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Gerhard ter Borch der Jüngere „Die galante Konversation“ bzw. „Väterliche Ermahnung“ (Berliner Fassung, Öl auf Leinwand, 1654/55)

Berlin - Gerhard ter Borch der Jüngere (1617-1681) gehört zu den bedeutendsten Porträtisten und Genremalern des Goldenen Zeitalter der niederländischen Malerei. Die Berliner Gemäldegalerie besitzt einige Stücke dieses Meisters, an herausragender Stelle eine Genreszene, welche als „Väterliche Ermahnung“ bekannt geworden ist, tatsächlich jedoch eher „Die galante Konversation“ heißen dürfte. Das beliebte Werk existiert in mehreren Fassungen und Abwandlungen. Nun lädt eine Kabinettausstellung in der Gemäldegalerie zum detaillierten Vergleich.

Bis zum 29. Februar 2020 soll „Gerard ter Borch: Die galante Konversation. Ein Meisterwerk und seine virtuosen Varianten“ zu sehen sein. Die älteste Version des zentralen Motivs einer jungen Frau in elegantem Kleid in Rückenansicht ist ein kleines Ölgemälde auf Holz, welches die Gemäldegalerie für diese Schau aus der Galerie Alte Meister in Dresden geliehen bekam. Dem aktuellen Forschungsstand nach kann es mit einer ziemlichen Sicherheit ter Borch zugeschrieben werden.

Die im Amsterdamer Rijksmuseum hängende Fassung läßt die gleiche Figur nun als Teil einer Genreszene erscheinen. Ein Soldat redet auf die junge Frau ein, eine zweite Frau, für welche die Gattin des Malers Modell saß, sitzt am Tisch und trinkt mit niedergeschlagenen Augen aus ihrem Weinglas. Die Darstellung eines verängstigten Hundes läßt einen unmoralischen Hintergrund, Verführungsabsichten des Soldaten oder gar eine Bordellszene, zumindest erahnen.

In der vermutlich nur kurze Zeit später entstandenen hauseigenen Fassung fehlt der dunkle Hund; diese Glättung öffnete den Weg für sittlichere Deutungen. Der hier als Faksimile gezeigte Stich von Johann Georg Wille (1715-1808) auf Grundlage der Berliner Version machte das Bild erstmals zur häuslichen Szene und gab gleich den angemessenen Titel dazu: eben jene „Väterliche Ermahnung“, als welche das Bild berühmt wurde und welche auch Eingang in Goethes „Wahlverwandtschaften“ fand.

Indes führte die Beliebtheit des Motivs noch weiter in Richtung Trivialisierung, was bereits in der Werkstatt ter Borchs begonnen haben dürfte. Exemplarisch dafür gezeigt werden zwei Arbeiten, welche unsere Hauptfigur in gleicher Haltung, doch neuer Rolle erscheinen lassen, als Musikschülerin oder Briefleserin.

Derzeit findet übrigens eine weitere Kabinettausstellung statt, welche einige Radierungen Rembrandts und ihren Einfluß auf Adolph von Menzel zeigt (die Art Depesche berichtete). Zusammen sicher einen Besuch wert! Die Gemäldegalerie befindet sich im Kulturforum am Matthäikirchplatz in 10785 Berlin. Geöffnet ist sie von Dienstag bis Freitag von 10-18 (Donnerstags bis 20) sowie am Wochenende von 11-18 Uhr. Der Eintritt kostet regulär 10,- ermäßigt 5,- Euro

 

Verweise:

https://www.smb.museum/museen-und-einrichtungen/gemaeldegalerie/ausstellungen/detail/gerard-ter-borch-die-galante-konversation.html
https://sammlung.staedelmuseum.de/de/person/borch-d-j-gerard-ter
https://www.wga.hu/frames-e.html?/html/t/terborch/1/brothel.html
https://art-depesche.de/malerei/572-kabinettausstellung-wie-rembrandt-menzel-inspirierte.html

Die galante Konversation - Kabinettausstellung zu Gerhard ter Borch https://art-depesche.de/images/Die_galante_Konversation.jpg Ruedi Strese