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Berthe Morisot „Vor dem Spiegel“ (Öl auf Leinwand, ca. 1890)

Rom - Seinen Namen hat der Palazzo Bonaparte von Napoleons Mutter Letizia Ramolino, welche von 1818 bis zu ihrem Tod 1836 dort lebte. Erst seit Juli diesen Jahres wird das repräsentative Gebäude nach aufwendiger Restauration als Kunstmuseum genutzt; für die aktuelle Ausstellung „Impressionisti Segreti“ („Geheime Impressionisten“), zu sehen bis zum 8. März 2020, konnte fast die gesamte erste Garde der Lichtmaler versammelt werden.

Über 50 Gemälde, größtenteils aus Privatsammlungen und teilweise ausschließlich für diese Schau der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, wurden zusammengetragen. Die ersten drei Räume widmen sich allein dem Thema, welches für die impressionistische Bewegung insgesamt das vorrangige gewesen sein dürfte, der Landschaft.

Ganze sieben Bilder Claude Monets (1840-1926) sind dabei, von den stilprägenden frühen Werken („Der Obstgarten“, ca, 1874) bis zu späteren Arbeiten, als die Befassung mit Lichteffekten bereits zu einem sehr hohen Abstraktionsgrad geführt hatte („Die Nesselinsel“, 1897). Auch Alfred Sisley (1839-1899) ist als prominenter Landschafter mehrfach vertreten. Im Vergleich zu Monet gefälliger und weniger revolutionär, doch von einem beeindruckenden Gespür für lebhafte Farbkraft. Vielleicht der dem Idealtypus nächste Protagonist der Bewegung.

Camille Pissarro (1830-1903) war der älteste der Gruppe und ein politischer Hitzkopf, was allerdings in seiner Malerei nicht sichtbar wird. Mit seinen Landschaften und Veduten hat er einen eigenen Raum erhalten. Die pointillistische Phase ist nicht dabei, ansonsten erhalten wir einen schönen Einblick. Statt des starken Kontrasts bestimmt bei Pissarro die feine Abstufung, vor allem der Gelb- und Grüntöne. Von Paul Cézanne (1839-1906) findet sich eine Figurengruppe vor Bäumen, sie illustriert die über Cézanne anzutreffende Einschätzung als eines „unvollkommenen Giganten“, der eigentlich nicht malen konnte, und dennoch Bedeutendes geschaffen hat.

Mit gleich vier Landschaften aus verschiedenen Phasen im Programm ist auch Pierre-Auguste Renoir (1841-1919), auch wenn dies nicht sein Vorzugsthema war. Armand Guillaumin (1841-1927) und Gustave Caillebotte (1848-1894) standen, was Erfolg und Umfang des Schaffens angeht, stets im Schatten der bekannteren Weggefährten, ihre Werke sind jedoch immer ein guter Beleg, daß es da noch mehr gute Maler gab, als die, deren Namen jeder schon einmal gehört hat.

Caillebotte ist insgesamt sogar siebenmal dabei, mit Landschaften und Blumenbildern wie den Pariser Fensterbildern, welche wohl am ehesten mit seinem Namen verbunden werden. Letztere befinden sich in einem dem Leben in und um Paris gewidmeten Raum. In dieser Gemeinschaft begegnen wir auch Eva Gonzalès (1847-1883) mit einem ausdrucksstarken Porträt, welches die einzige Schülerin Édouard Manets (1832-1883) bereits 1871/72 auf die Leinwand brachte.

Von Manet gibt es ein „Porträt von Berthe Morisot im Schleier“ (um 1872). Spannender sind die drei Arbeiten der von Manet Dargestellten (1841-1895) selbst, das recht bekannte „Auf dem See“ (etwa 1884), ein Porträt eines Mädchens sowie ein kleines Gemälde, welches eine Dame bei ihrer Toilette darstellt, zweifellos eines der Glanzlichter der Ausstellung! Einmal dabei ist auch Paul Gauguin (1848-1903); seine „Bretonischen Fischer“ (1888) sind für diesen Maler recht nah am „klassischen“ Impressionismus.

Renoir treffen wir noch einmal in einem eigenen Raum mit Beispielen aus dem Werksteil, welchem er seinen unsterblichen Ruhm verdankt, den Bildnissen schöner Frauen und Kinder. Der Stil ist ja stets unverkennbar, und wer ihn mag, kommt hier definitiv auf seine Kosten. Dazu gesellt sich mit einem Bild der einzige Italiener im Programm, Federico Zandomeneghi (1841-1917), welcher indes in Paris lebte und Degas nahestand. Von den lichten Farben nahe an Renoir, und doch eigen.

Zum Abschluß begegnen wir einigen durchweg herausragenden Werken der Pointillisten bzw. Neoimpressionisten. Henri-Edmond Cross (1856-1910) war erst kürzlich mit einer umfassenden Schau im Potsdamer Barberini zu sehen, hier sind drei Beispiele seiner von leuchtenden Farben bestimmten Hauptphase zu sehen. Ebenfalls dabei sind mit je einem Gemälde sein Freund und Inspirator Paul Signac (1863-1935), mit einem in seiner Blüte sehr ähnlichen Stil, der Flame Théo van Rysselberghe (1862-1926) sowie Achille Laugé (1861-1944).

Eine wahrlich beeindruckende Schau, die nicht nur große Namen der ersten modernen Kunstrichtung versammelt, sondern vor allem eine Werkauswahl von den Durchschnitt weit überragender Qualität. Liebhaber impressionistischer Malerei sollten schauen, ob sie nicht demnächst eh einmal nach Rom wollten. Es lohnt sich.

Die Fragen von Beleuchtung und Hängung sind vorbildlich gelöst, auch gibt es zu jedem Künstler eine kurze Vorstellung sowie zu jedem Bild eine Erläuterung (auf Italienisch und Englisch) mit biographischer Einordnung. Der ansprechende Katalog ist leider bisher ausschließlich auf Italienisch erschienen, ein Makel insbesondere angesichts des hohen Anteils ausländischer Besucher, welcher vor Ort anzutreffen war.

Übrigens hat das Museum die künstlerische Leitung in berufene Hände gelegt: Claire Durand-Ruel ist Nachfahrin Paul Durand-Ruels, welcher als Kunsthändler den Impressionisten den Weg ebnete, und Marianne Mathieu ist wissenschaftliche Leiterin des Marmottan Museum Monet in Paris, welches die weltgrößte Sammlung an Arbeiten von Claude Monet und Berthe Morisot beherbergt.

Der Palazzo Bonparte befindet sich am Piazza Venezia 5 in Rom, geöffnet hat er montags bis freitags von 9 bis 19 sowie am Sonnabend und Sonntag von 9 bis 21 Uhr. Der Eintritt kostet regulär 15,-, für Kinder 7,- Euro.

 

Verweise:

https://www.mostrepalazzobonaparte.it/impressionisti-segreti

Rom: Schätze des Impressionismus im Palazzo Bonaparte https://art-depesche.de/images/Vor_dem_Spiegel.jpg Ruedi Strese