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Extraktkännchen von Marianne Brandt)

Berlin - In der Berlinischen Galerie begann das Jahr mit einer Gedenkausstellung anläßlich eines 100jährigen Jubiläums einer bedeutenden Institution der Klassischen Moderne in Deutschland, nämlich der Novembergruppe, welche Ende 1918 gegründet wurde, und mit einer ebensolchen Ausstellung endet es. „Original Bauhaus - die Jubiläumsausstellung” befaßt sich vorrangig mit angewandter und etwas mit bildender Kunst und wird noch bis zum 27. Januar 2020 zu sehen sein.

Über 1.000 Exponate aus dem Bauhaus-Archiv, Leihgaben aus internationalen Sammlungen und Werke von Gegenwartskünstlern, welche sich mit dem Bauhaus auseinandersetzen, sind zu sehen. Das klingt allerdings nach weit mehr, als es tatsächlich ist, wenn man bedenkt, daß darunter hunderte Fotografien und Postkarten gezählt werden.

Begrüßt werden wir durch einen Einführungstext und einen Zeitstrahl mit den für das Bauhaus wichtigen Stationen, dann beginnt der Rundgang, welcher jedoch weniger chronologisch geordnet ist, sondern zum einen die einzelnen Direktoren und ihre Konzepte vorstellt und Einblick in die Lehre gibt, zum anderen stellvertretend einige ausgewählte Objekte herausgreift und daran wesentliche und auch weniger bekannte Aspekte verdeutlicht.

Begründer des Bauhauses war 1919 bekanntlich Walter Gropius, welcher in der Weimarer Kunstschule das neuartige und gleichzeitig auf das Mittelalter zurückgreifende Konzept der Verbindung verschiedener Künste und des Handwerks unter einem Dach einführte. 1926 zog das Bauhaus nach Dessau, wo Gropius es noch bis 1928 leitete. Hierzu bekommen wir einen Überblick über Gropius’ Lehrtätigkeit jener Jahre, welche ihm den Ruf eines „Wanderpredigers der Moderne” einbrachte.

Der Schweizer Architekt Hannes Meyer wurde von 1928-30 sein Nachfolger, er organisierte die Bauhaus-Wanderschau, deren Stationen nachgezeichnet werden. Abgelöst wurde er von Mies van der Rohe, der die Zeit bis 1932 in Dessau sowie in Berlin bis zur Schließung unter der NS-Herrschaft 1933 seinen Weg verfolgte.

Besonders interessant ist ein Raum, welcher fünf wichtige Lehrer (Paul Klee, Wassily Kandinsky, Josef Albers, Johannes Itten, László Moholy-Nagy) des Vorkurses mit Kurzbiographien vorstellt und dann zahlreiche Arbeiten, welche Schüler in deren Unterricht anfertigten, zeigt, dies geht von der Bleistiftzeichnung über Montage, Cyanotypie, Ritzung, Gouache bis zu Faltarbeiten.

Ansonsten werden verschiedenste Objekte betrachtet, von der Gebrauchskeramik von Otto Lindig und Theodor Bogler und dem Tee-Extraktkännchen Marianne Brandts über den „Rollenden Kleiderschrank für einen Junggesellen” Josef Pohls bis zum gewaltigen gewebten Teppich von Gertrud Arndt. Gefragt wird auch nach der Beziehung zwischen Bauhaus und Dada anhand des geplanten Gastauftrittes von Hannah Höch, oder der sitzenden maskierten Dame im Stahlrohrsessel Marcel Breuers auf dem bekannten Foto.

Das berühmte Gemälde „Bauhaustreppe” Oskar Schlemmers befindet sich in New York und hat den Weg nach Berlin nicht gefunden, jedoch werden mehrere Arbeiten gezeigt, welche mit diesem in der einen oder anderen Weise im Zusammenhang stehen.

Inwieweit die Erzeugnisse des Bauhaus schön oder nicht schön sind und wie die Rolle dieser Schule insgesamt zu bewerten ist, wird wohl im Auge des Betrachters liegen, als kunsthistorischer Einblick ist die Ausstellung hingegen in jedem Fall zu empfehlen.

Die Berlinische Galerie befindet sich in der Alten Jakobstraße 124-128 in 10969 Berlin; sie ist am Montag sowie von Mittwoch bis Sonntag jeweils von 10-18 Uhr geöffnet, der Dienstag ist Schließtag. Der Eintritt einschließlich der aktuellen Sonderausstellung kostet regulär 12,-, ermäßigt 8,- Euro.

 

Verweise:

https://berlinischegalerie.de/original-bauhaus/
https://art-depesche.de/malerei/465-die-kunst-der-novembergruppe-–-ausstellung-in-der-berlinischen-galerie.html
https://art-depesche.de/malerei/578-nordic-design-der-skandinavische-weg-des-funktionalismus-im-bröhan-museum.html

Der Abschluß des Bauhaus-Jubiläums in der Berlinischen Galerie https://art-depesche.de/images/wunderlampe.jpg Ruedi Strese