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Rom - Italien war stets katholisch, blieb, vom lokal begrenzten Phänomen der Sekte Savonarolas und Napoleons Beutezügen abgesehen, von Bilderstürmen verschont, und ohne Bedenken wurden die größten Meister der bildenden Kunst für die Ausgestaltung der prächtigen Sakralbauten in Dienst genommen, weshalb etliche italienische Kirchen nicht nur Gotteshäuser, sondern auch wahre Kunsttempel sind. Unter den herausragenden Beispielen findet sich San Luigi dei Francesi in Rom, welche wir bei unserer Reise in die Stadt am Tiber besichtigten.

Zu der Einrichtung gibt es zunächst einen recht bemerkenswerten historischen Hintergrund, welchen wir unseren Lesern hier nicht voranthalten möchten: nachdem 1417 mit der Wahl des Papstes Martin V. auf dem Konzil von Konstanz die Zeit des Großen Abendländischen Schismas der zwei Päpste (in Rom und Avignon) beendet werden konnte und Rom als Sitz des Papstes bestätigt worden war, wurde die Stadt zum Magnet für Klerus und Gläubige, doch auch für Händler, Juristen, Personal verschiedenster Abkunft.

Diese Ausländer schlossen sich nun in als „Nationen“ bezeichneten Vereinigungen zusammen, wobei diese nicht nach staatlichen, sondern nach sprachlichen Kriterien erfolgte. Die „Nation“ der „Franzosen“ umfaßte entsprechend Untertanen des französischen Königs wie auch des Römischen Reiches deutscher Nation aus Lothringen, Burgund und Savoyen, sie betrieb u.a. einige kleine Kirchen, einen Friedhof und ein Heim zur Unterbringung vor allem von armen Pilgern.

Es bestand indes Bedarf nach einer größeren Kirche, eine französische Nationalkirche, für welche der Grundstein 1518 gelegt wurde, 1589 endlich konnte sie durch den Erzbischof von Toulouse dem heiligen französischen König Ludwig IX., dessen Herrschaft von 1226-1270 gewährt hatte, geweiht werden. Bis heute fungiert sie als Titelkirche, deren Pfarramt jeweils der Kardinal innehat, welcher zugleich Erzbischof von Paris ist.

Der berühmteste Teil der Kirche ist die Contarelli-Kapelle. Der französische Kardinal Matthieu Cointerel (Italienisch: Contarelli) war reich gewesen und hatte noch zu Lebzeiten eine Kapelle in der Kirche gekauft, um diese nach seinem Tod mit Szenen aus dem Wirken seines Namenspatrons, des Evangelisten Matthäus, gestalten zu lassen.

Contarelli verschied 1585, und der flämische Bildhauer Jacques Cobaert sowie der römische Maler Giuseppe Cesari wurden mit der Ausgestaltung der Kapelle beauftragt. Beide kamen jedoch ihren Aufträgen aus verschiedenen Gründen zunächst nicht oder nur unvollständig nach, weshalb 1599 schließlich Michelangelo Merisi, bekannt als Caravaggio, der Hausmaler des Kardinals Francesco Maria del Monte, gebeten wurde, zunächst zwei Gemälde zu malen; später kam ein weiteres hinzu.

Es handelte es sich um Caravaggios ersten Großauftrag. 1602 fand dieser seinen Abschluß, und es waren wahre Meisterwerke entstanden. Tenebrismo wurde die Innovation des Malers genannt, eine besonders dramatische Version des Chiaroscuro (Helldunkels); durch gezielt gerichtetes Licht wurden die Figuren aus der finsteren Umgebung herausgehoben. „Die Berufung des heiligen Matthäus“ und „Das Martyrium des heiligen Matthäus“ von 1599 sind Paradebeispiele des neuartigen Gestaltungsmittels.

Das erst 1602 in Auftrag gegebene „Der heilige Matthäus und der Engel“ wurde in seiner ersten Fassung als zu grob abgelehnt; diese fand ihren Weg nach Berlin, wo sie 1945 bei einem alliierten Bombenangriff zerstört wurde. Erst die zweite Fassung fand die Zustimmung der Auftraggeber. Man sieht den Heiligen schreibend, was der ihm von oben zugewandte Engel diktiert. Gut zu sehen sind alle drei Bilder indes nur, wenn der Besucher die durch Geldeinwurf zu überzeugende Beleuchtung nutzt.

Doch sind dies nicht die einzigen Gemälde, welche einen Besuch lohnen. Sehenswert ist auch das Gewölbefresko des Hauptschiffes des französischen Rokoko-Künstlers Charles-Joseph Natoire zur „Apotheose des Saint Louis“. Die Kapelle der heiligen Cäcilie enthält Fresken Dominiquinos, der Chor zeigt Mariae Himmelfahrt, gemalt von Francesco Bossano dem Jüngeren. Guido Reni steuerte eine Kopie der heiligen Cäcilie Raffaels bei. Auch von Muziano und Giovanni Baglione sowie weiteren Künstlern finden sich Fresken bzw. Gemälde.

Die Gemälde Caravaggios in der San Luigi dei Francesi gehören sind Kunstwerke ersten Ranges des italienischen Barock, welche einen Besuch unbedingt lohnen. Die Kirche befindet sich in der Via San Giovanna d’Arco 5 in 00186 Rom, also mitten im Stadtzentrum. Der Eintritt ist frei, es sollte jedoch bedacht werden, daß es sich um ein Gotteshaus handelt, also die Zeiten der Messe (von Montag bis Freitag 19 Uhr, am Sonnabend 12.30 und am Sonntag 10.30 Uhr) nicht unbedingt für museale Erkundungen geeignet sind, zudem sollte auf angemessene Kleidung geachtet werden.

 

Verweise:

http://saintlouis-rome.net/
https://www.lonelyplanet.com/italy/rome/attractions/chiesa-di-san-luigi-dei-francesi/a/poi-sig/389397/359975
https://www.wga.hu/frames-e.html?/html/c/caravagg/04/
http://www.ibiblio.org/wm/paint/auth/caravaggio/calling/

Caravaggio und mehr - die Kirche San Luigi dei Francesi in Rom https://art-depesche.de/images/Michelangelo_Caravaggio.jpg Ruedi Strese