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Lotte Laserstein „Damenporträt“ (Öl und Gouache, 1940er Jahre, Pressebild der Galerie)

Berlin - Die aus der Weimarer Verfassung von 1919 folgende Zulassung von Frauen zu den staatlichen deutschen Kunstakademien wird derzeit nicht nur in der Alten Nationalgalerie mit einer Sonderausstellung thematisiert (wobei es dort indes um weibliche Künstlerkarrieren vor diesem Wendepunkt geht), auch die Salongalerie „Die Möwe“ in Berlin-Mitte befaßt sich in ihrer neuen Schau, welche bis zum 22. Februar 2020 gehen wird, mit kunstschaffenden Damen.

Betitelt „Das weibliche Statement. Künstlerinnen im 20. Jahrhundert“ hat diese Ausstellung ihren Schwerpunkt in der klassischen Moderne. Von Handzeichnung und Druckgraphik über Ölgemälde bis zu Collage, Marmor- und Bronzeskulptur wird einer Vielheit von Medien Raum geboten. Den meisten Künstlerinnen ist ein eigener Raumabschnitt gegeben, durch die ansprechende Hängung und den über den Werken an die Wand geschriebenen Namen fällt die Zuordnung leicht. Auch stehen dem Besucher Begleitblätter mit Kurzbiographien zur Verfügung. Ein paar der Künstlerinnen seien kurz angeführt.

An herausgehobener Stelle präsentiert wird ein „Damenporträt“ in Öl und Gouache aus den 1940er Jahren von Lotte Laserstein (1898-1993), welche spätestens mit der Gedenkausstellung in der Berlinischen Galerie einem größeren Publikum bekannt geworden sein dürfte, in ihrem unverkennbaren psychologisch feinen Stil, welcher üblicherweise der Neuen Sachlichkeit zugerechnet wird.

Iris Hahs-Hoffstetter (1908-1986) geriet zu ihren Lebzeiten sowohl mit der nationalsozialistischen Kunstauffassung wie auch mit jener der DDR in Gegensatz; die gezeigten Arbeiten auf Papier (Pastelle und Kohlezeichnungen) aus den 1930er Jahren vom Blumenstilleben bis zum weiblichen Akt wirken weich und gefühlvoll.

Zu den größeren Namen gehört die Berlinerin Jeanne Mammen (1890-1976). Von Ursprüngen in Kubismus und Neuer Sachlichkeit ausgehend, bewegte sie sich in den ersten Nachkriegsjahren in Richtung Abstraktion; jenem Bereich ist auch das gezeigte eher kryptische Ölgemälde zuzurechnen, wobei sie sich jedoch fern der Schule der Ackermann, Baumeister usw. eine recht eigene Malweise erarbeitet hat.

Reizvoll sind zwei farbenfrohe Arbeiten in Mischtechnik (Monotypie und Öl) von Maria Heckert-Fechner. Diese erinnern etwas an gemäßigtere Werke Pechsteins und stammen aus den späten 1950er Jahren, weshalb anzunehmen ist, daß die von der Galerie aufgrund des Nachlasses der Künstlerin angenommenen Lebensdaten von 1888-1960 korrekt sind, und nicht die im Netz zu findenden Jahre 1880-1950.

Mit einer Reihe von Zeichnungen aus den 20er Jahren ist Erna Schmidt-Caroll (1896-1964) im Programm. Thematisiert wird das Berliner Großstadtleben mit seinen Cafés und Varietés; Ähnlichkeiten zu manchen Werken von Grosz, Dix usw. sind sicher kein Zufall. Thematisch etwas verwandt sind zwei Arbeiten in Mischtechnik von Ilse Fehling (1896-1982) aus den 1930er Jahren, welche sich mit der Mode ihrer Zeit befassen.

Mehrfach vertreten ist auch Else Hertzer (1884-1978), welche dem Expressionismus zugerechnet wird. Hier geht es von der intimen Kohlezeichnung einer Mutter mit Kind um 1920 über die an Werke der „Brücke“ erinnernde Bleistiftzeichnung „Pariser Tanzlokal“ (1929) bis zum wilden, recht weit abstrahierten Ölgemälde „Mazurka“ (1953/54). Erwähnt seien auch noch zumeist graphische Beiträge von Johanna Schütz-Wolf (1896-1965) und Bettina Encke von Arnim (1895-1971), einer Urenkelin von Bettina Brentano und Achim von Arnim.

Die einzige noch lebende Künstlerin im Programm ist Inge Flierl (*1926); von ihr gibt es zwei sehr ansehnliche kleine Bildwirkereien sowie zwei Entwürfe zu solchen. Das Medium der Collage wurde von Dorothea Behrens (1912-2000) genutzt, die Bildhauerei ist mit Renée Sintenis (1888-1965), Marg Moll (1884-1977, Mitglied der Académie Matisse und Gattin Oskar Molls), sowie Louise Stomps (1900-1988) prominent vertreten.

Angemerkt sei abschließend noch, daß es sich um eine Verkaufsausstellung handelt, bei welcher während des Verlaufs mit einem teilweisen Wechsel der Bestände zu rechnen ist. Die Salongalerie „Die Möwe“ befindet sich in der Auguststraße 50b in 10119 Berlin, in der Nähe des Rosenthaler Platzes. Erreichbar ist sie telefonisch unter 030-30881842 oder per Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, geöffnet von Dienstag bis Sonnabend jeweils von 12-18 Uhr.

 

Verweise:

https://www.salongalerie-die-moewe.de/aktuell.html
https://www.artatberlin.com/portfolio-item/das-weibliche-statement-gallery-visit-salongalerie-die-moewe/
https://art-depesche.de/malerei/512-wiederentdeckt-lotte-laserstein-in-der-berlinischen-galerie.html
http://www.zernsdorf.de/cms2/content/iris-hahs-hoffstetter
https://www.salongalerie-die-moewe.de/details/bettina-encke-von-arnim.html
https://www.salongalerie-die-moewe.de/details/maria-heckert-fechner.html

Künstlerinnen der klassischen Moderne in der Salongalerie „Die Möwe“ https://art-depesche.de/images/Damenportraet.jpg Ruedi Strese