gemälde bzw. Ölstudien stellen insofern eine besondere Überraschung dar. Sie zeigen eine ganz intime Seite, den Garten des Künstlers und seine Familie; stilistisch verbindet sich akademische Genauigkeit in der Ausführung mit an den Impressionismus reichender Lichtfülle. Außergewöhnlich, und für den Verfasser der reizvollste der Räume.

Den Abschluß bildet ein Raum mit Arbeiten Hugo Vogels (1855-1934). Dieser hatte seine Karriere ursprünglich selbst als akademischer Maler begonnen und es zum offiziell geachteten Professor gebracht, war jedoch aufgrund der Schließung einer Ausstellung der Werke Edvard Munchs durch den Akademiedirektor von Werner in Gegnerschaft zu diesem geraten, hatte seine Professur aus Protest niedergelegt und sich Walter Leistikow und dessen Gruppe der Elf angeschlossen. Die in der Villa Liebermann gezeigten Werke verbinden romantische, symbolistische und impressionistische Anleihen, zwei der Bilder wirken wie impressionistisch übersetzte Zitate aus Carl Blechens berühmten Palmenhaus-Bildern.

Wieder eine hübsche Ausstellung, die natürlich vor allem Liebhaber von Freilichtmalerei ansprechen dürfte. Die Liebermann-Villa befindet sich in der Colomierstraße 3 in 14109 Berlin; die Anreise kann vom S-Bahnhof Wannsee mit der Bus 114 erfolgen. Von Oktober bis März hat sie täglich außer dienstags von 11-17 Uhr geöffnet, der Eintritt kostet 8,-, ermäßigt 5,- Euro.

 

Verweise:

https://www.liebermann-villa.de/sehnsucht-nach-idylle.html
https://www.ghwk.de/fileadmin/user_upload/pdf-wannsee/alsen/becker-1.pdf

Ausstellung: Max Liebermann und die Maler am Wannsee https://art-depesche.de/images/4C124FCE-C344-4766-A42C-6DDD155E8792.jpg Ruedi Strese