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Willi Sitte „Alexisbad” (Öl auf Leinwand, 1973)

Potsdam - Das Museum Barberini hat einen seiner Sammlungsschwerpunkte bei DDR-Kunst bzw. Werken von in der DDR bekanntgewordenen Künstlern. Sukzessive waren Teile der Sammlung einer immer umfassenderen Schau zugefügt worden, nun widmet sich, parallel zur van Gogh-Ausstellung, die letzte Ergänzung dem Thema der Landschaft. Bis zum 2. Februar 2020 werden diese Werke zu sehen sein.

Über die beiden ersten Ausstellungsteile, unter den Schwerpunkten „Aspekte des Malerischen” und „Moderne Historienmalerei” berichteten wir bereits, zu „Melancholie und Malerei” schwieg diese Seite, doch sei erwähnt, daß diese drei Teile noch bis etwa Mitte Januar 2020 zu sehen sein werden. Doch zurück zum eigentlichen Thema.

Wolfgang Mattheuer (1927-2004) bekommt einen eigenen Saal gewidmet und ist wohl auch der bedeutendste Meister der Ausstellung. Er gilt als Vertreter der „Leipziger Schule”, doch verweist dies mehr auf den Ort des Wirkens und taugt wenig als Stilbezeichnung. Werke aus den frühen 60er Jahren sind zu sehen, etwa „Gartenbild” (1960) oder „Baumblüte” (1962), welche ein wenig an den naiven Zöllner Rousseau erinnern, technisch impressionistisch beeinflußt sind.

Nur das Frühwerk? Spätere Arbeiten, etwa „Gartenbild mit Teich und Leiter” (1990) oder „In der Ferne Reinsdorf II” (1992) kehren zu einer solchen Herangehensweise zurück. Berühmt wurde Mattheuer jedoch mit Werken, die Verwandtschaft zum magischen Realismus eines Franz Radziwill, Georg Schrimpf oder Alexander Kanoldt aufweisen. Äußerst präzise ausgeführt und ohne übernatürliche Zutaten, doch von verzauberter Atmosphäre erfüllt, irgendwie gebrochen sind Landschaften wie „Ein merkwürdiger Abend” (1975), „Abendnebel” (1984) oder „Abendnebellandschaft” (1992).

Roland Nicolaus (*1954) hat sich vielfach mit der Berliner Mauer und dem Grenzland befaßt, so auch in „Hinter dem Pariser Platz (Wilhelmstraße)” (1987), einer ins Unwirkliche, Apokalpytische übersteigerten düsteren Szenerie. Mit einem Bild vertreten ist auch Stefan Plenkers (*1945), es handelt sich um eine lichte Szene „Figuren am Strand (Badende)” (1975). Von leuchtender Farbigkeit, die an gemäßigtere Arbeiten der Brücke-Künstler erinnert, ist „Alexisbad” (1973) von Willi Sitte (1921-2013), sehr expressiv und pastos ein Werk aus jüngerer Zeit, „Mittagswiese II” von Hartwig Ebersbach (*1940).

Mit „Friedrichstadt” (1988), einer düsteren Vedute von Dresden, dabei ist Johannes Heisig (*1953), Sohn von Bernhard Heisig (1925-2011), dem zweiten Hauptdarsteller der Schau. Dieser ist sonst für seine ins Groteske verzerrten, etwas an James Ensor erinnernden, Figurenbilder bekannt, hier begegnen wir ihm nun in mehreren Werken von einer ganz anderen Seite, insbesondere späte Arbeiten wie „Weg nach Strohdehne” (2009) oder „An der Havel” (2008) evozieren eine ungewohnt beschauliche Stimmung.

„Künstler aus der DDR: Landschaft” ist ein überaus lohnender Einblick, welcher mit Sicherheit auch viele Menschen ansprechen dürfte, die sonst mit DDR- und Post-DDR-Kunst nicht viel anfangen können.

Der Eintritt in das Museum Barberini kostet 14,-, ermäßigt 10,- Euro, Personen unter 18 Jahren zahlen nichts. Geöffnet ist es am Montag sowie von Mittwoch bis Sonntag von 10-19 Uhr, an jedem ersten Donnerstag im Monat bis 21 Uhr; der Dienstag ist Schließtag. Museum Barberini, Alter Markt, Humboldtstraße 5–6, 14467 Potsdam.

 

Verweise:

https://www.museum-barberini.com/kuenstler-aus-der-ddr/
https://art-depesche.de/malerei/508-künstler-aus-der-ddr-–-moderne-historienmalerei-im-museum-barberini.html
https://art-depesche.de/malerei/473-„aspekte-des-malerischen“-aus-der-ddr-kunstsammlung-des-museums-barberini.html

Landschaften von Künstlern aus der DDR im Museum Barberini https://art-depesche.de/images/Alexisbad.jpg Ruedi Strese