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Karl Schmidt-Rottluff „Erzgebirgsdorf“ (Öl auf Karton, 1905)

Berlin - Derzeit wenden sich die Blicke der Ausstellungen recht häufig von den Bildern ab. Vor kurzem erst betrachtete das Museum Berggruen die Rückseiten seiner Werke, und eine Kabinettausstellung der Gemäldegalerie widmete sich der Geschichte musealer Beschilderungssysteme. Nun ist das Brücke-Museum an der Reihe; bis zum 15. März 2020 werden unter dem Titel „Unzertrennlich. Rahmen und Bilder der Brücke-Künstler“ Rahmen und Bilder der Brücke-Künstler unter die Lupe genommen. Das Überraschende ist, daß dafür recht hochkarätige Exponate zusammengetragen wurden.

Dabei ist, wie gleich zugegeben sei, der Ansatz nicht ganz abwegig, denn die frühen Expressionisten sahen Rahmen nicht nur als notwendiges Übel, sondern als Teil eines Gesamtkunstwerkes, welcher durchaus sorgfältig ausgewählt und bisweilen auch recht aufwendig selbst gestaltet wurde. „Ungerahmte Bilder gebe ich niemals auf Ausstellungen … wenn ich etwas mache, so recht und gut als irgend möglich, sonst lieber nicht“ ließ Ernst Ludwig Kirchner 1937 verlauten.

Es beginnt mit einem Rückblick auf früheste Werke und die Inspiration durch Impressionisten und Postimpressionisten, welche von den alten Prunkrahmen abrückten, und, um die Bilder selbst stärker wirken zu lassen, diese in meist weiß gestrichene einfache Holzrahmen setzten, was die Brücke bei ihrer ersten Ausstellung 1906 in Dresden übernahm, bevor sie das Weiß durch einen dunklen Anstrich ersetzte. Damit steht der „klassische“ expressionistische Rahmen in bewußtem Gegensatz auch zu seinem impressionistischen Vorbild, wozu sich trefflich weitere Überlegungen anstellen ließen.

Allerdings gab es auch bald individuelle Abweichungen. So bediente sich Karl Schmidt-Rottluff zunächst einfacher Schnitzereien, Kirchner begann mit rohen Holzrahmen, in seiner späteren Zeit (das Spätwerk aus Davos ist sehr reich vertreten) führte er in gewisser Weise die Gemälde auf dem Rahmen weiter, indem er diese mit gemalten Ornamenten versah. Von beiden Künstlern gibt es übrigens nicht nur Rahmen, sondern auch eine große Zahl von Bildern zu bestaunen.

Emil Nolde war nur kurz Mitglied der Brücke, ihm ist eine kleine eigene Abteilung gewidmet. Der gelernte Möbeltischler rahmte seine Bilder ganz in Schwarz, stilvolle und genau gearbeitete Schnitzereien tragen zur würdigen und schweren Erscheinung der gezeigten Werke bei.

Otto Mueller und Erich Heckel sind mit wenigen Arbeiten im Programm, so daß hier Eigentümlichkeiten und Entwicklungslinien schwieriger aufzuzeichnen sind, auf Werke von Max Pechstein, Fritz Bleyl und Cuno Amiet muß der Besucher verzichten.

Insgesamt gibt es, vom konzeptuellen Rahmen abgesehen, Einiges zu sehen, denn neben original gerahmten Bildern aus den museumseigenen Beständen kann die Ausstellung mit einer ganzen Zahl von Leihgaben aus dem In- und Ausland aufwarten (etwa aus Karlsruhe, Dresden, Davos, Frankfurt am Main, Den Haag, Bern, Kopenhagen, Chur und Stockholm), so daß es sich deutlich mehr lohnt, als sich anhand des gewählten Themas erahnen ließe. Das Brücke-Museum befindet sich am Bussardsteig 9 in 14195 Berlin, geöffnet ist es täglich (außer dienstags) von 11-17 Uhr. Der Eintritt kostet regulär 6,-, ermäßigt 4,- Euro.

 

Verweise:

https://www.bruecke-museum.de/de/programm/ausstellungen/607/unzertrennlich-rahmen-und-bilder-der-brcke-knstler

Expressionistisch gerahmt: Bilder der Brücke im Brücke-Museum https://art-depesche.de/images/Erzgebirgsdorf.jpg Ruedi Strese