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Vincent van Gogh „Trauben, Zitronen, Birnen und Äpfel“ (Öl auf Leinwand, 1887)

Potsdam - In nur einem Jahrzehnt, von 1881 bis zu seinem Tod 1890, schuf Vincent van Gogh wie bzw. als ein Besessener sein gewaltiges Lebenswerk. Einen wesentlichen Teil von diesem machten die Stilleben aus, über 170 von jenen sind verzeichnet. Von diesen hat das Museum Barberini nun 27, einen repräsentativen Querschnitt aus den verschiedenen Werkphasen, für seine aktuelle Sonderausstellung, welche bis zum 2. Februar 2020 zu sehen sein wird, versammeln können.

Vincent van Gogh, Jahrgang 1853, war bereits 27 Jahre alt, als er sich für den Weg als Künstler entschied. Die Ausstellung beginnt nun mit einer Übersicht über seine Lebensgeschichte, zudem wird der Frage nachgegagen, woher der weitgehende Autodidakt seine ersten Kentnisse erwarb: drei prägende Bücher werden im Original ausgestellt und ihr Einfluß auf van Gogh erklärt. Zudem wird vorab die Frage beantwortet, weshalb keines der berühmten Sonnenblumen-Bilder zu sehen ist; allerdings war die Frage dennoch zu hören.

Wir haben die Antwort indes erhalten und machen uns auf den Weg durch die chronologisch geordnete Schau. Es beginnt mit der Frühphase in Den Haag und Nuenen (1881-85). Eine kurze Einführung in die Aquarell- und Ölmalerei hatte er in Den Haag von seinem angeheirateten Cousin Anton Mauve (1838-88), einem führenden Vertreter der realistischen bis impressionistischen Haager Schule, erhalten, ansonsten orientierte er sich an Alten Meistern seines Landes, vor allem Rembrandt und Frans Hals. In jener Zeit bevorzugte er dunkle Töne, wovon eine Auswahl an Bildern zeugt. „Stilleben sind der Anfang von allem“ sagte er im Winter 1884/85; das Genre eignete sich in besonderer Weise zum technischen Erproben.

Die zweite Werkphase sind die Pariser Jahre 1886-88, als van Goghs Palette sich unter dem Einfluß der Impressionisten wie Manet und Monet aufhellte. Diese Periode ist hier besonders gut abgedeckt, das Blumenstilleben bot ein reiches Experimentierfeld; es überrascht die Vielfalt der gezeigten Arbeiten. Eine „Vase mit Mohnblumen“ entstand kurz nach seiner Ankunft in Paris; sie ist so untypisch, daß die Echtheit des Bildes lange als fraglich galt. Erst kürzlich konnten niederländische Forscher es sicher zu den van Goghs gesellen; es ist hier erstmalig seit dieser Untersuchung öffentlich zu sehen.

In jener Pariser Zeit befaßte van Gogh sich schließlich mit japanischen Farbholzschnitten und der pointillistischen Malweise Paul Signacs, wovon (das ist doch gar kein Stilleben!) ein außerordentlich schönes Restaurant-Intérieur zeugt. Unter diesem Einfluß enstand jedenfalls sein typischer eigener Stil mit in langgezogenen Pinselstrichen wellenartig aufgetragenen leuchtenden Farben.

In den Jahren 1888-90 hielt van Gogh sich zunächst in Arles auf, wo er gemeinsam mit Paul Gauguin eine Künstlerkolonie ins Leben rufen wollte. Das Unternehmen endete bekanntlich mit dem Verlust eines Ohres und der Einweisung in die Nervenheilanstalt von Saint-Rémy. Thematisch geht es in den Werken jener Periode von Nahrungsmitteln über Blumen bis hin zu Lederpantoffeln.

Die letzten Monate seines Lebens spielten sich in Auvers ab, wo er sich auf dem Weg der Genesung zu befinden schien, weiterhin leidenschaftlich malte, doch schließlich seinem Leben ein Ende setzte. Nur ein Bild aus diesem Abschnitt ist zu sehen: die „Blühenden Kastanienzweige“ bekommen einen Raum ganz für sich und laden den Besucher (sofern er Glück hat und ein paar ruhige Minuten erwischt) zur ehrfurchtsvollen Betrachtung ein.

Überhaupt ist, wie immer im Barberini, die Präsentation der Werke sehr gelungen, es gibt ausreichend Platz, damit diese ihre Magie entfalten können; die Begleittexte sind aufschlußreich und gut verständlich. 27 Bilder sind nicht viel, und sind es doch.

„Van Gogh. Stilleben“ sollte der Kunstfreund sich nicht entgehen lassen. Die Karte für das Museum Barberini kostet 14,-, ermäßigt 10,- Euro, Personen unter 18 Jahren haben freien Eintritt. Geöffnet ist es am Montag sowie von Mittwoch bis Sonntag von 10-19 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr; der Dienstag ist Schließtag. Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam.

 

Verweise:

https://www.museum-barberini.com/van-gogh/
https://art-depesche.de/malerei/22-maezen-hinter-dem-genius-der-kunsthaendler-theo-van-gogh.html
https://art-depesche.de/malerei/13-heitere-farben-und-seelenfinsternis-vincent-van-gogh-in-arles.html
https://art-depesche.de/malerei/55-dr-gachet-der-arzt-an-van-goghs-totenbett.html

Das Stilleben bei Vincent van Gogh: Sonderausstellung im Museum Barberini https://art-depesche.de/images/Trauben_Zitronen_Birnen_und_Aepfel.jpg Ruedi Strese