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Nordic Design. Die Antwort aufs Bauhaus (Bröhan-Museum, Ausstellungsansicht)

Berlin - Das Bröhan-Museum in Charlottenburg hat sich in diesem Jahr, in welchem der 100. Geburtstag des in Weimar gegründeten Bauhauses gefeiert wurde, mit jener Schule der bildenden und angewandten Kunst wie Architektur ausgiebig befaßt. Den Abschluß des Themas bildet nun eine neue Ausstellung, welche sich mit der Rezeption und Variation des Bauhauses bzw. des deutschen Funktionalismus in der angewandten Kunst Skandinaviens befaßt. „Nordic Design – Die Antwort aufs Bauhaus“ wird bis zum 1. März 2020 zu besichtigen sein.

Bildende Kunst ist nicht Teil des Programms, doch mag dies bei dem Anliegen, einen Einblick in die Entstehung moderner Gestaltung von Möbeln und Gebrauchsgegenständen zu vermitteln, nicht unbedingt erforderlich sein.

Vorgegangen wird dabei im Wesentlichen chronologisch; im Treppenhaus begrüßen uns bereits einige ausgewählte Zitate, welche die eher skeptische Aufnahme des deutschen Funktionalismus in Dänemark zu Anfang der 1920er Jahre belegen sollen; als kalt und häßlich wurden Produkte dieser Strömung vielfach empfunden.

Im Folgenden, gleich ob es sich um dänische, schwedische oder finnische Produkte handelt, stoßen wir immer wieder auf einen ähnlichen Leitgedanken. Die Möbel sollen nicht nur schlicht und praktisch sein, sondern gleichzeitig zu einem gemütlichen Heim beitragen: jener Anspruch ist heutzutage unter dem aus Dänemark kommenden Schlagwort des „Hyggeligen“ geradezu zu einer Mode geworden, hat seine Wurzeln jedoch weit früher, und bereits im 19. Jahrhundert schuf der schwedische Maler und Wohnraumgestalter in diesem Geiste einen ganzheitlichen Ansatz, auf welchen auch hier in einer Randnotiz Bezug genommen wird, wobei die Ausstellungsstücke in den 1920er Jahren beginnen und bis in die 60er Jahre reichen.

Dabei ist der Bezug auf deutsche Produkte nicht immer negativ, wenn etwa ein Stuhl Carl-Axel Ackings einem Modell des Jugendstil-Künstlers Richard Riemerschmid nachempfunden ist, oder ein Stahlrohrfreischwinger Sven Markelius’ von 1930 unmittelbar auf Bauhaus-Vorbilder zurückgreift, dafür freilich von der Kritik als „unschwedisch“ verworfen wurde. Allgemein wurde aber in Skandinavien natürlichen Materialen (also vor allem Holz) und erdigen Farben der Vorrang gegeben.

Thematisiert werden sowohl die Ursprünge eines Riesenkonzerns mit Massenprodukten wie IKEA, welcher 1974 in München seine erste Deutschlandfiliale eröffnete und mittlerweile über 50 davon verfügt, als auch exzentrische Designer der Hippie-Zeit, deren Möbel schon eher an Raumschiffe aus psychedelischen Visionen als an Sitzgelegenheiten erinnern und den Funktionalismus gänzlich über Bord (ihres Raumschiffes) geworfen haben.

Eine Ausstellung etwas abseits unserer üblichen Themen, aber zumindest ein interessanter Einblick. Das Bröhan-Museum befindet sich in der Schloßstraße 1a in 14059 Berlin (in der Nähe des Schlosses Charlottenburg). Geöffnet ist es von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10-18 Uhr. Der Eintritt kostet 8,-, ermäßigt 5,- Euro.

 

Verweise:

https://www.broehan-museum.de/ausstellung/nordic-design-die-antwort-aufs-bauhaus/

Nordic Design - der skandinavische Weg des Funktionalismus im Bröhan-Museum https://art-depesche.de/images/E30F210B-E8F0-4C01-AED0-D7DB0C11976C.jpg Ruedi Strese