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William Stott of Oldham „Der Fährmann“ (Öl auf Leinwand, 1881)

Bremen - Ein weiterer wunderbarer und in Deutschland kaum bekannter Künstler, welchen wir unseren Lesern gerne vorstellen möchten, ist William Stott of Oldham. Dieser wird dem britischen Impressionismus des ausgehenden 19. Jahrhunderts zugerechnet, doch findet sich in seinen Werken trotz des französischen Einschlags eine mystisch-poetische Stimmung, welche eine Verwandtschaft mit dem Symbolismus und vor allem seinen Landsleuten von den Präraffaeliten erkennen läßt.

1857 in Oldham bei Manchester als Sohn eines Windmühlenbesitzers geboren, erhielt er seinen ersten Zeichenunterricht in seiner Heimatstadt. Zunächst studierte er an der Manchester School of Art, 1879 ging er dann nach Paris, wo er Schüler des akademischen Malers Jean-Léon Gérôme wurde, welcher der damals beliebten orientalistischen Strömung anhing. Gérôme war ein streitbarer Gegner des Impressionismus, doch ein hervorragender Zeichner, unter seinen Schülern waren unter anderem Gustave Caillebotte, Mary Cassatt, Thomas Eakins, Henry La Thangue, Odilon Redon, Dennis Miller Bunker und Julian Alden Weir.

Jedenfalls konnte Stott hier sein Handwerk lernen, und der Lehrer verhalf ihm 1881 und 1882 auch zur Teilnahme am Pariser Salon. Einen starken Eindruck auf Stott machte anfangs auch die Freilichtmalerei Jules Bastien-Lepages. In dieser Zeit begann er, seine Gemälde als „William Stott of Oldham“ zu unterzeichnen, was sowohl Stolz auf seine Herkunft ausdrücken als auch Verwechslungen mit seinem Malerkollegen Edward Stott verhindern sollte.

Nach dem Studium verbrachte er längere Zeit in der Freilichtmalerkolonie Grez-sur-Loing in der Nähe von Fontainebleau, wo sich vornehmlich irische, schottische, englische und amerikanische Maler aufhielten. Eines seiner frühen Werke, „Der Fährmann“ (1881), konnte die Tate Galerie in London 2017 erwerben. Dieses Bild hatte seinerzeit einen unmittelbaren Einfluß auf Künstler der Glasgower Schule der Freilichtmalerei. Anschließend kehrte er nach England zurück.

Anfangs malte Stott vorrangig realistische bis impressionistische Landschaften, ab etwa Mitte der 1880er Jahre traten in seinen Ölgemälden und Pastellen zusehends Figuren in den Mittelpunkt, welchen er mythische oder allegorische Bedeutung verlieh, womit er sich trotz der impressionistischen Behandlung des Lichtes eher in die Traditionslinie der Präraffaeliten stellte, so in „Die Nymphe“ (1886) oder „Schaumgeborene Venus“ (1887). Dieses von den Kritikern verrissene Bild führte zum Bruch der Freundschaft mit James McNeill Whistler, denn es stellte dessen Geliebte Maud Franklin dar.

1889 bekam er eine Einzelausstellung in der Galerie Durand-Ruel, bedeutend durch ihre frühe Förderung des Impressionismus, in Paris. Regelmäßig konnte Stott auch an der Royal Academy in London ausstellen, obgleich er dort nie Mitglied wurde und einen schweren Stand in der britischen Kunstszene hatte, was zu einem gewissen Teil auf die Feindschaft mit Whistler zurückgehen könnte.

Einer der größten Maler der frühen englischen Moderne, Walter Sickert, bekannte 1896 in einem Interview: „Mister Stott ist nie Gerechtigkeit widerfahren. Er ist ein großer Maler, und große Maler sind selten.“ Sickert war früher Schüler Whistlers gewesen und hatte sich ebenfalls mit diesem überworfen, dies nur am Rande.

Stott starb 1900, gerade 42 Jahre alt, während einer Reise von London nach Belfast. Sein Werk verdient größere Bekanntheit, seine Qualität und Originalität in der Kunst des späten 19. Jahrhunderts sind nicht zu bestreiten. Ein Bildband mit Begleittext von Roger Brown erschien bereits 2004, er mag als Einführung dienen.

 

Verweise:

https://www.tate.org.uk/art/artworks/stott-of-oldham-prince-or-shepherd-prince-ou-berger-n05031
https://www.tate.org.uk/art/artworks/stott-of-oldham-le-passeur-the-ferryman-t14872
https://artuk.org/discover/stories/william-stott-of-oldham-the-rare-great-painter-who-fought-with-whistler
https://www.theguardian.com/artanddesign/2017/may/05/tate-britain-acquires-british-impressionist-painting-william-stott-oldham-ferryman
https://www.amazon.com/William-Stott-Oldham-1857-1900-Rushing/dp/1903470218
http://www.fineart-china.com/oil painting artist/William Stott of Oldham.html

Vergessener Meister des britischen Impressionismus: William Stott of Oldham https://art-depesche.de/images/Der_Faehrmann.png Ruedi Strese